Gesichtsdefekte

Leipziger Experte leitet Gesellschaft für Chirurgische Prothetik und Epithetik

Dr. Horst-Uwe Klapper

Dr. Horst-Uwe Klapper

Leipzig. Dr. Horst-Uwe Klapper ist Oberarzt an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Leipzig (UKL).

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Die rund 150 Mitglieder der Gesellschaft haben sich dem Ziel verpflichtet, durch wissenschaftliche und praktische Zusammenarbeit ihr Fachgebiet weiter voranzubringen. Die nächste wissenschaftliche Fachtagung der IASPE findet erstmal in der Geschichte der Gesellschaft im Oktober 2022 in Leipzig statt.

„Die Epithetik hat ihre Ursprünge im Mittelalter in den Bemühungen der damaligen Medicis um die Versorgung von Gesichtsdefekten, vor allem durch Kriegsverletzungen oder als Folge zum Beispiel der Syphilis“, erzählt Dr. Klapper.

„Im 18. Jahrhundert beschäftigten sich erstmals Zahnärzte und Zahntechniker mit künstlich angefertigten Gesichtsteilen, den Epithesen, was einen Entwicklungssprung bewirkte. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert waren es die Zahnärzte und Zahntechniker, die mit ihrem Wissen über Materialien, Abformtechniken und Fixierungsmöglichkeiten die Epithetik wesentlich weiterentwickelten. Heute liegt der epithetisch-technische Part in der Anfertigung der Epithese. Besondere Herausforderungen bestehen in der Feinmodellierung und der Farbbestimmung. Dabei sind große künstlerische Fähigkeiten nötig, genau die Haut, das Haar oder das Auge zu bestimmen und zu gestalten, das zum Patienten passt.“

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Tumorerkrankungen und Unfälle als häufigste Ursache

Kriegsverletzungen sind heute glücklicherweise selten; Dr. Klapper hat noch zwei hochbetagte Patienten, die im Zweiten Weltkrieg schwere Gesichtsverletzungen davontrugen. Heute sind Tumorerkrankungen gefolgt von Fehlbildungen (beispielsweise das Franceschetti-Syndrom) und Unfälle die häufigste Ursache für die Anfertigung einer Epithese.

Künstlerisches Verständnis und künstlerische Fähigkeiten sind nötig für die Modellierung, also für Form und Farbe. Technisches Können wiederum wird gebraucht, um die Gesichtsprothese zu befestigen. „Eine Brille kann beispielsweise eine Nasenepithese halten. Ein künstliches Ohr kann zum Beispiel als Übergangslösung mit einem speziellen Epithesenkleber gut befestigt werden. Perfekt wird es aber erst durch extraorale Implantate zum Beispiel mit aufgeschraubten Magneten. Diese moderne Lösung wird von uns am häufigsten verwendet“, erzählt Dr. Klapper.

15 bis 20 Patienten sind im Jahr mit extra-oralen Epithesen/Epithesenkorrekturen zu versorgen, das heißt Defektversorgungen, die außerhalb des Mundraumes liegen. Etwa 40 Patienten im Jahr benötigen jedoch bei Defekten im Mundraum eine intraorale Resektions-/Defektprothese. Diese werden zum Beispiel nach Tumorresektionen im Oberkiefer angefertigt, wenn der Defekt nicht bei der Tumorresektion wieder rekonstruiert werden kann.

„Diese Resektionsprothesen bestehen in diesem Fall meist aus einem so genannten Obturator aus Silikon zum Verschluss des Gaumendefektes sowie einer Resektionsprothese. Fixiert werden diese Versorgungen im Gaumendefekt sowie an den noch vorhandenen Zähnen oder bei Bedarf an Implantaten.“

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Mit einer Epithese kann ein Gesichtsdefekt verschlossen oder abgedeckt und damit kaschiert werden. „Wir geben den Menschen wieder ein Gesicht. Gleiches gilt für die Eingliederung von Resektionsprothesen bei intraoralen Defekten für die Ästhetik der Gesichtsweichteile, aber auch der Kau-, Schluck- und Sprechfunktion des Patienten. Damit ermöglichen wir die Reintegration ins soziale Umfeld. Das wirkt sich positiv auf die Lebensqualität und Psyche des Patienten und – das wollen wir nicht außer Acht lassen – auch der Angehörigen aus“, so Dr. Klapper.

Für die Behandlung von Patienten mit Kiefer-Gesichtsdefekten ist eine besonders enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kollegen der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und der Augenheilkunde von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Versorgung.

Von Uwe Niemann

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