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Rivian – ein futuristischer Truck lädt zum Camping mit Captain Kirk

Elektrische Wuchtbrumme: Das drei Tonnen schwere Topmodell absolviert den Spurt von null auf 100 km/h in 3,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 200 km/h angegeben.

Elektrische Wuchtbrumme: Das drei Tonnen schwere Topmodell absolviert den Spurt von null auf 100 km/h in 3,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 200 km/h angegeben.

Die Amerikaner und das Abenteuer – das ist eine unendliche Geschichte. Und sie ist ohne fahrbaren Untersatz kaum denkbar. Denn schon die Siedler brauchten ihren Planwagen, um den Wilden Westen urbar zu machen. Und wer heute was auf sich hält in Kalifornien, Colorado oder Oregon, der fährt mit dem Pritschenwagen in die Pampa, um von dort aus die Wüste zu durchwandern, die Berge zu erklimmen oder die Wälder zu durchstreifen. Und wenn er das auch noch in Zukunft so machen will, fährt er dabei wahrscheinlich einen Rivian. Oder zählt zumindest zu den mehr als 70.000 Vorbestellern.

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Denn noch vor Tesla hat das in Kalifornien registrierte Start-up vor ein paar Monaten den ersten elektrischen Lademeister in den Handel gebracht und damit den wohl archaischsten Autotypus des Marktes fit gemacht für die Zukunft in Zeiten des Klimawandels. In der Theorie und wenn 2024 das Basismodell kommt, wird es den R1T bereits ab 67.500 Dollar geben. Wer jetzt schon damit rumfährt, hat mindestens 85.000 Dollar bezahlt. Und wer im Webshop alle Kreuzchen macht, kommt auch auf sechsstellige Summen.

Seine Kraft macht einen Sprint im Porsche zum Spaziergang

Für einen Pick-up mag der Rivian teuer sein. Denn auch wenn es bei den konventionellen Konkurrenten genügend Ausreißer gibt, die an die 100.000 Dollar kosten, beginnen die Preise für Ford F-150, Ram 1500 und Chevrolet Silverado sonst schon um die 30.000 Dollar. Doch für ein E-Auto ist er ein Schnäppchen – zumindest für eines, das in dieser Liga spielt. Denn der Rivian hat nicht nur größere Akkus als ein Porsche Taycan, sondern auch mehr Leistung. Und selbst wenn die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h limitiert ist, was schon mehr ist als bei den allermeisten Pick-ups alter Schule, beschleunigt er dabei auch noch besser als die meisten Tiefflieger aus Stuttgart: Von null auf 100 km/h in kaum mehr als drei Sekunden, und das in einem Koloss von drei Tonnen, knapp zwei Meter über dem Boden – da fühlt sich der Kick-down an wie ein Katapultstart auf einem Flugzeugträger und jeder Sprint im Porsche dagegen wie ein Spaziergang.

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Statt zwei hat der R1T vier Motoren, deren Leistung sich auf rund 835 PS summiert und deren kollektive Drehmomentkurve ihr Maximum jenseits von 1.200 Nm erreicht. Und auch der Akku ist weitgehend konkurrenzlos: Die ersten Exemplare werden mit einer 135 kWh-Batterie ausgeliefert und kommen in der offiziellen Norm auf eine Reichweite von 505 Kilometern. Und später soll es sogar eine Version mit 180 kWh und einem Aktionsradius von mehr als 600 Kilometern geben. Selbst das ebenfalls erst später lieferbare Einstiegsmodell kann noch imponieren. Mit dann nur noch jeweils einem Motor pro Achse hat es noch immer über 600 PS und mit 105 kWh bietet auch der kleinste Akku so viel Energie wie das Topmodell etwa des Mercedes EQS.

Aufgeräumter Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Die Kabine will mit großen kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit als Maschinenraum sein.

Aufgeräumter Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Die Kabine will mit großen kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit als Maschinenraum sein.

Man thront über den Dingen

Zwar genügt ein Kickdown, um das Weltbild jedes Porsche-Fahrenden ins Wanken zu bringen. Doch ist das nicht das Wesen dieses Pick-ups. Wie jeder Truck ist auch der Rivian von der gelassenen Sorte, man thront über den Dingen und schwimmt gelassen durch den Verkehr und erlebt dabei einen Komfort, wie es den in klassischen Pick-ups so selten gegeben hat. Die leise und mühelose Beschleunigung und die Luftfederung machen ihn zur Limousine unter den Lastenträgern, und dass er sich nicht gegen jede enge Kurve sperrt, keine Kardanwelle knirscht und sich keine Achsen verschränken, lässt den Koloss fast so handlich wirken wie einen Kleinwagen.

Aber der Rivian fährt nicht nur ganz anders als die üblichen Pick-ups, die ihre oft nicht minder imponierenden Kräfte gerne mit dem Nachdruck einer Dampframme in Szene setzen und dabei so leicht zu kontrollieren sind wie eine Herde Büffel in Panik. Er sieht auch ganz anders aus: Wo traditionelle Bestseller wie der Toyota Tundra oder der Ford F-150 – bis auf das neue elektrische Modell Lightning – Orgien in Chrom feiern und so unverhohlen die Muskeln spielen lassen wie die Bodybuilder am Venice Beach, wirkt der Rivian mit seiner schnörkellosen Silhouette, den glatten Flächen und den spektakulären LED-Scheinwerfern wie ein Ufo beim Landgang. iPod statt Panzer lautet die Devise und wenn der R1T durch die Wildnis pflügt, gewinnt man den Eindruck, Captain Kirk mache Camping. Dazu passt auch die Kabine, die mit großen kahlen Flächen und noch größeren Bildschirmen eher Cockpit sein will als Maschinenraum.

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Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft

Auch wenn der Rivian für seine Liga ein Schnäppchen ist und er bei Nutz- oder Anhängelast locker mit den klassischen Konkurrenten mithält, von den Offroadfähigkeiten seiner vier Geländeprogramme und seiner XXL-Bodenfreiheit auf Knopfdruck ganz zu schweigen, taugt er mit diesem Set-up natürlich nicht als klassischer Firmenwagen für Farmer, Rinderzüchter und Bauunternehmer. Deshalb positioniert ihn Rivian auch nicht als „Workhorse“, sondern als Spielzeug für die klimabesorgte Freizeitgesellschaft und preist den Pick-up als ersten voll elektrischen Adventure-Truck.

Die Website sieht deshalb aus wie ein Outdoorportal, selbst die Mitarbeiterportraits sind eher am Strand oder im Schnee fotografiert als am Schreibtisch und natürlich gibt es für den Rivian allerlei Outdoorzubehör: Von der ausziehbaren Campingküche im praktischen „Gear Tunnel“ – jenem durchgehenden Staufach zwischen Kabine und Pritsche, das erst möglich wird, weil der Rivian eben keinen Tank mehr hat und keine Kardanwelle, über das Hauszelt auf der Pritsche bis hin zum Kleiderschrank im Frunk, der schon allein größer ist als der Kofferraum der meisten Kleinwagen.

Für den Rivian gibt es allerlei Outdoorzubehör, das ihn sogar zum mobilen Wohnsitz macht.

Für den Rivian gibt es allerlei Outdoorzubehör, das ihn sogar zum mobilen Wohnsitz macht.

Zwar wissen sie auch bei Rivian, dass es bis zur Elektrifizierung der Farmer und Förster im dünn besiedelten mittleren Westen noch weit ist und nehmen das Land deshalb erst einmal von den Küsten aus in die Zange. Doch dass der Rivian keine Angst vor der Pampa hat und die Infrastruktur dort weiter ist als gedacht, haben sie im letzten Jahr mit einer spektakulären Rekordfahrt beweisen: Als erstes Elektroauto überhaupt hat der R1T den Trans Amerika Trail bewältigt und damit den gesamten Kontinent durchquert, ohne irgendwo eine Straße zu benutzen.

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RND/Benjamin Bessinger, SP-X

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