Ratgeber

Bewegliche Hände auch im Alter

Ältere Hände bleiben mit Training fit.

Ältere Hände bleiben mit Training fit.

Leipzig. Im Laufe des Lebens lassen Beweglichkeit und Kraft der Hände nach. „Das ist ganz normal“, erklärt Robert Nütz, Ergotherapeut am Universitätsklinikum Leipzig. „Denn die Motorik der Hände wird vom Gehirn gesteuert; dort ist auch der Speicherort für Routinebewegungen. Das menschliche System aus Steuerung und Bewegung hat seinen Höhepunkt im Alter von 30 Jahren. Danach altert es nach und nach, baut also seine Leistungsfähigkeit ab.“

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Natürlich hilft gegen Alterung allgemein, wenn man sportlich aktiv und geistig fit bleibt. Und so kann auch das Üben von Bewegungen die motorischen Leistungen erhalten oder gar verbessern. „Selbst bei einem 80-Jährigen mit mittlerer Demenz kann die Beweglichkeit der Finger durch Üben verbessert werden“, so der Ergotherapeut. „Denn das Gehirn ist immer in der Lage dazuzulernen, weil es sozusagen der Partner der Hand ist. Das Kleinkind lernt durch Ertasten, genau das funktioniert auch noch beim alten Menschen. Und zwar zweigleisig: Bewegung trainiert die Hand und das Gehirn.“

Dabei müssen die Bewegungsübungen gar nicht kompliziert sein, so Robert Nütz. Kartoffeln schälen und Zwiebeln schneiden – schon diese einfachen Küchenarbeiten trainieren die Hand und das Gehirn. Auch Handarbeiten dienen Körper und Geist. Gerade das Fortführen von erlangtem Können sei wichtig. Denn Menschen, die konstant feinmotorisch arbeiten, erhalten die Beweglichkeit von Fingern und Händen länger.

„Ein fantastisches Training ist natürlich alles, bei dem alle zehn Finger zugleich gefordert werden“, sagt der 32-Jährige. „Musikinstrumente wie Klavier, Klarinette, Blockflöte, Gitarre oder Geige sind besonders geeignet. Denn bei ihnen braucht man auf sehr einfühlsame Weise die rechte und die linke Hand, was sozusagen die höchste Form der Feinmotorik ist. Zudem wird so die Koordination beider Gehirnhälften gefördert.“ Aber auch das Zehnfingersystem an der Computer-Tastatur stellt ein gutes Training dar.

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Robert Nütz weiß von seiner Arbeit auf der Schlaganfall-Intensivstation, dass bei halbseitig Gelähmten ein Training der funktionierenden Hand auch der gelähmten Hand etwas bringt. „Natürlich ist das schwierig, wenn die rechte Seite gelähmt ist und nun mit der linken Hand alles erledigt werden muss. Aber die Übungen der linken Hand können sehr wohl Verbesserungen für die rechte Hand bringen.“

Da schließt er gleich noch den Vorschlag eines übungs-technischen Gaudis an: „Viel Spaß und großen Nutzen für die Beweglichkeit der Hände bringt es, wenn Oma und Opa mit den Enkeln mal Zähneputzen mit links, also der nicht-dominanten Hand, probieren. Dabei bitte eine normale Zahnbürste nehmen und keine elektrische, sonst wird die Rotation im Handgelenk nicht ausreichend trainiert. Am Ende sieht das Bad wahrscheinlich total bekleckert aus, aber Alt und Jung haben gemeinsam und stimmungsvoll etwas für Körper und Geist getan.“

Von Uwe Niemann

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