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UKL verabschiedet Absolventen der Kinderkrankenpflege – viele bleiben

Zwei Absolvent:innen aus dem letzten Jahrgang Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, die gern weiter am UKL arbeiten werden: Alina Podkorytov (li.) und Jonas Reinholdt.

Zwei Absolvent:innen aus dem letzten Jahrgang Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, die gern weiter am UKL arbeiten werden: Alina Podkorytov (li.) und Jonas Reinholdt.

Leipzig. Seit 2020 ersetzt die generalistische Pflegeausbildung den bisherigen Ausbildungsberuf. Die Verantwortlichen an Schule und UKL sind stolz auf ihre Auszubildenden: Die Übernahmequote ist so hoch wie lange nicht.

Als am letzten Augusttag die 43 Absolvent:innen des finalen Kinderkrankenpflege-Jahrgangs exmatrikuliert worden sind, schwangen bei MBFS-Schulleiterin Jannicke Schickert und Kerstin Voigt, Pflegerische Departmentleitung im Department für Frauen- und Kindermedizin am UKL und zuständig für die Praxiseinsätze am Klinikum, neben Freude sicher auch Gefühle der Wehmut mit. Sie wissen um die Qualität dieser Ausbildung, und die neue „Generalistik“ muss sich erst noch langfristig bewähren.

Zwei aus Klasse KK 19 A, die nach ihrem Abschluss am UKL bleiben werden, sind Alina Podkorytov und Jonas Reinholdt. Die 22-Jährige war zuletzt auf der Kinder-Intensivstation eingesetzt und wird dort auch bleiben. Auch Reinholdt, mit 19 im jüngsten möglichen Absolventenalter, ist mit seinem derzeitigen Einsatzort, der Intermediate Care (IMC)-Station der Neonatologie, sehr zufrieden und setzt seine Arbeit dort seit 1. September fort.

Bei Alina und Jonas kann man sich sicher sein: Sie „brennen“ für die Kinderkrankenpflege.

Bei Alina und Jonas kann man sich sicher sein: Sie „brennen“ für die Kinderkrankenpflege.

„Sehr guter Jahrgang“ – trotz Corona-Bremse

57 Auszubildende, darunter fünf männliche, begannen 2019. 43 haben nun den letzten Abschluss dieser Art in der Tasche – gleich fünf von ihnen mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ und weitere sechs mit „sehr gut“. Zahlen, die Schickert und Voigt durchaus mit Stolz erfüllen: „Wir sind eine der besten Schulen und haben 2019 gut ausgewählt“, meint Schulleiterin Jannicke Schickert zwar schmunzelnd, aber auch mit Bedacht. Dabei sei es doch auch der „gebeutelte Jahrgang“ gewesen, denn ab Frühjahr 2020 bestimmte hier wie andernorts die Corona-Pandemie das Geschehen – Stichwort Schulschließung über Wochen.

An Alina Podkorytov und Jonas Reinholdt gewandt, sagt Schickert: „Ihr wart die Auszubildenden, die wir lange nicht ohne Maske kannten.“ Alina bestätigt: „Das war härter als gedacht, Corona hat ziemlich ausgebremst, auch was den Kontakt zu und Austausch mit anderen Azubis angeht. Aber die vielen Praxiseinsätze auf Station haben da einiges wieder gut gemacht.“

Ein Großteil der Absolvent:innen, nämlich fast 30, bleibt am UKL. „Wir haben die höchste Übernahmequote seit langem“, freut sich Kerstin Voigt und an die beiden jungen Neu-Mitarbeiter:innen gewandt: „Ich bin froh, dass Sie hierbleiben möchten. Sie sind die Letzten ihrer Art.“

Denn sowohl am Klinikum wie auch an der Schule ist man sich der hohen Qualität dieser Ausbildung bewusst. Die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege gehörte zu den drei Berufen, die laut Schulchronik seit 1951 ununterbrochen an der MBFS und ihren „Vorgängerinnen“ ausgebildet wurden.

„Generalisten“ genauso gut qualifizieren

„Der Schritt zur generalistischen Pflegeausbildung war mit Blick auf die europäische Entwicklung richtig, diese Absolvent:innen erfahren zukünftig grenzüberschreitend viel mehr Anerkennung für ihren Abschluss“, erläutert Voigt. Und doch sei klar, die „Generalisten“ würden im Kinderbereich nicht mit dem Wissensstand jetziger Absolvent:innen ins Arbeitsleben eintreten. „Wir werden sie nachbilden müssen“, so Voigt.

MBFS-Schulleiterin Schickert ergänzt: „Ich habe allerdings große Hoffnung, dass wir gemeinsame Wege finden, die ‚Generalisten‘ genauso gut zu qualifizieren, zum Beispiel durch anknüpfende Weiterbildungen.“

Weil die erste Generalistik-Klasse nur sechs Monate nach ihnen die Ausbildung begann, hatte Alina Podkorytov auf der Kinder-ITS auch bereits mit einigen zusammengearbeitet. „Der Vergleich unserer Wissensstände war recht spannend. Ich habe schon Unterschiede feststellen können.“

Ihr Kollege Jonas hatte es zwar gleich zu Beginn erfahren, dass er dem finalen Jahrgang angehört. Länger darüber nachgedacht habe er allerdings erst gegen Ende der Ausbildung, erzählt er und auch, dass ihm ebenfalls Unterschiede zu den „Generalisten“ aufgefallen seien.

Die Frage, ob sie etwas vermissen wird nach dem Auslaufen der Kinderkrankenpflege, beantwortet Jannicke Schickert indirekt: „Aus schulischer Sicht erleichtert es uns die Arbeit, weil wir nicht mehr Aufgaben und Prüfungen für zwei unterschiedliche Pflegeausbildungen erstellen müssen. Und unsere Lehrkräfte tauschen sich nun stärker untereinander aus und lernen mehr voneinander“, so die Schulleiterin.

Kerstin Voigt kann genau benennen, was sie vermissen wird: „Bei künftigen Absolvent:innen weiß ich nicht mehr genau, ob die- oder derjenige für die Kinderkrankenpflege ‚brennt‘ oder nicht“, erklärt die Pflegerische Departmentleiterin, „ich sehe die Tendenz, dass sich viele generalistischen Auszubildende eher für die Erwachsenenbereiche entscheiden würden.“

Die neue UKL-Kinderfachpflegerin Alina Podkorytov ist jedenfalls nach eigener Aussage froh, sich für diese Ausbildung entschieden zu haben: „Die Zeit ging schnell herum und die Zukunft wird spannend.“

Von Markus Bien

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