Lauschangriff aufs Kinderzimmer

Spionage im Kinderzimmer: So manches Spielzeug kann unbemerkt Daten weitergeben.

Spionage im Kinderzimmer: So manches Spielzeug kann unbemerkt Daten weitergeben.

Hannover. Sie fragen nach dem Namen, antworten auf neugierige Kinderfragen und folgen per Sprachbefehl ihrem kleinen Besitzer durch die ganze Wohnung: Smart Toys sind intelligente Spielzeuge, die via App auf dem Smartphone der Eltern oder dem der Kinder aufs Internet zugreifen können. So können sie sich, im unendlichen Datenspeicher des World Wide Web, auch Namen, Geburtstage und Hobbys ihrer kleinen Nutzer merken. Manch smartes Spielzeug übermittelt sogar einen Gruß der Mama an das Kind – oder den eines Nachbarn, mitunter sogar den eines Fremden … Und genau da liegt der Fehler im System bei einem Großteil aller von der Stiftung Warentest untersuchten intelligenten Spielzeuge: Weil die Verbindung zwischen Smartphone und Smart Toy nicht ausreichend gesichert ist, können Fremde meist spielend leicht mittels einer Bluetooth-Verbindung auf das smarte Spielzeug zugreifen – weder Passwort noch PIN sind dafür notwendig.

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Das Smart Toy als Befehlsgeber

Wegen dieser Sicherheitslücke kam keines der sieben getesteten Spielzeuge über ein „kritisch“ hinaus. Drei der Spielzeuge, darunter auch der i-Que Intelligent Robot, wurden sogar als „sehr kritisch“ eingestuft, weil sie einem Fremden durch die bestehende Sicherheitslücke ermöglichen, das Kind auszuspionieren. Auf die Spitze getrieben würde das auch bedeuten, dass ein Unbeteiligter dem Kind Befehle über das smarte Spielzeug erteilen könnte. Ähnlich verhält es sich mit dem Roboterhund Chip: Sind die Eltern nicht bereits mit dem Spielzeug verbunden, kann im Prinzip jeder andere im Umkreis von zehn Metern auf Chip zugreifen. Auch durch Wände soll das laut Testern möglich sein.

Auch Fremde können sich via Bluetooth mit dem Roboterhund Chip verbinden.

Auch Fremde können sich via Bluetooth mit dem Roboterhund Chip verbinden.

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Etwas besser im Test, wenn auch nur „kritisch“, wurden Mattels sprechende Hello Barbie und Fisher-Prices Smart Toy Bear bewertet. Deren Passwörter waren immerhin verschlüsselt, aber nicht zusätzlich codiert, was die Anforderungen für potenzielle Hacker gering hält. Der Smart Toy Bear setzt bei der Android-Variante zudem Tracker und mehrere Identifikationsnummern, die auch an Dritte gesendet werden – darunter unter anderem die Smartphone-ID. Die Hello Barbie ermöglicht es Eltern, sämtliche Sprachaufnahmen ihrer Kinder online abzuhören, was bereits 2015 bei der Markteinführung der smarten Blondine einen lauten Aufschrei bei Datenschützern nach sich zog. Von „Wanzen im Kinderzimmer“ war schon damals die Rede. In den USA, wo die sprechende Puppe zunächst eingeführt wurde, lief seinerzeit sogar eine Kampagne gegen die Sprech-Barbie. Initiatorin Susan Linn warnte schon damals: „Die Kinder denken, sie sprächen mit Barbie, aber in Wirklichkeit sprechen sie mit einem Konzern.“ Die Ergebnisse der Warentester stützen diese Annahme. Wer nicht ausgehorcht werden möchte, sollte besser die Finger von Smart Toys lassen.

Mattels Hello Barbie ist bei Datenschützern als „Wanze im Kinderzimmer“ verschrien.

Mattels Hello Barbie ist bei Datenschützern als „Wanze im Kinderzimmer“ verschrien.

Tipp

Zunehmend geraten smarte Spielzeuge ins Visier der Bundesnetzagentur. So rät die Behörde, die netzwerkfähige Puppe Cayla „unschädlich zu machen“, da sie nach dem Telekommunikationsgesetz eine Sendeanlage und kein Spielzeug sei. Eine entsprechende „Tarnung“ sei bei Sendanlagen verboten. Laut heise.de hat die Regulierungsbehörde bislang etwa 160 Verfahren gegen sendefähiges Spielzeug eingeleitet. Zudem würden „regelmäßig verschiedene Internetplattformen gesichtet“ und Löschaufforderungen bei Online-Verkaufsofferten versandt, die gegen den entsprechenden Paragrafen 90 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) verstoßen.

Von RND/dpa

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