Newsletter „Frische Luft“

Der Anfang vom Ende eines besonderen Sommers

Liebe Frische-Luft-Freunde,

momentan fühlt es sich so an, als würde der deutsche Ausflugssommer langsam aber sicher zu Ende gehen. Denn kommende Woche läuft das 9-Euro-Ticket aus - und damit sind die Tage des günstigen Reisens durch Deutschland vorerst vorüber. Ehe ab September Ausflüge also wieder teurer werden, können Sie das Wochenende noch einmal in vollen Zügen (!) nutzen.

Was haben Sie bislang noch nicht geschafft? Welche Strecke wollen Sie nur in eine Richtung mit dem Fahrrad, in die andere doch lieber mit dem ÖPNV zurücklegen? Nehmen Sie die verbleibenden Tage doch einfach mal als Anlass, ganz anlasslos durch die Gegend zu fahren.

Falls Sie eher zu den Menschen gehören, die einen konkreten Plan bevorzugen, dann ist vielleicht unser Ausflugstipp etwas für Sie. Wir stellen Ihnen eine Kunstroute durch das Umland vor. Der Titel (mit Ohrwurm-Garantie): Horse with no Name. Was sich dahinter verbirgt, lesen Sie in diesem Newsletter.

Stimmen Sie sich aufs bevorstehende Wochenende ein und genießen Sie die letzten Tage des Ausflugssommers!

Ihre Josephine Heinze

 

Auf einer Kunstroute durchs Umland

Sie hatten eine Idee, aber keinen Namen dafür, bis sich Harald Kern an ein Lied aus den 70ern von der Band America erinnerte – über ein Pferd, das auch keinen hatte und durch die Wüste irrte. Dann hatte sie einen Namen, die Idee: „Horse with no Name“.

Das steht zum zweiten Mal über einer Kunstroute, die vier Orte in der Region verbindet, vier Orte, die ab Donnerstag mit zeitgenössischer Kunst bespielt werden: das „Sunny Brook Artcenter“ an einer ehemaligen Lehmgrube bei Göhrenz, das ehemalige „Kulturhaus“ in Nitzschka bei Wurzen, das „Berggut“, ein ehemaliger Rittergutshof in Alt-Oschatz. Und das „Weisshaus“, das ehemalige Tagebau-Umspannwerk am Hainer See.

Jirka Pfahl will das Berggut in Oschatz erhalten und mit Kunstausstellungen lebendig machen. Ab dem 25.8. wird die Berliner Rahel Pötsch eine Videoinstallation im alten Berggut zeigen. Jirka Pfahl (links) und Burkhard Beschow planen die zweite Ausstellung in diesem Jahr.

Jirka Pfahl will das Berggut in Oschatz erhalten und mit Kunstausstellungen lebendig machen. Ab dem 25.8. wird die Berliner Rahel Pötsch eine Videoinstallation im alten Berggut zeigen. Jirka Pfahl (links) und Burkhard Beschow planen die zweite Ausstellung in diesem Jahr.

Das hatte der Leipziger Architekt Harald Kern vor mehr als zehn Jahren erworben. Mit seiner 360 Quadratmeter großen Halle und einem halben Hektar Platz davor ist es ein Ort, der sich für Kunstprojekte eignet. Darauf gestoßen war er einst bei Recherchen zu einem Artikel über die Tagebau-Folgelandschaften für ein italienisches Magazin. Gemeinsam mit den befreundeten Betreibern der drei übrigen Orte entstand der Gedanke, sie auf einer Kunstroute mit gleichzeitig stattfindenden Ausstellungen zu verbinden.

Transformationen sichtbar machen

Im Juni 2021 ist das „Horse with no Name“ zum ersten Mal durch den sächsischen ländlichen Raum von West nach Ost gelaufen. Das Besondere der Orte liegt darin, dass sie früher anders genutzt wurden. „Alle sind sie etwas Ehemaliges“, sagt Kern. Nun würden deren jeweilige Transformationsprozesse thematisiert – was mit vier aufeinander folgenden Ausstellungseröffnungen auch überregional für Aufmerksamkeit sorgen soll.

Im Weisshaus am Hainer See werden ab Samstag Arbeiten von Hanne Konrad, Dominik Meyer, Schnabbzer und Doppeldenk gezeigt.

Im Weisshaus am Hainer See werden ab Samstag Arbeiten von Hanne Konrad, Dominik Meyer, Schnabbzer und Doppeldenk gezeigt.

Vier Ausstellungen ab Donnerstag

Es beginnt im Berggut Oschatz, wo am Donnerstag ab 19 Uhr eine Videoinstallation mit Live-Performance der Künstlerin Rahel Pötsch zu erleben ist. Am Freitag wird im Kulturhaus Nitzschka um 16 Uhr eine Ausstellung mit Arbeiten von Marcel Walldorf unter dem Titel „Allein in Nitschka“ eröffnet. Er setzt sich mit dem Pferderennsport als Analogie für die Leistungsgesellschaft auseinander. Im Weisshaus am Hainer See beginnt am Samstag um 17 Uhr eine Schau mit Arbeiten von Hanne Konrad, Dominik Meyer, Schnabbzer und Doppeldenk, die erstmals zusammen ausstellen.

Und ab Sonntag zeigt Stefan Vogel, dessen Kunst bis Februar in den Chemnitzer Kunstsammlungen zu sehen war, unter dem Titel „La Quinta“ im Sunny Brook Artcenter in Göhrenz nach eigenen Angaben „Trümmer und Teile als Teil des Teils“. Was irgendwie auch zu dieser Kunstroute mit dem Pferd ohne Namen passt.

  • Informationen über die Kunstorte, Konzept und alle Ausstellungen: horsenoname.org
 

Wein & Co. in der Wein.Kost.Bar

Es war eine Zeit lang ruhig an der Ecke Dittrichring, wo Ende 2019 Igor Mozak sein Restaurant Telegraph schließen musste. Nun residiert in den hohen Räumen die Wein.Kost.Bar, der erste gastronomische Ableger der Wein- und Feinkosthandlung Gourmétage. Die hatten Thomas Köhler und René Weißenborn als ehemalige, angestellte Mitarbeiter 2013 mit ihrer eigens gegründeten Köhler & Weißenborn GmbH aus der Insolvenz herausgekauft. Ihre bekannteste Filiale dürfte die in der Mädler-Passage sein.

Und weil dort immer mehr Kunden gleich vor Ort probieren wollten, suchten sie nach einer Gelegenheit, in die Gastronomie einzusteigen. „Als der Telegraph ins Spiel kam, griffen wir zu“, plaudert Köhler aus dem Nähkästchen. Womit sich beim Blick in die Fenster und auf die Galerie gleich die nächste Frage aufdrängt: Was machen denn die Anzüge hier? Man teilt sich die Räumlichkeiten mit der Maßkonfektion David van Laak. Die ehemalige Bibliothek, zuletzt Raucherraum, ist zum Atelier umfunktioniert.

Von außen ist die Wein.Kost.Bar gut an dem üppig-wilden Wein zu erkennen, der die Fassade schmückt.

Von außen ist die Wein.Kost.Bar gut an dem üppig-wilden Wein zu erkennen, der die Fassade schmückt.

Ambiente und Küche sind neu aufgelegt: Gäste sitzen vor allem an Hochtischen auf Barhockern, können aber auch Sitzplätze an Tischen in üblicher Höhe reservieren. Eine hohe Regalwand beeindruckt mit ausgefallenen Flaschen, an einer anderen sind Kunstdrucke zu sehen. Mit Lars Röhl als Restaurantleiter und dem Koch Tim Vollek holte das Betreiber-Duo zwei Fachleute ins Boot, die sich in Küche und Service auskennen.

Und das müssen sie auch, denn was hier in die Gläser und auf die Teller kommt, ist durchweg hochwertig: Die Weine liefern renommierte internationale Weingüter, Feinkost und Käse bewährte Produzenten. Für den Gourmétage-Teller werden am Tresen Schinken und Fenchelsalami frisch vom Stück gehobelt. Arrangiert mit Hart- und Weichkäsen aus Kuh- oder Ziegenmilch, marinierten Pilzen, Aufstrich, gefüllten Paprika sowie sommerlichen Beeren passt alles als leichtes Mittagessen. Genauso wie das Beeftatar Carpaccio: hauchdünne Scheiben von rohem Rindfleisch mit Rucola, Kapernhälften und Tomatenviertel, die großzügig mit gehobeltem Parmesan und Olivenöl bestreut sind.

Preise fordern zum Genuss heraus

Die kleinere Mittagskarte erweitert die Küche abends um warme Speisen, an deren Qualität es auch nichts zu meckern gibt: Das Filetsteak kommt wie gewünscht medium rare, das Steinbeißer-Filet auf den Punkt saftig gegart. Das Leipziger Allerlei überrascht als eigene Variante: Das anfänglich vermisste Krebsfleisch ist in einem Raviolo versteckt.

Das „Leipziger Allerlei“ wird in der Wein.Kost.Bar besonders interpretiert: Statt Morcheln gibt es Shiitake-Pilze, die Erbsen kommen als Püree daher und die Flusskrebse werden in einer handgemachten Raviolo serviert.

Das „Leipziger Allerlei“ wird in der Wein.Kost.Bar besonders interpretiert: Statt Morcheln gibt es Shiitake-Pilze, die Erbsen kommen als Püree daher und die Flusskrebse werden in einer handgemachten Raviolo serviert.

Die Preise scheinen bei der gebotenen Qualität angemessen, sind aber ganz sicher nichts für alle Tage. Thomas Köhler verweist darauf, dass im Moment die Einkaufspreise nicht nur für Lebensmittel und Getränke stark anziehen. Außerdem müssen Mitarbeiter konform höher entlohnt werden.

Regionale Weine, zum Beispiel von Schloss Proschwitz oder Winzer Martin Schwarz an der Elbe, sind nur flaschenweise zu haben, da, wie Lars Röhl auf Anfrage sagt, man diese bei Preisen um 40 Euro nicht offenstehen lassen will, bis der nächste Gast ein Glas probieren will.

Was bleibt? Wer sich abseits bekannter Exklusivadressen etwas gönnen und Neues erleben möchte, findet hier eine ansprechende Adresse. Und den Namen Wein.Kost.Bar trägt wirklich jede einzelne Silbe.

 

Tipps fürs Wochenende

  • Antikmarkt: Der wohl größte Trödelmarkt in Leipzig kann am Wochenende auf dem agra-Messepark im Süden der Stadt besucht werden. Samstag und Sonntag kann dort wieder nach Lust und Laune Ausschau nach altem Geschirr, Vintage-Möbeln & Co. gesucht werden.
  • Seeklang-Festival: Drei Tage lang veranstaltet die Kulturwerkstatt KAOS Musikabende, die sich der städtischen Singer-Songwriter-Szene widmen. Auf der Seebühne am Ulrichsteich in Lindenau treten verschiedene Acts auf. Das festival ist Abschluss des Kultursommers.
  • Leipziger Kinderfestival: Samstag und Sonntag verwandelt sich der Leipziger Augustusplatz in ein großes Spieleparadies, gegliedert in acht Bereiche. Zu den Attraktionen zählt unter anderem eine Kinderbaustelle und eine Torwand von RB Leipzig. Öffnungszeiten sind jeweils 11 bis 18 Uhr.
  • Streetfood auf der Alten Messe: Die Sommerausgabe des Street Food Festivals Leipzig findet von Freitag bis Sonntag auf dem Gelände der Alten Messe statt. Das Event kostet drei Euro Eintritt. Laut Veranstaltern sollen die Essensstände unter anderem Garküchen aus aller Welt anbieten, aber auch Craft Beer oder besondere Drinks in den Mittelpunkt stellen.
 

Das ist sonst in und um Leipzig los

 

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