Geschenke von Eltern und Kindern

Bitte keine Schokolade! Worüber sich Lehrerinnen und Lehrer wirklich zu Weihnachten freuen

Lehrkräfte bekommen oft Geschenke – nicht alle sind passend oder angemessen.

Lehrkräfte bekommen oft Geschenke – nicht alle sind passend oder angemessen.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und bevor es in die Weihnachtsferien geht, fragen sich Eltern und Kinder: Was schenken wir der Klassenlehrerin, was dem Erzieher? Wir haben sechs Lehrerinnen und Lehrer sowie eine Erzieherin gefragt: Was wünscht ihr euch? Um ehrliche Antworten zu bekommen, haben wir die Namen geändert.

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„Die 140. Tasse brauche ich nicht“

Andrea Hertz, 37, Lehrerin an einer Förderschule:

Nicht alle Klassen und Eltern schenken etwas und das finde ich auch gar nicht schlimm. Aber es gibt auch Eltern, denen es wichtig ist. Ich selbst schenke als Mutter ja auch den Erzieherinnen meiner Tochter eine Kleinigkeit. In diesem Jahr werden es Kerzen und ein selbstgestanzter Geschenke-Anhänger.

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Als Lehrerin freue ich mich am allermeisten über persönliche Geschenke. Einmal habe ich einen Adventskalender mit 24 handgeschriebenen Sätzen bekommen. Da stand dann zum Beispiel „Du bist eine tolle Lehrerin, weil du mir beim Arbeiten hilfst.“ Oder: „Danke, dass du dir für uns immer so tolle Sachen überlegst.“ Das hat mich richtig gerührt, denn hier hat sich jemand Gedanken gemacht und Zeit investiert. Das finde ich tausend Mal besser als alles Gekaufte — zumal ich die 140. Tasse wirklich nicht brauche.

„Die Bilder landen nach einer gewissen Zeit im Müll“

Carola Bentsch, 42, Erzieherin:

Zu Weihnachten schenken Eltern gerne Kleinigkeiten wie Süßigkeiten. Leider meistens Merci, das ist nicht unbedingt meine Lieblingsschokolade. Aber die Geste zählt natürlich. Nur dürfen wir in der städtischen Kita das persönlich gar nicht annehmen - nicht einmal Kleinigkeiten. Die Eltern mussten sogar unterschreiben, dass sie uns aus Korruptionsgründen nichts schenken dürfen. Deswegen landen die Geschenke im Personalraum. Nervennahrung können wir schließlich täglich gebrauchen. Manchmal schreiben uns Eltern auch ein paar nette Worte. Das wird dann im Team vorgelesen und darüber freuen wir uns wirklich am allermeisten.

Kinder schenken mir oft auch etwas Gebasteltes oder ein Bild, auch darüber freue ich mich. Aber ich bin auch ehrlich: Nach einer gewissen Zeit landet es im Müll. Es wird auf Dauer sonst einfach zu viel.

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„Wir hatten einen guten Draht, trotzdem habe ich nichts bekommen“

Lena Hofmann, 39, Lehrerin an einem Gymnasium:

Ob und welche Geschenke es für mich gibt, hängt entschieden von dem Drive der Klassenpflegschaftsvorsitzenden ab. Zu meiner letzten Klasse hatte ich einen sehr guten Draht, trotzdem habe ich nichts geschenkt bekommen. Das enttäuscht mich dann schon. Zumal ich ja auch immer etwas für die Kinder mache: Edelsteine und Schokolade zu den Geburtstagen, an Weihnachten bastele ich oft etwas. Manchmal schreibe ich auch einen Gruß und ein paar Worte an jeden einzelnen Schüler.

Ich finde, kleine Geschenke tun den Schülern, tun mir und vor allem tun sie der Beziehung in der Schule gut. Man fühlt sich wertgeschätzt. Es ist eine Kleinigkeit, aber es zeigt: Ich hab an dich gedacht! Das ist doch nicht unwichtig?!

Darum freue ich mich auch am meisten über persönliche Geschenke. Der Bilderrahmen meiner letzten Klasse steht zum Beispiel immer noch in meinem Büro. Bei selbst gemachtem Essen, zum Beispiel Marmelade, bin ich allerdings etwas vorsichtig, das esse ich nicht. Richtig schwierig ist es, wenn das Geschenk zu teuer ist. Dann darf ich es nicht annehmen und das wäre mir furchtbar unangenehm, wenn ich es ablehnen müsste.

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„Der billige, goldene Teelichthalter war schrecklich“

Katja Klostermann, 40, Grundschullehrerin:

Während Corona ist das mit dem Schenken etwas untergegangen, aber das finde ich nicht so schlimm. Am meisten freue ich mich über die Dinge, die die Kinder basteln. Einmal habe ich von den Eltern einen Bastkorb bekommen mit Kaffee, Tee und einem Wichtelmädchen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Eher schrecklich war ein billiger goldener Teelichthalter, den ich bekommen habe, oder billiger Schmuck.

„Ich freue mich über Glückwünsche von Kindern, die nichts mit Weihnachten zu tun haben“

Felix Bachmann, 39, Realschullehrer:

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Die Schüler schenken uns gerne etwas Kleines, Materielles. Aber das ist relativ witzlos, denn laut Landesbeamtengesetz dürfen wir als Lehrkräfte nichts annehmen, was einen Geldwert hat. Der Richtwert dafür liegt hier bei einem Euro pro Kind. Damit ist selbst eine Tafel Schokolade eigentlich schon zu teuer. Deswegen wird an den Schulen immer offensiver kommuniziert, dass nichts geschenkt werden soll - eben um niemanden in Schwierigkeiten zu bringen.

Worüber ich mich aber wirklich sehr freue, sind Glückwünsche von Kindern und Familien, die kulturell und religiös eigentlich gar nichts mit Weihnachten zu tun haben. Man spricht ja immer viel über Integration und ich finde, solche Weihnachtswünsche zeigen eine Menge Respekt gegenüber den Deutschen und dem Christentum.

„Am meisten wünsche ich mir Wertschätzung für meine Arbeit“

Annika Müller, 43, Grundschullehrerin:

Die Kinder malen mir Bilder oder schreiben mir etwas und das ist wirklich das Allerbeste! Das hefte ich mir auch ab. Richtig gefreut habe ich mich auch über einen Schlüsselanhänger mit unserem Klassemaskottchen. Was ich gar nicht mag, sind Glitzerblumen oder Weihnachtssterne mit Glitzer. Oder Schokolade. Denn meistens ist es Schokolade, die ich nicht mag. Die gebe ich direkt weiter ins Lehrerzimmer.

Was überhaupt nicht sein muss, sind Geschenke, die viel Geld kosten. Eine Kollegin hat mal eine Handtasche geschenkt bekommen. Das finde ich absolut unangebracht.

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Was ich mir jedoch am meisten wünsche, ist Wertschätzung für meine Arbeit. Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich eine Karte von einer Familie bekommen, in der sie sich bedanken, wie gut ich mich um ihr Kind gekümmert habe. Ein Bild, eine Karte oder ein paar nette Worte an der Klassentür, das wünscht sich fast jede Lehrkraft.

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