Kolumne „Auf der Couch“

Lob dem, der Lob annehmen kann: Mit positivem Feedback selbstbewusst umgehen

Lob anzunehmen, das fällt manchen Menschen schwer.

Lob anzunehmen, das fällt manchen Menschen schwer.

Angenommen, Ihre Führungskraft sagt zu Ihnen: „Das war eine vorzügliche Leistung, vielen Dank.“ Können Sie diese Würdigung freudig annehmen? Oder ist es Ihnen peinlich, gelobt zu werden, erst recht öffentlich? Kann es passieren, dass Sie widersprechen? Etwa mit: „Das war kein großes Ding.“ Oder: „Ich hab nur meinen Job gemacht.“ Oder gar: „Ein paar Dinge hätten noch besser laufen können.“

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Immer wieder beobachte ich, dass Arbeitskräfte mit Lob nicht umgehen können. Statt es anzunehmen, weisen sie es zurück und reden sich selbst klein. Warum? In meinen Beratungsgesprächen höre ich etliche Erklärungen. Man wolle nicht als Angeber gelten oder den Kollegen die Show stehlen.

Warum wir lernen sollten, Lob anzunehmen

Aber wenn Sie Komplimente ständig zurückweisen, kann das unerwünschte Folgen haben. Der Absender fragt sich womöglich: Ist das Lob überhaupt an die richtige Adresse gegangen? Zum Beispiel könnte Ihre Führungskraft bei Einwänden Ihrerseits auf die Idee kommen, dass das Lob an Sie tatsächlich übertrieben und Ihr Widerspruch berechtigt war. Wenn Sie oft sagen, dass Ihre Leistung nichts Besonderes war, wird sie auch irgendwann tatsächlich als nichts Besonderes wahrgenommen.

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Wie Sie mit Komplimenten umgehen, kann die Sichtweise auf Ihre Arbeit verändern. Wer Lob zurückweist, gefährdet sein Ansehen – mit fatalen Folgen, wenn er demnächst über eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung sprechen will. Sogar spannende Projekte können gezielt an Ihrem Schreibtisch vorbeigeleitet werden. Und das alles nur, weil Sie es nicht ertragen haben, ein Lob auszuhalten.

Dahinter steckt ein psychologischer Mechanismus: Wer seine eigene Leistung kleinredet, will sich vor Erwartungsdruck schützen. So wie manche Kinder den Eltern erzählen, die Klassenarbeit sei sehr schwierig gewesen, auch wenn sie später eine Eins nach Hause bringen. Lieber geringe Erwartungen, die man übertrifft – als hohe, an denen man scheitern kann.

Sich nicht unnötig klein machen

Klüger im Umgang mit Lob ist folgendes Verhalten: Lassen Sie eine positive Rückmeldung auf sich wirken, genießen Sie den Moment, zeigen Sie Ihre Freude darüber – und bedanken Sie sich bei Ihrem Gesprächspartner. In ihrem Buch „Das Charisma-Geheimnis“ (MVG-Verlag) beschreibt die Autorin Olivia Fox Cabane, wie ein Freund im Flur der Google-Zentrale zufällig Ex-Präsident Bill Clinton begegnete. Fast wäre der Freund vor Ehrfurcht erstarrt, doch dann sagte er: „Danke für den Dienst, den Sie diesem Land erwiesen haben.“

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Clintons Reaktion darauf ist spannend: „Er blieb stehen und schien einen Moment zu überlegen, als sei ihm dieser Gedanke noch nie in den Sinn gekommen. Dann schien er das Kompliment sich setzen zu lassen, als wäre es das Netteste, was er je zu hören bekommen hatte. Er ließ die Schultern sinken, brach in dieses breite Heureka-Lächeln aus und reagierte, als sei er der Indianer und ich der Häuptling: ‚Oh, war mir eine Ehre.‘“

Dieses Beispiel zeigt, wie Sie bescheiden ein Kompliment annehmen können. Clintons Gesprächspartner war tief beeindruckt, denn offenbar hatte sein Kompliment den ehemaligen Präsidenten berührt. Wer dagegen positive Feedbacks zurückweist, macht sich unnötig klein – und stößt den Absender vor den Kopf.

Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor. Sein aktuelles Buch: „Den Netten beißen die Hunde: Wie Sie sich Respekt verschaffen, Grenzen setzen und den verdienten Erfolg erlangen“.

In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit. Martin Wehrle ist Karriereberater.

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