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Medizin für Jedermann

Online-Vortrag am UKL nimmt Familiären Brust- und Eierstockkrebs in den Fokus

Prof. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde, widmete sich in der Vortragsreihe „Medizin für Jedermann“ der Risikoerfassung und Früherkennung von familiärem Brust- und Eierstockkrebs.

Prof. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde, widmete sich in der Vortragsreihe „Medizin für Jedermann“ der Risikoerfassung und Früherkennung von familiärem Brust- und Eierstockkrebs.

Leipzig. 2013 wurde durch die US-Schauspielerin Angelina Jolie ein Thema ­angestoßen, das einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt oder suspekt war: das vorbeugende Entfernen des Drüsengewebes der Brüste, obwohl noch keine Krebsdiagnose vorliegt.

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Die Schauspielerin begründete damals in einem Zeitungsbeitrag, warum sie sich dieser Operation unterzogen hatte: Aufgrund einer Mutation des sogenannten BRCA1-Gens habe ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken über 80 Prozent betragen, das an Eierstockkrebs zu erkranken sei auf 50 Prozent geschätzt worden. Diese beiden Risiken wurden bei ihr durch das Ent­fernen des Brustgewebes sowie später auch beider Eierstöcke und der Eileiter erheblich gesenkt.

„Es war gut, dass diese Geschichte von ­Angelina Jolie international durch die Presse gegangen ist. Damit wurde viel Aufklärungs­arbeit durchgeführt“, sagte Prof. Dr. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitäts­klinikum Leipzig (UKL), bei ihrem Vortrag in der Reihe „Medizin für Jedermann“.

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Prof. Aktas erläuterte online, dass beim ­familiären Brust- und Eierstockkrebs eine riskante Erblast im Körper steckt und für wen ein Gentest sinnvoll ist.

Zuerst nannte die Klinikdirektorin ein paar Fakten: „Jährlich treten in Deutschland 70 000 Neuerkrankungen bei Brustkrebs und 7300 bei Eierstockkrebs auf. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt über alle Krebsstadien hinweg betrachtet bei Brustkrebs 87 Prozent, bei Eierstockkrebs nur 43 Prozent.“

Sie erläuterte dann, was unter BRCA zu verstehen ist. Die vier Buchstaben sind eine Abkürzung des englischen Begriffes für Brustkrebs „Breast Cancer“. Frauen (selten auch Männer) mit einer Mutation des BRCA1- oder BRCA2-Gens erkranken im Alter von 40 bis 45 Jahren häufiger an Brustkrebs.

Kostenlose Checkliste zur Überprüfung des eigenen Risikos

Wer sein persönliches Risiko prüfen wolle, so Prof. Aktas, könne das leicht, weil eine entsprechende Checkliste kostenlos im Internet verfügbar sei. Die Checkliste wird in der Regel bei gegebener familiärer Häufung durch die Frauenärzte genutzt.

Mit der Checkliste werden mütterliche und väterliche Linien abgefragt, am Ende entsteht der ganz persönliche Risikowert. Wer dann einen kosten­losen Gentest machen lassen will, muss bestimmte Kriterien erfüllen wie: mindestens drei Frauen in der Familie sind unabhängig vom Alter an Brustkrebs erkrankt oder mindestens eine Frau ist vor dem 36. Geburtstag an Brustkrebs erkrankt.

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„Das Wissen um den Genstatus ist wichtig für die Behandlung der Krebserkrankung“, betonte die Leipziger Gynäkologin. „Denn 5 bis 10 Prozent aller Brustkrebserkrankungen und 20 Prozent aller Eierstockkrebserkrankungen sind auf Genmutationen zurückzuführen. Wobei nicht nur BRCA, sondern auch andere Genmutationen als Ursache möglich sind. Deshalb testen wir am Klinikum als Konsortialzentrum auf ein ganzes Panel von Genen, die als Risikoträger bekannt sind.“

Interdisziplinärer Verbund aus Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen

Das Leipziger Universitätsklinikum gehört zu den 23 Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland, die in einem gleichlautenden Konsortium zusammenarbeiten. In diesem interdisziplinären Verbund arbeiten Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen eng zusammen und kooperieren auf nationaler und internationaler Ebene. Diese Zusammenarbeit führt unter anderem auch zu einer jährlichen Aktualisierung der Checkliste.

Für Ratsuchende bietet der Kontakt zum UKL einige Vorteile. So erfolgt der Gentest nicht nur auf die zwei häufigsten Gene, sondern auf insgesamt 34 Gene. Es gibt zudem innerhalb des Konsortiums ein sogenanntes Recall-System: Wenn es neue Erkenntnisse über die Bewertung von Genbefunden gibt, werden alle betroffenen Ratsuchenden informiert.

Zudem gilt für Zentren des Konsortiums: Für Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs festgestellt wird, ist die allgemeine Brustkrebsfrüherkennung oft nicht ausreichend, da das Risiko häufig schon in jüngeren Jahren erhöht ist und die üblichen Früherkennungsmaßnahmen nicht sensitiv genug sind. Den Betroffenen wird daher ein risiko-adaptiertes Brustkrebs-Früherkennungsprogramm mit Kernspintomographie, Ultraschall der Brust sowie Mammographie angeboten.

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„Es gibt also vielerlei Angebote, mit denen eine Vorbeugung möglich ist“, so Prof. Aktas. „Wobei immer das Nichtschadensprinzip Vorrang hat. Das heißt: Nicht jeder Frau muss sich gleich einer Operation unterziehen.“

Wenn aber durch eine festgestellte BRCA-Genmutation das Risiko sehr hoch ist, kann sich jede Frau für eine Lösung wie im Falle Angelina Jolies entscheiden: eine vorbeugende Entfernung von Brustdrüsengewebe mit Wiederherstellung der Brust und auch eine vorbeugende Entfernung der Eierstöcke.

Prof. Aktas erläuterte, wie die Operationen verlaufen und dass damit beispielsweise das Risiko für Brustkrebs von 85 Prozent auf 10 Prozent gesenkt wird und das Risiko für Eierstockkrebs von 53 Prozent auf 1Prozent.

Von Uwe Niemann

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