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Ausflugstipp: Hof Göbitz in der Elsteraue bietet Platz für zeitlose Leichtigkeit

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

geht es Ihnen auch so? Wenn man auf Spaziergängen, Radtouren oder Wanderungen auf Orte trifft, die in keinem Reiseführer oder als touristische Ausflugsziele in Broschüren stehen. Die offen stehen für Besucher, die zufällig vorbeikommen und durch eine herzliche Gastfreundschaft in Erinnerung bleiben, hat man sie einmal entdeckt. Diese unbekannten Kleinode, hinter deren Bewirtschaftung meist Menschen stehen, die sich zuallererst den Erhalt dieser besonderen Orte zur Aufgabe gemacht haben.

So einen Ort hat mein Kollege Mark Daniel gefunden. Im kleinen Örtchen Göbitz an der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt, keine 40 Kilometer südlich von Leipzig. Dort arbeiten Andre Hilser und Hendrik Wahl daran, das alte Herrenhaus des Göbitzer Hofes wieder für Besucherinnen und Besucher zu öffnen.

Noch ist der Hof Göbitz ein Geheimtipp für Ausflügler, doch die allmählich steigende Frequenz beweist: Umland und die Großstadt Leipzig werden aufmerksam auf das, was sich in der kleinen Gemeinde in der Elsteraue tut.

Mark Daniel

Dorthin möchten wir Sie heute entführen und Lust auf einen Ausflug in die Elsteraue zu machen, die auch bequem mit Bahn und Fahrrad zu erreichen ist. Durch die Auenlandschaft führen auch schöne Radwege.

Und wenn Sie in der Stadt ein neues Abenteuer suchen, kann ich Ihnen empfehlen, sich mal auf einen Street-Art-Spaziergang zu begeben. Leipzig ist gerade im Süden und Westen eine offene Galerie. An einigen Fassaden prangen - manchmal etwas versteckt - haushohe Kunstwerke. Meine Kolleginnen Fabienne Küchler und Katja Gerland haben sich in der Szene umgehört und vor allem umgeschaut. Fünf Street-Art-Werke stellen wir Ihnen hier vor. Darunter finden Sie einen Link, der zu weiteren Stationen und einem Text zur Street-Art-Szene in Leipzig führt.

Ich wünsche Ihnen schöne Ausflüge,

Ihr Thomas Lieb

 

Echter Geheimtipp - Ausflug in die Elsteraue

Wird bald neu eröffnet: Andrea Hilser und Hendrik Wahl vor dem Herrenhaus Göbitz. 

Wird bald neu eröffnet: Andrea Hilser und Hendrik Wahl vor dem Herrenhaus Göbitz. 

Von Mark Daniel

Mehr Idylle als in Göbitz geht nicht. Riesige Trauerweiden wehen als Vorhänge für eine Kulisse, in der Rundballen aus Stroh wie große Brettspielsteine die Felder bestücken, Kühe ohrenzuckend grasen und Pferde über die Weide schreiten. Mittendrin der Hof von Andrea Hilser, die fröhlich lächelnd ihren Besuch begrüßt und auf Sitzplätze im Schatten deutet.

Noch ist der Hof Göbitz ein Geheimtipp für Ausflügler, doch die allmählich steigende Frequenz beweist: Umland und die Großstadt Leipzig werden aufmerksam auf das, was sich in der kleinen Gemeinde in der Elsteraue tut. In und um das Fachwerkhaus in der Tonaer Straße, errichtet im 16. Jahrhundert, entfaltet das Zusammenspiel aus Natur und Architektur eine zeitlose Leichtigkeit.

Die Sanierung und Entwicklung von Hof Göbitz in der Elsteraue kommt Schritt für Schritt voran.

Die Sanierung und Entwicklung von Hof Göbitz in der Elsteraue kommt Schritt für Schritt voran.

Lange lag der Hof, der schon in der ersten urkundlichen Erwähnung vor bald einem halben Jahrtausend als Gaststätte und später auch als Brauerei und Kulturhaus genutzt wurde, im Schlaf der Vergessenheit. 1992 machte der damalige Pächter den Laden dicht. Pläne für den Umbau in ein Gemeindehaus zerschlugen sich wegen Alteigentümer-Ansprüchen, 2005 wurde das Objekt zwangsversteigert. Andrea Hilser und ihr damaliger Mann erhielten den Zuschlag.

Lange ließen die beiden den an vielen Stellen baufälligen Hof unverändert. Nach der Trennung von ihrem Mann übernahm die gebürtige Allgäuerin 2016 das 1500 Quadratmeter große Areal – und beschloss, es ins öffentliche Leben zurückzuholen. Zunächst wurde die frühere Gaststube zur Wohnung umgebaut, dann für Gastronomie gesorgt.

Andrea Hilser im (Stall)café von Hof Göbitz.

Andrea Hilser im (Stall)café von Hof Göbitz.

Schon zuvor hatte die gelernte Industriekauffrau, die lange im württembergischen Villingen-Schwenningen lebte und vor 30 Jahren mit ihrem damaligen Mann nach Sachsen zog, sich auf die Herstellung von Marmelade, Aufstrichen und Konfitüre spezialisiert. Bis heute ist das ein wirtschaftliches Standbein. Ihre herzhaften bis süßen Delikatessen produziert die 60-Jährige für Unternehmen oder verkauft sie auf Märkten.

Seit drei Jahren geht sie mit ihrem neuen Partner Hendrik Wahl einzelne Schritte der Sanierung, dem jeweiligen Budget entsprechend. Zuletzt bekam sie für die Belebung des ländlichen Raums auch Mittel aus Fördertöpfen – daraus wurde das Dach des ehemaligen Schlachthauses gerettet, später die Fassaden aufgefrischt und die Fenster erneuert. „Langweilig wird es nicht“, sagt Wahl lächelnd, der Design an der Burg Giebichenstein Halle studierte, in Seoul am Korean German Institute of Technology und später Professor für Digital Media Design in Dubai an der American University war.

Ein Treppenaufgang im Hof Göbitz - links an der Wand hat sich der Baumeister verewigt.

Ein Treppenaufgang im Hof Göbitz - links an der Wand hat sich der Baumeister verewigt.

Seit April bekommt sie wichtige Unterstützung durch ihren Sohn Sebastian. Der 31-Jährige, gelernter Koch und lange beschäftigt im Hotel Michaelis, hat sich entschlossen, mit seiner Familie aufs Land zu ziehen und in den Betrieb seiner Mutter einzusteigen. „Jetzt sind wir richtig gut aufgestellt, vor allem für unser Catering-Angebot und Einmietungen für Feiern“, sagt Andrea Hilser.

Die Verstärkung gibt der ruhigen, freundlichen Frau auch Rückenwind für ein weiteres Großprojekt: Das wenige Meter entfernt liegende und vom ehemaligen Pächter Ende Januar aufgegebene Herrenhaus auf dem Gelände der alten Mühle soll ein weiterer Besucher-Magnet werden. Der Eigentümer aus der Schweiz lässt gerade Ferienwohnungen bauen, ab September werden dort erste Gäste empfangen. Und als neue Betreiber wollen Hilser und Wahl auch Kultur in den prächtigen Bau von 1880 bringen. „Theater, Ausstellungen, Workshops, Lesungen oder Konzerte, alles ist möglich“, so Hilser.

Zweifel, dass all diese Aufgaben sie überfordern könnten, hat die Wahl-Göbitzerin kaum gehabt. „Klar, manchmal habe ich mich schon gefragt, was ich hier bloß mache, aber richtig kritisch war es bisher nie. Und hierfür lebe ich.“

Infos: Hof Göbitz, Tornaer Straße 9, 06729 Elsteraue. Mit dem Auto von Leipzig aus am besten über die Bundesstraße 2 über Zwenkau und Pegau bis Draschwitz (links abbiegen). Oder mit Fahrrad und Bahn von Leipzig Hbf. nach Profen (RE12 Rtg. Saalfeld) und dann weiter mit dem Rad durch die Elsteraue nach Göbitz.

 

Fünf Tipps für einen Street-Art-Spaziergang in Leipzig

Das Mural "Panther Pilz" des Künsterlers "Kuba" in der Rolf-Axen-Straße 33 ist im Rahmen des Leipzig Mural Fests entstanden.

Das Mural "Panther Pilz" des Künsterlers "Kuba" in der Rolf-Axen-Straße 33 ist im Rahmen des Leipzig Mural Fests entstanden.

„Panther Pilz“ von Kuba

Zwei Pilze wachsen seit einem Jahr auf einer Giebelwand in der Rolf-Axen-Straße 33. Auch sie sind im Rahmen des Leipzig Mural Fests 2021 durch den Street-Art-Künstler „Kuba“ entstanden. Das Gebäude steht unweit des Bürgerbahnhofs in Plagwitz. Als Kontrast dazu habe sich Kuba ein Motiv gesucht, das häufig in der sächsischen Natur zu finden ist: Den Pantherpilz. Drei Tage er für die Umsetzung des Wandbildes auf der Giebelwand gebraucht, so Kuba.

Mural des Graffitivereins in der Georg-Schumann-Straße 25.

Mural des Graffitivereins in der Georg-Schumann-Straße 25.

Erinnerung an die Friedliche Revolution in Gohlis

Die Wand eines Mehrfamilienhauses in der Georg-Schumann-Straße 25 wurde 2014 vom Leipziger Graffitiverein gestaltet und erinnerte zum 25. Jahrestag an die Friedliche Revolution, teilt eine Sprecherin des Vereins mit. Das Werk entstand im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Leipziger Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen sowie der sächsischen Bildungsagentur, welches mit dem Ehrenpreis des Sächsischen Landtags ausgezeichnet wurde.

Die "Persilfrau" wirbt in der Zschocherschen Straße 54/56 für die Waschmittelmarke.

Die "Persilfrau" wirbt in der Zschocherschen Straße 54/56 für die Waschmittelmarke.

Persilfrau am Karl-Heine-Kanal

Die „Weiße Dame“ wirbt bereits seit 1936 in der Zschocherschen Straße 54 in Plagwitz für die Waschmittelmarke Persil. Nach der Wende war sie beinahe zerfallen, weswegen der Leipziger Frank-Heinrich Müller die Henkel KG, Inhaber der Marke Persil, um die Sanierung der Persilfrau bat. Diese ließen das Motiv 1993 rekonstruieren. Heute ist die Weiße Dame erneut sanierungsbedürftig: Sie wurde mit vielen illegalen Graffitis besprüht.

Seit 2020 ziert ein Gitarrist die Giebelwand in der Eisenbahnstraße 37.

Seit 2020 ziert ein Gitarrist die Giebelwand in der Eisenbahnstraße 37.

Gitarrist auf der Eisenbahnstraße

Auf einer Giebelwand in der Eisenbahnstraße 37 spielt ein riesiger Mann auf einer Gitarre. Das Mural ist 2020 entstanden - im ersten Jahr der Corona-Pandemie. „Musik verbindet alle Menschen“, so der Künstler Philipp Weber. Besonders zu Beginn der Pandemie habe man deutlich gespürt, wie die Gesellschaft gespalten war. „Man vergisst bei all den Differenzen, dass es auch genauso viele Gemeinsamkeiten gibt, die uns alle verbinden: zum Beispiel die Musik“, erzählt Weber.

Der „Wall of Fame“ in der Gießerstraße ist ein Ort, an dem legal gesprüht werden kann.

Der „Wall of Fame“ in der Gießerstraße ist ein Ort, an dem legal gesprüht werden kann.

Graffiti Wall of Fame, Gießerstraße

Viele Graffitis in der Szene werden illegal gesprüht. In Leipzig wurden deswegen einige „Walls of Fame“ eingerichtet, an denen das Sprayen legal möglich ist – zum Beispiel in der Gießerstraße in Plagwitz. Weitere Walls of Fame gibt es an der Antonienbrücke zwischen Plagwitz und Grünau, vor dem Jugendtreff im Paunsdorfer Bürgerpark, beim Soziokulturzentrum „Heizhaus“ in Grünau, am Park and Ride-Parkplatz an der Hans-Weigel-Straße in Engelsdorf und am Werk 2 in Connewitz.

Weitere Beispiele für Street Art in Leipzig finden Sie hier.

 

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