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Die verlassene Schleuse: Entdecken Sie einen neuen Lost Place

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Kürbisse sind gerade weggeräumt, die Reformationsbrötchen gegessen, da stehen die nächsten Feste an: Am Freitag ist der 11.11. - und damit nicht nur Faschingsanfang, sondern auch Martinstag. In Leipzig und Region finden jede Menge Veranstaltungen statt. Vor allem Kinder ziehen mit Laternen um die Häuser oder versammeln sich am Martinsfeuer.

Kennen Sie die Geschichte hinter dem Martinstag? Sankt Martin ist der Schutzpatron der Armen und ein Symbol für Nächstenliebe und gute Taten. Einer Erzählung nach rettete Sankt Martin als römischer Soldat einen frierenden Bettler, in dem er seinen Mantel teilte. Laut einer anderen Geschichte geht der Tag auf Martin von Tours zurück, der zum Bischof ernannt werden sollte. Er galt als bescheiden, fühlte sich des Amtes nicht würdig und versteckte sich deswegen in einem Gänsestall. Die Tiere verrieten ihn durch ihr Geschnatter, Martin wurde gefunden und doch Bischof - zur Strafe habe er die Gänse braten lassen.

Haben Sie einen Brauch, den Sie am Martinstag aufleben lassen? Oder beginnt für Sie am Freitag eher die fünfte Jahreszeit? Auch dann dürfte es für Sie in und um Leipzig einiges zu feiern geben: Viele Faschingsvereine stellen sich nach zwei Jahren Corona-Pause wieder auf eine gute Saison ein. Sollten Sie am Wochenende einfach nur raus ins Grüne wollen, dann empfehle ich Ihnen einen besonderen Ausflugstipp zu einem Lost Place bei Leuna.

Genießen Sie die Zeit!

Ihre Josephine Heinze

 

Vergessener Ort: Die geheimnisvolle Schleusenruine Wüsteneutzsch bei Leuna

Mitten aus dem zugewucherten Nirgendwo ragen Beton-Kolosse ins Himmelblau, dominiert von zwei wuchtigen, sich gegenüberstehenden Wänden, die eine Schlucht bilden. Die Schleusenruine in Wüsteneutzsch bei Leuna ist Zeugnis davon, wie sich ein spektakuläres Bauprojekt aus dem vergangenen Jahrhundert zu einem Lost Place, einem (fast) vergessenen Ort, entwickeln kann.

Im Jahr 1933 begannen die Arbeiten an einem Wasserweg, die Mitteldeutschland mit Hamburg und seinem Überseehafen verbinden sollte. Große Abschnitte des Saale-Leipzig-Kanals und der Lindenauer Hafen entstanden. Im Dorf Wüsteneutzsch war eine gigantische Schleusentreppe geplant, mit der 20 Meter Höhenunterschied auf dem Weg zur Saale überwunden werden sollten: mit einer Ausdehnung von mehr als einem Kilometer und zwei Kammern von 85 Metern für die Schleusung von Schiffen bis 1000 Tonnen Tragfähigkeit.

Die Schleusenruine Wüsteneutzsch, eine unvollendete Schleusentreppe mit ursprünglich zwei Schleusenkammern bei Kreypau, Ortsteil der Stadt Leuna. Das Dorf Wüsteneutzsch gehört seit 1951 zu Kreypau.

Die Schleusenruine Wüsteneutzsch, eine unvollendete Schleusentreppe mit ursprünglich zwei Schleusenkammern bei Kreypau, Ortsteil der Stadt Leuna. Das Dorf Wüsteneutzsch gehört seit 1951 zu Kreypau.

Dass das Projekt buchstäblich versandete und es heute weder Wasser noch Schiffe drumherum gibt, liegt am von den Nazis angezettelten Zweiten Weltkrieg. Als die Ressourcen des Hitler-Regimes 1943 knapp wurden, stellte man die Arbeiten ein. Mit den Jahrzehnten verwischten Zeit und Natur die Ruine mit der Landschaft, und auf dem weiten Land wurde die Betonwucht bald zu einer selten hinterfragten Selbstverständlichkeit – wie ein Farbkleks auf einem Bild, der fremdartig wirkt, aber irgendwie schon immer da war.

„Für die Region wäre das in touristischer Hinsicht ein Quantensprung“

Den Hauch des Geheimnisvollen und Verwunschenen aus einer fernen Zeit verstärkt der Wildwuchs, der Teile des riesigen Gebildes einwebt. In den vergangenen Jahren rückte der Saale-Elster-Kanal-Förderverein die in puncto Kammergröße und Fallhöhe größte Schleusentreppe in Deutschland wieder ins Bewusstsein. Inzwischen bieten Historiker Dirk Becker und weitere Mitglieder Führungen an und haben ein Modell gebaut, das zeigt, wie das fertiggestellte Projekt ausgesehen hätte. Um es vor der Ruine installieren zu können, fehlt noch eine Schutzhaube aus Plexiglas, für deren Finanzierung Sponsoren gesucht werden.

Das Modell im Maßstab 1:1000 zeigt die Anlage der Schleusenruine bei Leuna.

Das Modell im Maßstab 1:1000 zeigt die Anlage der Schleusenruine bei Leuna.

Von der Saale bis zum wassergeführten Kanal sind es 7,5 Kilometer, die zur Kanalvollendung fehlen. Becker, seit Jahren fasziniert von dem Relikt aus Beton, wird nicht müde, von ihr zu träumen. „Für die Region wäre das in touristischer Hinsicht ein Quantensprung“, sagt er voller Überzeugung. Eine zehn Jahre alte Potenzialanalyse kommt jedoch zu dem Schluss, dass das touristische Interesse sich auf wenige Sportbootfahrer beschränken würde. Dem entgegen steht eine Studie der Fachhochschule Merseburg, nach der die Vollendung volkswirtschaftlich eine lohnenswerte Investition wäre.

Wie auch immer – zumindest auf absehbare Zeit wird es trocken bleiben um die fast vergessene und doch Aufsehen erregende Schleuse. Das Interesse an dem Stahlbetonriesen jedenfalls wächst. Wer eine Führung buchen möchte, kann an saaleelsterkanal@saaleelsterkanal.de mailen.

 

Martinstag in Leipzig und Region

Sankt Martin ist der Schutzpatron der Armen und ein Symbol für Nächstenliebe und gute Taten. Der Martinstag am 11. November erinnert an diese wichtigen Werte mit allerlei Brauchtum: Kinder ziehen mit Laternen durch die Straßen, singen Lieder und lassen es sich am Martinsfeuer schmecken. In Leipzig und der Region sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Die LVZ hat einige davon gesammelt.

  • Leipzig: Heilig-Kreuz-Kirche (Neustädter Markt 8), 17 Uhr, Martinsfest
  • Leipzig: Katholische Propstei St. Trinitatis (Nonnenmühlgasse 2), 16.30 Uhr, Martinsfest mit Lampionumzug
  • Leipzig: Hoffnungskirche Knauthain (Seumestraße 131), 17 Uhr, Martinsfest
  • Leipzig: Kirche Liebertwolkwitz (Kirchstraße 1), 18 Uhr, Martinsfest
  • Leipzig: Kirche Miltitz (An der Kirchgasse 4), 18 Uhr, Martinsfest
  • Leipzig: Kirche Mölkau (Zweinaundorfer Straße 206), 16 Uhr, Martinsfest, Andacht, Teilen von Martinshörnchen, Laternenumzug mit St. Martin auf seinem Pferd
  • Leipzig: Kirche Rückmarsdorf (Brandensteinstraße), 16.30 Uhr, Martinsfest
Laternen stehen während einem Martinsumzug auf dem Boden.

Laternen stehen während einem Martinsumzug auf dem Boden.

  • Borsdorf: Ev.-luth. Kirche (Schulstraße 17), 17 Uhr, Martinsfeier mit anschließendem Umzug
  • Eilenburg: Nikolaikirche (Nikolaiplatz 3), 17.30 Uhr, Martinstag mit dem barmherzigen Samariter in der Nikolaikirche, Kinder der Singschule, Laternenumzug mit Martinsreiter zur katholischen Kirche, am Lagerfeuer werden Martinshörnchen verteilt
  • Regis-Breitingen: Freilichtbühne Bergmannsring, 17 Uhr, Martinsumzug zur Stadtkirche (Kirchstraße), dort kann man die Geschichte vom Heiligen Martin hören
  • Döbeln: Katholische Kirche St. Johannes (Rosa-Luxemburg-Straße 21), 16 Uhr Martinsfest, Laternenumzug und Geschichtenweg
  • Markranstädt: St.-Laurentius-Kirche (Markt), 17.30 Uhr, Martinsfest
  • Zwenkau: Laurentiuskirche (Ritterstraße), 17 Uhr, Martinstagsfest, mit Lampionumzug (17.30 Uhr) und Lagerfeuer, Ausklang im Waldbad
 

Das ist sonst in Leipzig los

 

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