Newsletter „Bauen und Wohnen“

Streit ums Eigenheim: Leipziger Bauamt treibt Rentner zur Verzweiflung

Guten Abend in Leipzig!

Heute geht es vor allem um ein ganz kleines Bauprojekt, das aber symptomatisch für den Umgang so einiger Leipziger Ämter mit den Bürgerinnen und Bürgern steht. Leider ist es keine erfreuliche Geschichte. Vielmehr droht Peter Kupfer nun der finanzielle Ruin.

Dabei hatte der sehr rüstige, 79-jährige Ingenieur einen Plan, der eigentlich alle Wunschvorstellungen der Stadt Leipzig beim Thema Wohnungsbau erfüllen sollte. Für seine 81-jährige Frau und sich selbst wollte Kupfer einen alten Flachbau in Hartmannsdorf so sanieren, dass ein barrierefreies und klimagerechtes Haus mit niedrigen Wohnkosten entsteht. Die staatliche Förderbank KfW bewilligte ihm bereits einen Zuschuss von 38.500 Euro für die ökologische Nachrüstung. Die sah unter anderem eine Luft-Wärme-Pumpe und eine gute Dämmung vor. Im Januar 2022 begannen die Arbeiten, aber zwei Wochen später wurden sie vom Leipziger Bauordnungsamt gestoppt.

Peter Kupfer will sein Haus in Leipzig-Hartmannsdorf energetisch sanieren. Er bekam dafür schon staatliche Fördermittel. Doch das Bauordnungsamt erlaubt es nicht.

Peter Kupfer will sein Haus in Leipzig-Hartmannsdorf energetisch sanieren. Er bekam dafür schon staatliche Fördermittel. Doch das Bauordnungsamt erlaubt es nicht.

Seitdem tobt ein Streit, nun schon ein halbes Jahr. Im Kern geht es um die Frage, ob an dieser Stelle der Azaleenstraße ein Wohnhaus in der zweiten Reihe zulässig ist. Dabei stehen in der Straße längst zwei Dutzend Eigenheime in der zweiten oder sogar in der dritten Reihe. Auch ein nachträglicher Bauantrag brachte keine Lösung. Das Amt lehnte ihn ab, obwohl es ihm vorher selbst zu dem Antrag geraten habe, berichtet Kupfer. Allein das kostete 4000 Euro. Im schlimmsten Fall bleibt die Familie nun auf einem sechsstelligen Schaden sitzen - und das alte Gebäude leer.

Die Stadt will doch angeblich möglichst viel für den Klimaschutz tun und auch Eigenheime weiter genehmigen, wenn sie vorhandene Siedlungen ergänzen. Aber bei uns passiert das Gegenteil.

Peter Kupfer

Nun ist es natürlich nicht so, dass das Bauordnungsamt völlig willkürlich handeln würde. Man kann die Rechtsauffassung der Behörde teilen - sie hätte aber ebenso zugunsten von Familie Kupfer entscheiden können, meint ein Anwalt, den das Rentnerpaar jetzt notgedrungen eingeschaltet hat.

Genau das erinnert an eine Reihe von Entscheidungen, mit denen sich die Stadt Leipzig unlängst als im Zweifel eher bürgerunfreundlich präsentierte. Zum Beispiel behindert oder verteuert das Brandschutzamt viele Bau- und Sanierungsvorhaben durch eine schärfere Auslegung der Vorschriften zu den Feuerwehr-Aufstellflächen. Der Eigenbetrieb Stadtreinigung lässt seine Fahrzeuge nicht mehr rückwärts aus Sackgassen oder Container-Stellplätzen herausfahren, was Ärger und hohe Kosten bei Mietern und Wohnungsgesellschaften erzeugt. Das alles sind Kann-, aber keine Muss-Entscheidungen. Auf jeden Fall tragen sie nicht zum bezahlbaren Wohnen bei.

Um nochmal auf das Anliegen von Familie Kupfer zurückzukommen: Erst vor drei Monaten hatte das Baudezernat eingeräumt, dass der Bedarf für Eigenheime in Leipzig nicht mehr gedeckt werden kann. Allein bis zum Jahr 2030 würden etwa 1500 Bauplätze in dem Segment fehlen, bis zum Jahr 2040 sogar weitere 5000 Parzellen. Man kann das schulterzuckend zur Kenntnis nehmen - oder was dagegen tun.

 

Leipziger Häuserzeile

Mitte August sollen die Arbeiten für den c-LEcta-Neubau auf der Alten Messe beginnen. Unweit vom Doppel-M und der früheren Lucky-Bike-Filiale (in der denkmalgeschützten Messegaststätte) errichtet der Projektentwickler OFB zunächst ein großes Forschungsgebäude mit etwa 10.000 Quadratmetern oberirdischer Nutzfläche. Es ist schon vollständig an das Leipziger Biotechnologieunternehmen c-LEcta vermietet, das derzeit noch mit etwa 100 Beschäftigten im BioCube auf der anderen Seite der Alten Messe residiert. c-LEcta entwickelt Enzyme und Mikroorganismen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie, wurde im Frühjahr vom irischen Branchengiganten Kerry-Group gekauft. Um die Messegaststätte erhalten zu können, hat das Leipziger Architekturbüro KLM nun die hier gezeigte Lösung für die zwei geplanten Neubauten entwickelt. Das höhere Nachbargebäude folgt erst später und soll nach dem Willen der Stadt ebenfalls Firmen aus dem Bereich Bio-Technologie und Lebenswissenschaften aufnehmen.

Mitte August sollen die Arbeiten für den c-LEcta-Neubau auf der Alten Messe beginnen. Unweit vom Doppel-M und der früheren Lucky-Bike-Filiale (in der denkmalgeschützten Messegaststätte) errichtet der Projektentwickler OFB zunächst ein großes Forschungsgebäude mit etwa 10.000 Quadratmetern oberirdischer Nutzfläche. Es ist schon vollständig an das Leipziger Biotechnologieunternehmen c-LEcta vermietet, das derzeit noch mit etwa 100 Beschäftigten im BioCube auf der anderen Seite der Alten Messe residiert. c-LEcta entwickelt Enzyme und Mikroorganismen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie, wurde im Frühjahr vom irischen Branchengiganten Kerry-Group gekauft. Um die Messegaststätte erhalten zu können, hat das Leipziger Architekturbüro KLM nun die hier gezeigte Lösung für die zwei geplanten Neubauten entwickelt. Das höhere Nachbargebäude folgt erst später und soll nach dem Willen der Stadt ebenfalls Firmen aus dem Bereich Bio-Technologie und Lebenswissenschaften aufnehmen.

 

Wie ist die Marktlage in Leipzig gerade?

  • Durchschnittliche Angebotskaufpreise für Mehrfamilienhäuser in Leipzig im dritten Quartal 2022: 2817 Euro pro Quadratmeter (vor einem Jahr: 2522 Euro pro Quadratmeter)
  • Durchschnittliche Angebotskaufpreise für Mehrfamilienhäuser in Leipzig im zweiten Quartal 2022: 2796 Euro pro Quadratmeter (im ersten Quartal 2640 Euro pro Quadratmeter)
  • Zahl der zum Verkauf in Leipzig angebotenen Mehrfamilienhäuser im zweiten Quartal 2022: 196 (im ersten Quartal 2022: 146, im zweiten Quartal 2021: 122)

(Die Informationen stellt freundlicherweise die Leipziger Immobilien-Datenbank GeoMap zur Verfügung)

 

Mieten, kaufen, wohnen - das sollten Sie lesen

  • Solaranlage auf dem Dach: Darf ich an meinem Haus eine Solaranlage anbringen – und lohnt sich das überhaupt? In Zeiten von gestiegenen Strompreisen liegen die kleinen Kraftwerke fürs Dach wieder voll im Trend. Ein Leipziger Energieberater erklärt, was alles zu beachten ist.
  • Bauen im Klimawandel: Hitze und Trockenheit, dann wieder sintflutartiger Regen: Immer häufiger gibt es extreme Wetterereignisse. Das spüren auch die Leipziger in ihrer Stadt. Doch es gibt Mittel gegen die Erderwärmung – was die Stadt Leipzig tun kann und jetzt schon unternimmt. Die haben auch mit der Art des Bauens zu tun.
  • Neubaugebiet am Kap Zwenkau: Es steht stellvertretend für das wachsende Leipziger Umland. In der Stadt begegnen sich Alteingesessene und Neuankömmlinge teilweise mit Skepsis. Wie integrieren sich die Zugezogenen ins Stadtleben? Und was sagen die Ur-Zwenkauer zu den neuen Nachbarn?
  • Wo ist Leipzig besonders laut? Das Amt für Umweltschutz im Rathaus arbeitet weiter an Maßnahmen gegen Krach in der Stadt. Jetzt liegt der aktualisierte Lärmaktionsplan vor. Was ist schon passiert und was ist noch nötig? Und in welchen Straßen ist es besonders laut? Ein Überblick.
  • Neues Leben im Wünschmann-Haus: Im Wünschmann-Haus auf der Karl-Liebknecht-Straße stehen Neuerungen an, aktuell laufen die Umbauarbeiten. Was genau sind die Pläne?
 

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Bis dahin wünsche ich Ihnen einen angenehmen Tag,

Ihr Bau-Experte Jens Rometsch

 

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