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Klimawandel kann Gefühle von Angst, Hilflosigkeit oder Sorgen auslösen

Schon bevor drastische Umweltveränderungen tatsächlich erlebt werden, kann der Gedanke an die Bedrohung durch den Klimawandel Gefühle von Angst und Hilflosigkeit erzeugen.

Schon bevor drastische Umweltveränderungen tatsächlich erlebt werden, kann der Gedanke an die Bedrohung durch den Klimawandel Gefühle von Angst und Hilflosigkeit erzeugen.

Leipzig. „Flutkatastrophen wie im Ahrtal, bei der im vergangenen Sommer über 130 Menschen ums Leben kamen und 17 000 ihr Hab und Gut verloren, haben massive psychische Auswirkungen auf die Überlebenden“, sagt Prof. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL).

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„Die Häufung von Extremwetterereignissen, und damit auch ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, sind eine direkte Folge des Klimawandels. Menschen werden durch Waldbrände, Dürreperioden oder Starkregenereignisse traumatisiert. Angesichts der Häufung dieser Ereignisse in vielen Ländern entstehen aber auch im Vorfeld bereits Ängste. Wobei diese Angst eine durchaus gesunde Reaktion ist: Schließlich hat sie reale Ursachen.“

Prof. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)

Prof. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)

Bereits vor dem persönlichen Erleben von drastischen Umweltveränderungen kann so der Gedanke an die Bedrohung durch den Klimawandel Gefühle von Angst, Hilflosigkeit oder Sorgen auslösen. Unter Umständen kann die Klima-Angst sogar lähmende Auswirkungen haben. „Die Angst ist zwar real und hat reale Ursachen. Aber man muss den Alltag noch bewältigen können“, so der Leipziger Psychiater. „Gelingt das nicht und wird die Angst übermächtig, dann sollte man Hilfe in Anspruch nehmen.“

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Gesundheitsrisiko Klimawandel

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Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen

Psychische Folgen als direkte Reaktion auf Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse sind durchaus möglich. So kommt es nach Extremwetterereignissen und ihren ökonomischen und sozialen Folgen zu einer erhöhten Häufigkeit und Schwere von Depressionen und Angststörungen. Auch posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) treten nach solchen einschneidenden Ereignissen gehäuft auf.

Ein wissenschaftlich häufig untersuchtes Beispiel sind die Auswirkungen des Hurrikans Katrina in New Orleans im Jahre 2005. Hier berichteten 30 Prozent der Befragten im Nachgang des Hurrikans über PTBS-Symptome und bis zu 50 Prozent über Angst- oder depressive Symptomatiken. Zudem wird vermutet, dass Ereignisse wie Hitzewellen verstärkte Gewalt, vermehrte Konflikte und erhöhte Suizidraten mitbedingen können.

Klima-Angst vor allem bei jungen Leuten

Wie Prof. Schomerus einschätzt, trifft die Klima-Angst vor allem junge Leute. „Sie haben einfach noch ein längeres Leben vor sich, so dass sie die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels tatsächlich erleben werden. Das wird ihnen zunehmend bewusst und lässt sie mit Furcht in die Zukunft sehen. Zudem sind die heutigen Teens und Twens ohnehin schon stark belastet: Corona hat ihnen mindestens zwei Jahre gestohlen, in denen ihre sozialen Beziehungen belastet wurden und sie viel Druck aushalten mussten, weil die Schule unter erschwerten Bedingungen weiterlief.“

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In der Pandemie zeigte sich, dass die sozialen Beziehungen von älteren Menschen – feste Bindungen zu Kindern, Freund:innen und Kolleg:innen – kaum in Frage gestellt wurden. Die sozialen Beziehungen sind aber bei den Jungen noch nicht festgezurrt; sie sind noch im „Wahlmodus“, haben wechselnde Freundeskontakte, weniger feste Partnerschaften.

Monster Klimawandel

Gerade diese losen Beziehungen, die in diesem Alter ganz wichtig sind, wurden durch Corona behindert. „Nun kommt noch ein Krieg in Europa dazu, der Alt und Jung gleichermaßen ängstigt. Und darüber spannt sich eine aufziehende Klima-Katastrophe. Ich verstehe die Ängste der jungen Leute durchaus“, so Prof. Schomerus.

Inzwischen gibt es auch in der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde ein geschärftes Bewusstsein dafür, „was da auf uns zukommt“, so der Leipziger Klinikdirektor. „Wir stehen hinter dem Protest der Klimaschutzaktivisten, weil wir wissen, dass der Klimawandel viele Menschen sehr belasten wird und es falsch wäre zu warten, bis die erste Welle von Geschädigten in den Behandlungszimmern angekommen ist.“

Während das Monster unter dem Bett, das Menschen Angst macht, nur im Geiste besteht, schreitet das Monster Klimawandel vor aller Augen Tag für Tag voran und richtet reale Schäden an. „Deswegen reicht es nicht, dass wir Psychiater die Klima-Angst behandeln. Hier muss die Ursache, also der Klimawandel selbst, angegangen werden“, fordert Prof. Schomerus.

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Von Uwe Niemann

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