Gefahren und Probleme in Kellerräumen

Radon, Nagetiere, Schimmel: Ist es ungesund, den Keller als Wohnraum zu nutzen?

Der Keller wird immer öfter als zusätzlicher Wohnraum genutzt.

Der Keller wird immer öfter als zusätzlicher Wohnraum genutzt.

Ein Anwesen, das zehn Meter unter der Erde liegt? Für Rapper Kanye West offenbar ein geradezu himmlischer Gedanke. Jedenfalls hat er vor zwei Jahren für das Konzept einer unterirdischen „Wohnhöhle“ auf 4000 Quadratmetern keinen Geringeren als den Schweizer Stararchitekten Valerio Olgiati beauftragt. Ob und wann das Projekt verwirklicht wird, ist derzeit unklar. Fakt ist jedoch: Subterrane Architektur ist gefragt.

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Der Keller wird wohnlich. Als Hobbyraum, Sauna oder Arbeitsplatz – viele Deutsche haben in den Corona-Lockdowns der vergangenen zwei Jahre ihre Keller als kreative Spielwiese ganz neu für sich entdeckt. Und wer selbst keinen hat, baut sich neuerdings einfach einen. Dieser Trend deutet sich zumindest bei den Superreichen auf Sylt an, die sich ihre Häuser teilweise dreifach unterkellern lassen, wie das Magazin „Der Spiegel“ kürzlich berichtete.

Gefahr aus dem Keller: Radon ist die zweit­häufigste Ursache für Lungen­krebs

Doch es kann Gefahren mit sich bringen, die unterirdischen Räume als Wohnraum zu nutzen. Denn durch die Bodennähe sind sie zum Beispiel ein Einfallstor für das radioaktive Gas Radon. Das dringt laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vor allem aus dem Baugrund in das Gebäude ein und reichert sich dort an. Es kann sich von dort aus in allen Räumen des Gebäudes ausbreiten, im Keller ist die Konzentration jedoch meist am höchsten.

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Radon ist – nach dem Rauchen – die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Je stärker die Konzentration ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Das Lungen­krebs­risiko erhöht sich nach Angaben des BfS um etwa 16 Prozent pro 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Im Schnitt beträgt die Radon­konzentration in Aufenthaltsräumen in Deutschland etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter, aber auch mehr als 1000 Becquerel pro Kubikmeter sind möglich. Einen Schwellenwert unterhalb dessen das Gas ungefährlich ist, gibt es laut BfS nicht.

Radonmessung besonders bei älteren Gebäuden empfehlens­wert

Radon entsteht beim Zerfall von Uran und Radium. Diese beiden Stoffe kommen in Deutschland regional in unterschiedlichem Maße vor. Auch der Boden ist regional unterschiedlich durchlässig für das Gas. Dementsprechend variiert die potenzielle Radonbelastung: Im Norden kommt das Gas tendenziell weniger vor, in Mittel- und Süd­deutschland ist die Radon­konzentration im Boden deutlich höher. Das BfS stellt daher zur Orientierung Karten mit Belastungs­graden zur Verfügung. Eine Prognose für die eigenen vier Wände lässt sich daraus allerdings nicht sicher ableiten.

Es empfiehlt sich in jedem Fall, eine Radonmessung vorzunehmen, da die Konzentration je nach Standort und Bau­substanz stark variieren kann.

Kerstin Effers,

Chemikerin

„Es empfiehlt sich in jedem Fall, eine Radonmessung vorzunehmen, da die Konzentration je nach Standort und Bausubstanz stark variieren kann“, sagt Kerstin Effers, Chemikerin und Referentin für Umwelt und Gesund­heits­schutz der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. „Schon kleine Distanzen von wenigen Kilometern können sich in der Belastung unterschiedlich auswirken.“ Besonders bei älteren Gebäuden, die möglicherweise nicht gut zum Erdreich abgedichtet seien, sei eine Messung empfehlenswert.

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Zur Messung werden passive Radondetektoren an verschiedenen Stellen in der Wohnung aufgestellt und nach drei bis zwölf Monaten an den Anbieter zurückgeschickt, der die Ergebnisse auswertet. Je nach Messlabor kostet eine Messung zwischen 30 und 50 Euro. Wer sich lediglich einen schnellen Überblick über die Radonbelastung verschaffen möchte, kann auch zu aktiven Messgeräten greifen. Diese werden nur für wenige Minuten bis Tage eingesetzt und zeigen den Messwert direkt im Display an. Diese kurzen Messungen ermöglichen allerdings keine belastbare Aussage zur langfristigen Radonbelastung.

Wenn die Werte hoch sind, empfiehlt das BfS verschiedene Maßnahmen zur Senkung: So helfen regelmäßiges Lüften und das Abdichten von undichten Stellen und Türen zum Keller. Wenn der Baugrund ausreichend gasdurchlässig ist, kann die radonhaltige Bodenluft auch abgesaugt werden. Wichtig ist in jedem Fall, sich von einer Fachperson beraten zu lassen und regelmäßig Messungen durchzuführen.

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Auch Nagetiere und Schimmel können im Keller zum Problem werden

Neben der möglichen Belastung durch Radon, können auch Feuchtigkeit und Schimmel zu einem Problem für Kellerräume werden. „Die Raumluft kann durch Schimmel­bestand­teile, Mykotoxine, mikrobielle flüchtige organische Verbindungen (MVOCs) und Sporen belastet sein“, erklärt Effers. Daher sollten Keller auf jeden Fall trocken und gut belüftbar sein. Im Sommer solle allerdings nur gelüftet werden, wenn die Außentemperatur nicht höher als die Kellertemperatur ist, sonst schlage sich die feucht-warme Außenluft an den kühlen Kellerwänden nieder und begünstige so die Schimmel­bildung.

Auch sei es wichtig, dass der Keller frei von Nagetieren ist, da durch den Kot bestimmter Mäuse Viren übertragen werden können, erklärt die Chemikerin. Wenn der Keller zum Basteln oder Werkeln genutzt werde, könne die Luft zudem mit gesundheits­schädlichen Chemikalien wie Lösungs­mitteln belastet sein. „Durch die Lagerung von Farben, Lacken oder Holzpellets und Heizöl können Emissionen entstehen, die die Raumluft beeinträchtigen“, führt Effers aus.

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Bundesinstitut für Risiko­bewertung warnt vor Ausdünstungen der Holz­pellets

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt explizit vor den Ausdünstungen der Holzpellets. Nur 38 Prozent der Deutschen wissen laut einer Umfrage des BfR von 2019, dass es bei der Lagerung zu Vergiftungen kommen kann. Denn bei der Herstellung des Brennstoffs würden Auto­oxidations­prozesse ausgelöst, bei denen Gase wie etwa Kohlenmonoxid entstehen. Diese könnten die Pellets noch Monate nach ihrer Herstellung freisetzen. Das führe dazu, dass die Konzentration von Kohlenmonoxid in Lagerräumen unter Umständen so hoch sei, dass Personen, die den Raum betreten, schwere Vergiftungen erleiden oder sogar sterben.

Wie hoch die Konzentration ist, hängt laut BfR von Füllstand, Temperatur, Luftaustausch sowie dem Alter der Pellets ab. Lagerstätten dafür sollten so ausgestattet sein, dass eine regelmäßige Entlüftung ins Freie stattfinden kann, sowie mit monoxid­meldern, die vor einer zu hohen Konzentration des geruchlosen Gases warnen. Gleiches gelte für Holz­hack­schnitzel.

Laut Effers ist es wichtig, bestimmte Gefahren auszuschließen, wenn man im Keller Sport treiben möchte. „Die Radonmessung sollte keine Belastung ergeben, der Keller trocken, frei von Schimmelschäden und gut belüftet sein und Emissionen von Lagerungsobjekten ausgeschlossen werden, bevor der Keller für den Sport genutzt wird“, sagt sie. Das müsse man vorher klären – oder gegebenenfalls nachbessern.

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