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Ausflugstipp ins Altenburger Land: Leipziger verwandelt alten Bauernhof  in Kulturort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die letzte Sommerferienwoche in Sachsen bricht demnächst an. Vielleicht sind Sie noch im Urlaub, vielleicht nutzen Sie die letzte Ferienwoche auch schon, um sich darauf vorzubereiten, was bei uns Zuhause immer mit „Dann geht‘s wieder andersrum “ umschrieben wurde.

Falls Sie noch Zeit haben, lege ich Ihnen heute mal wieder einen Ausflugstipp in die nähere Umgebung Leipzigs ans Herz. Im Altenburger Land hat der Leipziger Robert Herrmann einen Ort für sich entdeckt, wo er drauf und dran ist, ein Kulturmekka zu erschaffen. Zugegeben, Mekka... naja. Es liegt auf der Hand diesen Begriff zu gebrauchen, wenn man die Pläne Herrmanns zu umschreiben versucht. Der Kulturhof Kleinmecka im Altenburger Land... Sie verstehen schon.

Sie müssen gar nicht hinpilgern. Einfach mit der S-Bahn nach Altenburg und ab da weiter mit dem Fahrrad (etwa 12 Kilometer).

Ansonsten kann ich Ihnen nur raten, am Wochenende mit den Vorbereitungen des Schulanfangs entweder fertig zu sein oder zumindest zu pausieren. In Leipzig ist wirklich wieder viel los.

Sie haben die Qual der Wahl. Und hoffentlich viel Unterhaltung, was auch immer Sie sich vornehmen.

Ihr Thomas Lieb

 

In Kleinmecka entsteht ein Kulturmekka

Robert Herrmann vor dem Haupthaus in Kleinmecka.

Robert Herrmann vor dem Haupthaus in Kleinmecka.

Ein wilder Fechtkampf endet in einem Kuss und das Stück in brennender Sehnsucht. Um Liebe, Leben und Tod geht es in der Inszenierung „Kommen Bleiben Gehen“, die Anfang August bei Ausflüglern im Altenburger Land für doppeltes Staunen sorgte. Zum einen verblüffte sie die hohe Qualität der Produktion aus dem Hause Company Povezani, zum anderen die Zauberhaftigkeit des Aufführungsortes: Der Kulturhof Kleinmecka ist ein früherer Bauernhof, der lange dem Verfall überlassen war – bis der Leipziger Künstler Robert Herrmann sich in den Kopf setzte, die Immobilie zu retten und zum kreativen Anziehungspunkt zu machen.

Kleinmecka, urkundlich erstmals 1336 erwähnt, ist so klein, dass es nicht einmal für die Bezeichnung Dörfchen reicht. Mit zwei weiteren Hofanlagen bildet das Gehöft einen Bauernweiler, von Großmecka durch den Podelwitzer Bach getrennt. Seit 2004 stuft der Regionalplan Ostthüringen das Areal als „ausgewiesene Kulturlandschaft besonderer Eigenart“ ein.

Kulturhof Kleinmecka OT Nobitz Besitzer Robert Herrmann Reportage das Wohnhaus wird neu eingedeckt Foto: Mario Jahn

Kulturhof Kleinmecka OT Nobitz Besitzer Robert Herrmann Reportage das Wohnhaus wird neu eingedeckt Foto: Mario Jahn

Auf Autofahrten zu seinen Eltern hatte Robert Herrmann den Fleck oft passiert. Als er einmal dort anhielt und die verwitternden Gebäude betrachtete, öffnete sich ihm eine Tür zu Gedankenspielen und dem leicht verrückten Plan, das Gehöft zu retten. „Die verträumte, friedliche Atmosphäre des Ländlichen habe ich schon immer geliebt“, sagt der 42-Jährige, „und diese Gegend hier ist besonders urtümlich, sie hat mich gepackt.“

Mit der Wiederbelebung aufgegebener Orte hat Robert Herrmann einschlägige Erfahrungen. Zur Zeit seines Studiums an der Leipziger Musikhochschule entdeckten er und sein Mitbewohner Claudius Bruns die leerstehenden Weinstuben Horns in der Arndtstraße. In einem Kraftakt, gestemmt mit Freunden, Idealismus, Selbstausbeutung und Fördermitteln, machte das Team den in Leipzig beliebten Musikclub „Horns Erben“ daraus. „Es ist wahnsinnig spannend und reizvoll, einen Ort neu zu formen.“

Jetzt wiederholt sich diese Pioniergeschichte in der puren Abgeschiedenheit. Nach dem Kauf für eine relativ geringe Summe butterte der Pianist seine Zeit in das Objekt und das Stellen von Förderanträgen, unterstützt von einem Dutzend enthusiastischer Helferinnen und Helfern. Vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie flossen Mittel, außerdem ist der Kulturhof Kleinmecka bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gelistet, die Spendengelder ausschüttet.

Das Projekt erregte Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren sah sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) das Gehöft an - und die Abteilungsleiterin der Stiftung, Annette Liebeskind, lobte es als „vorbildlich wiederhergestelltes Denkmal“, denn Robert Herrmann & Co. legten und legen Wert auf ressourcenschonende und materialgerechte Denkmalpflege in historischen Techniken. 2018 wurden Deckenbalken und Mauerwerk des Haupthauses repariert, wurde der Dachstuhl gesichert; in der Zeit danach unter anderem das Fundament.

„KommenBleibenGehen“ heißt es am Sonntag im Kulturhof Kleinmecka.

„KommenBleibenGehen“ heißt es am Sonntag im Kulturhof Kleinmecka.

Erste Veranstaltungen auf dem Hof zogen erstaunlich viel Publikum an. „Das Interesse bestärkt und beflügelt uns“, sagt Robert Herrmann. Aktuell gilt die Hauptarbeit dem ehemaligen Pferdestall, um bald auch wetterunabhängig Programm machen zu können. „Das schaffen wir hoffentlich bis Jahresende, denn 2023 wird der Hof 222 Jahre alt und das möchten wir feiern.“

Wenn alles klappt, ist der Kulturhof 2030 so weit saniert, dass das Haupthaus bewohnbar und alle Voraussetzungen für regelmäßiges Kulturprogramm gegeben sind. „Langfristig möchte ich meinen Lebensmittelpunkt hierhin verlagern“, erzählt Robert Herrmann. Kurzfristig aber steht hochkarätiger Besuch an: Am Samstag wird der vor allem im deutschen Osten gefeierte Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel in Trio-Besetzung ein Konzert geben, dessen Erlös in die weitere Gestaltung des Kleinods fließt.

„Wir freuen uns riesig auf ihn, das wird ein ganz besonderer Tag“, betont Robert Herrmann. Sollte das Wetter nicht mitspielen, muss man in die drei Kilometer entfernte Kirche Gieba ausweichen. „Aber natürlich hoffe ich darauf, dass wir im Hof bleiben können.“ Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten für 17 Euro können über www.tixforgigs.com gesichert werden. Der Titel des Abends übrigens klingt wie eine Verheißung für alle, die den Kulturhof Kleinmecka das erste Mal besuchen: „Das Allerschönste noch nicht gesehen.“

 

Das ist sonst in Leipzig los

 

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