Spin-off der „Borderlands“-Serie

Mittelaltermarkt mit Schießbude: „Tiny Tina‘s Wonderlands“ im Test

Ein Ausschnitt aus Tiny Tina's Wonderlands: Das Spiel ist für PC, Playstation und Xbox erhältlich.

Was macht die Schnellfeuerwaffe im Fantasy-Spiel? Sie macht bumm. Dass die Geschichte von „Tiny Tina‘s Wonderlands“ unlogisch ist und keinen Sinn ergibt, gehört zum Witz. Gespielt wird in diesem Egoshooter keine in sich geschlossene Fantasygeschichte – es gibt eine komplizierte Rahmenhandlung.

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Eigentlich ist Tiny Tina ein Charakter aus der Egoshooter-Serie „Borderlands“. In der fernen Zukunft sitzt Tina mit Menschen und Robotern an einem Tisch und leitet ein Erzählspiel. Gespielt wird also, was in der Fantasie passiert. Wer jemals „Das Schwarze Auge“ oder „Dungeons & Dragons“ gespielt hat, der versteht das Setting. Wer nicht, der wird wahrscheinlich auch einige Witze in diesem Spiel nicht verstehen.

Der Avatar kämpft gegen einen Gegner.

Der Avatar kämpft gegen einen Gegner.

Hieß das nicht „Borderlands“?

Tiny Tina ist nicht neu. Spielefans kennen den Charakter bereits seit zehn Jahren. Damals erschien der Egoshooter „Borderlands 2″, und als eine unter vielen im Ensemble der bunten Sci-Fi-Comic-Geschichte trat eine 13-Jährige mit schriller Stimme und einer Vorliebe für Explosionen auf. Die „Borderlands“-Serie war über ein Jahrzehnt mit einer einfachen Spielidee erfolgreich: die Beutejagd klassischer Rollenspiele in einen Egoshooter verpflanzen. Besonders im Koop-Modus mit Freunden ergab das ein albernes, aber sehr kurzweiliges Vergnügen.

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Nach Fortsetzungen, Erweiterungen und Spin-offs ist die „Borderlands“-Serie inzwischen ganz schön ausgeleiert. Da wirkt es wie ein origineller Griff, eine Fortsetzung in die Fantasiewelt eines überdrehten Teenagers zu verpflanzen. Das funktionierte schon bei einer kleineren Zusatzgeschichte gut. Und jetzt funktioniert es ein ganzes Spiel lang. Die größte Überraschung: wie wenig sich ändern muss.

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Altes Spiel, neuer Geschmack

„Tiny Tina‘s Wonderlands“ ist ein Egoshooter, trotz Fantasy. Grundsätzlich besitzen die Heldinnen und Helden verschiedene Charakterklassen, Fähigkeiten, Schwerter oder Äxte und Zaubersprüche. Aber gekämpft wird vor allem mit Schusswaffen, die bis auf ein paar Oberflächlichkeiten auch so aussehen – mit Zielfernrohr, Munition und Magazin. Und die Waffen steuern sich auch sehr genau so wie in den bisherigen „Borderlands“-Spielen. Tina macht selbst einen Spruch darüber, dass das eigentlich nicht ins Setting passt.

Es fühlt sich beim Spielen an wie ein gut gemachter Taschenspielertrick: neu wirken, ohne wirklich neu zu sein. Das Setting bietet viel Platz für Überraschungen. Die Spielwelt ist nicht offen, sondern in Level unterteilt. Dazwischen bewegt sich die eigene Spielfigur wie über einen Spieltisch. So hat das Abenteuer wenige Leerstellen und kann wilde Stimmungswechsel dicht nebeneinander platzieren.

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Sobald aber die Knarre im Anschlag ist und Skelette oder Goblins heranstürmen, fühlt sich „Tiny Tina‘s Wonderlands“ ziemlich genau so an, wie „Borderlands“. Die Stärken und Schwächen der Serie treffen auch auf dieses Spiel zu. Spaß macht vor allem die Jagd nach immer neuen Waffen mit wilden und verrückten Effekten. Gegner sind nicht besonders intelligent, dafür sehr zahlreich.

Das Zweihorn regiert als Königin und trägt den majestätischen Namen „Arschgaul“.

Das Zweihorn regiert als Königin und trägt den majestätischen Namen „Arschgaul“.

Die düstere Wahrheit

Die Shooter der „Borderlands“-Serie erzählen eigentlich von einer kargen Zukunft auf lebensfeindlichen Planeten, in denen Glücksritter auf der Suche nach Schätzen alles über den Haufen schießen. Die Geschichte wird eher im Hintergrund über das nebenher laufende Gequatsche der verschiedenen Charaktere erzählt. Im Herzen geht es in den „Borderlands“-Spielen darum, von einem Missionsmarker zum nächsten zu laufen und dort wellenweise hereinbrechendes Kanonenfutter umzunieten. Die Spielidee ist bewusst simpel und an der Grenze zur Parodie inszeniert. So etwas spielen Menschen gemeinsam im Freundeskreis, um abzuschalten, oder allein, während nebenbei ein Podcast läuft.

Wahrscheinlich gibt es auch Menschen, die nebenbei nichts anderes hören, weil sie die zahllosen Sprüche der Charaktere witzig finden. Aber auch wenn Tiny-Tina-Sprecherin Ashley Burch wieder in ihrer Paraderolle aufgeht, und wenn sie im Original von Stars wie Will Arnett, Wanda Sykes und Andy Samberg unterstützt wird, zünden viele Gags einfach nicht. Die saubere deutsche Übersetzung macht es nicht besser oder schlechter. Das Spiel hat durchaus witzige Ideen, aber der Klamauk läuft praktisch pausenlos durch – und längst nicht jede Pointe sitzt. Das kann ermüdend werden.

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Mit Freunden auf den Rummel

Wer nicht zuhört, wird aber auch nicht bestraft. Der Dialog zwischen den Charakteren enthält selten wichtige Infos. In aller Regel wartet die nächste Gegnerwelle am gut sichtbaren Missionsmarker. Aus besiegten Gegnern sprudeln bunt Waffen und Ausrüstungsgegenstände hervor, wie einst im Action-Rollenspiel „Diablo“. Damit ändern sich auch laufend die Fähigkeiten der Charaktere, und das macht Spaß. Nervigerweise sind die Taschen praktisch immer zu klein; das Sortieren kann unübersichtlich werden.

Letztendlich sind die neuen Zaubersprüche, Fähigkeiten und Waffen aber auch eine gute Motivation. Sie winken immer als Belohnung und machen das Geballer gleichzeitig abwechslungsreich. Eher nebenbei laufen die Rollenspielelemente. Die Heldin oder der Held kann frei gestaltet werden, es gibt auch Charakterklassen, aber das Spiel fühlt sich dadurch nicht so drastisch verschieden an wie andere Rollenspiele. Ballern müssen am Ende alle.

Viel gibt es an diesem Rummelbesuch mit Schießbude nicht zu mäkeln. Andere Spiele mögen ambitionierter sein, dieses hier will einfach Spaß machen. Vor allem mit Freunden wird das Vergnügen reichlich geliefert. Dank Crossplay dürfen die Freunde sogar vor verschiedenen Spielekisten sitzen – PC, Playstation und Xbox spielen in „Tiny Tina‘s Wonderlands“ zusammen.

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