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Interview

Tierbefreier in Leipzig: "Auch der Mensch ist ein Tier"

Die Ortsgruppe Leipzig der Tierbefreier mit Banner und Tiermasken.

Die Ortsgruppe Leipzig der Tierbefreier mit Banner und Tiermasken.

Leipzig. Tiere sollen nicht mehr vom Menschen ausgebeutet werden. Dafür setzt ihr Tierbefreier euch ein. Viele eurer Mitglieder kommen dabei aus der studentischen Szene. Gibt es besondere Voraussetzungen, um den Tierbefreiern beizutreten?

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Unsere Mitglieder sollten sich vegan ernähren, oder zumindest auf dem Weg dahin sein. Karnisten (Fleischesser) würden wir nicht in unsere Gruppe aufnehmen, da es für uns viel zu abstrus wäre, wenn sich solche Leute für Tierrechte einsetzten. Wir würden aber niemanden ablehnen, der erst am Anfang einer veganen Ernährung steht, es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten kann, oder von seinen Eltern zum Fleischessen gezwungen wird. Wir distanzieren uns unter anderem von PETA.

PETA ist doch auch eine Tierrechtsorganisation. Warum nimmt euer Verein da Abstand?

Peta nutzt antisemitische und sexistische Kampagnen, wie zum Beispiel „Holocaust auf Ihrem Teller“ oder „lieber nackt als Pelz“, um auf die Ausbeutung der Tiere aufmerksam zu machen. Wir wollen die Rechte der Tiere nicht dadurch aufwerten, dass wir andere Gruppen benachteiligen.

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Was sind eure Hauptaktivitäten in der Ortsgruppe Leipzig?

Wir veranstalten etwa Kundgebungen gegen die Pferderennbahn. Außerdem organisieren wir Veranstaltungen für gefangengenommene Tierschutzaktivisten. Dabei stellen wir Raum, Essen, Postkarten und Informationen. Jeder, der möchte, kann den Aktivisten dann schreiben. Ansonsten organisieren wir auch Kundgebungen gegen Zirkus, Zoo, Tierversuche und Pelz.

Und wie finanziert ihr das?

Wir haben keine Mitgliedsbeiträge, daher finanzieren wir uns überwiegend durch Spenden. Bei Kundgebungen und verschiedenen Aktionen unterstützt uns unser Dachverband mit Material oder Geldern, zum Beispiel zur Produktion von Flyern.

Wagen wir mal ein Gedankenspiel. Wie würdet ihr euch in einer Notsotuation verhalten, in der euer Überleben mit der Ausbeutung von Tieren, etwa durch den Verzehr von Fleisch, zusammenhinge?

Und was wäre, wenn wir in unserer jetzigen Gesellschaft die Welt so einrichten könnten, dass sie für Tiere angenehm ist? Es ergibt doch keinen Sinn über Situationen zu diskutieren, die niemals real werden und nur Extremfälle darstellen. Sollten wir unsere Energie nicht besser darauf verwenden, uns mit den jetzigen Missständen auseinanderzusetzen?

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Wie sähe denn der Idealzustand im Sinne der Tierbefreier aus?

Zum Beispiel könnten Lebensräume für nicht-menschliche Tiere geschaffen werden, in denen sie ohne Angst vor den Menschen leben können. Es sollte doch möglich sein, dass zum Beispiel Kühe sich in einem Park aufhalten können, ohne belästigt, gefangen genommen oder getötet zu werden.

Wie sollte eurer Meinung nach der Rechtsstaat das Verhältnis von Mensch zu Tier regeln?

Uns ist bewusst, dass Löwen und Schafe nicht friedlich neben einander leben können. Tiere handeln aus Instinkten heraus. Der Mensch ist zwar auch eine Art Tier, kann allerdings Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Tiere sehen wir dabei etwa auf dem gleichen Stand wie Kleinkinder. Sie sollten ähnliche Rechte haben, zum Beispiel auf körperliche Unversehrtheit. Trotzdem können sie für ihre Taten nicht im gleichen Maße verantwortlich gemacht werden und gleiche Pflichten übernehmen. Tierrechte stellen aber für uns kein endgültiges Konzept dar. Denn auch Recht ist nicht immer ein Schutz. So bewahren nicht einmal die Menschenrechte jeden davor, ausgebeutet zu werden.

Die Leipziger Tierbefreier haben sich im April 2013 als Ortsgruppe des Vereins tierbefreier e.V. gegründet und ordnen sich dem anarchistischen Spektrum zu. Die Mitglieder der tierbefreier möchten anonym bleiben.

Interview: Claudia Hempel

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