Newsletter „LVZ Familie“

Bei schlechten Vorbildern hilft eine gute Ausbildung langfristig zu wenig

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

erst heute früh konnte ich wieder einmal Zeugin davon werden, welche Rolle Nachahmung in der Erziehung spielt. Und nein, ich rede jetzt nicht davon, wie toll meine Tochter Bitte und Danke sagt und mit anderen teilt, wie wichtig es ihr ist, beim Tisch decken, Spülmaschine ausräumen und Wäsche aufhängen zu helfen. Nein, es war vielmehr ein Wutanfall, der mir zeigte: Wenn es um meine eigene Vorbildfunktion geht, ist noch Luft nach oben.

Und jetzt – Achtung – ein kleiner Schlenker, wie er nicht nur Fahranfängern auf zwei Rädern passiert. In Sachsen war im vergangenen Jahr jeder siebte verunglückte Radfahrer unter 18 Jahren. Um die Sicherheit zu erhöhen, soll es künftig in den Schulen ein Verkehrstraining auch für ältere Schülerinnen und Schüler geben. Spannendes Thema, das mein Kollege Andreas Debski in seinem Artikel „Hohe Unfallzahlen: Rad-Unterricht für ältere Schüler soll in Sachsens Lehrpläne“ für Sie aufgeschrieben hat. Sicherlich keine schlechte Idee, denn viele Kinder können nicht Fahrrad fahren, wie erst kürzlich bei einem Fahrradparcours – einer Kooperation zwischen LVZ und der Ralf-Rangnick-Stiftung mit ihrem Projekt „Sattelfest“ – festgestellt wurde.

Andreas Nowak, CDU-Landtagsabgeordneter und Präsident der Landesverkehrswacht, sieht Nachholbedarf aufgrund der Corona-Pandemie, während derer Ausbildungsstunden ausgefallen sind. Gut, dass er noch einmal darauf aufmerksam macht, denn: Bereits Ende 2019 hatten sich CDU, Grüne und SPD im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Verkehrserziehung auf weiterführende Schulen auszudehnen. Bis heute gibt es allein ein Pilotprojekt am Gymnasium in Taucha, in Dresden ist ein weiteres geplant. Auch hier also noch Luft nach oben.

Nehmen wir mal an, die Radfahrausbildung wird auf absehbare Sicht an weiterführenden Schulen fester Bestandteil des Lehrplans. Dann könnte das langfristig gesehen im besten Fall dazu führen, dass die von Radfahrerinnen und Radfahrern verursachten Unfälle mit Personenschaden (in den vergangenen zehn Jahren um 16 Prozent gestiegen) abnehmen. Davon wurde übrigens jeder sechste Zusammenstoß von unter 18-Jährigen verschuldet. Heißt aber auch: Die übrigen fünf wurden von Älteren verursacht. Und genau hier möchte ich zurückkommen auf das Thema Nachahmung.

Welchen Erfolg werde ich wohl haben, wenn ich meinem Kind sage, es solle einen Helm tragen, das selbst aber nicht tue? Richtig, gar keinen. Kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich selbst habe als Kind den Helm ziemlich genau bis zur nächsten Straßenecke getragen, wenn ich etwa allein zur Schule gefahren bin. Heute würde ich damit nicht durchkommen. Meine Tochter weist gnadenlos auf jeden hin, der keinen Helm trägt.

Wie zielführend wird dieser Rad-Unterricht also sein, wenn er sich nur allzu oft nicht mit dem deckt, was Kinder im Alltag erleben? Hm? Genau. Jeden Tag laufen und fahren Verkehrsteilnehmer über rote Ampeln, zu eng aneinander vorbei, begegnen sich offen aggressiv. Ob da nun Kinder zuschauen oder beteiligt sind oder nicht. Von Vorbildfunktion keine Spur. Das ärgert mich als Mutter. Vor allem, da viele Kinder heute noch früher zu aktiven Verkehrsteilnehmern werden und sich all das abschauen. Die Quittung kriegen sie, ist schließlich am einfachsten, in Form von verlängertem Rad-Unterricht. Nicht falsch verstehen: Ich finde das an sich gut.

Was ich aber auch gut fände, wäre verbindlicher Unterricht oder ein Kurs für erwachsene Radfahrer. Oder umfangreichere Kontrollen inklusive Konsequenzen bei Fehlverhalten. Vielleicht würde das endlich zu Einsicht oder zumindest größerer Rücksichtnahme führen und an unsere gesellschaftliche Verantwortung erinnern. Zu hart? Mitnichten. Wenn das letztlich auch nur einen Unfall verhindert, hat es sich schon gelohnt.

„Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige.“

Albert Schweitzer

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine stets sichere Fahrt!

Ihre Patricia Liebling

Redakteurin LVZ Familie

Nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich immer an die Regeln. Verkehrserziehung auch an weiterführenden Schulen soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

Nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich immer an die Regeln. Verkehrserziehung auch an weiterführenden Schulen soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.

 

Wochenend-Tipps

100 Jahre Bruno-Plache-Stadion – das will gefeiert werden. Kinderland, Hüpfburg, LVZ-Fotobox, XXL-Fußball-Dart, Tombola, Live-Graffiti, Strohballen-Land und Stadionführungen lassen keine Zweifel aufkommen: Lok Leipzig begeht das Jubiläum mit einem großen Familienfest. Die American Footballer der Leipzig Kings werden vor Ort sein, ebenso die Freiwillige Feuerwehr Süd. Gegen Mittag stellt sich die neue Mannschaft vor, Autogrammstunde inklusive. Um 14 Uhr spielt die Ü35 gegen den FC Magdeburg, 16 Uhr die zweite Mannschaft gegen die SV Zöschen. Ab 18 Uhr sorgt Ex-Lok-Spieler Alexander Langer an den DJ Decks für den passenden Sound. Eine Lasershow, organisiert vom Kleingartenverein Probstheida, der ebenso sein 100-jähriges Bestehen feiert, bildet ab etwa 21.30 Uhr das Finale der Jubiläumsfeier. Das Ganze steigt am Samstag von 11 bis 22 Uhr. Eintritt frei.

Lok Leipzig feiert am Samstag 100 Jahre Bruno-Plache-Stadion.

Lok Leipzig feiert am Samstag 100 Jahre Bruno-Plache-Stadion.

Weitere Tipps:

  • Ein magischer Workshop? Sowas gibt es tatsächlich. Zum Beispiel im Naturkundemuseum. Wer sich also schon immer mal gefragt hat, wie eine Schulstunde in Hogwarts abläuft, mithilfe eines Zauberstabs etwas schweben lassen oder einen Zaubertrank brauen möchte, ist hier am Freitag um 15 Uhr genau richtig. Gemeinsam mit den Veranstaltern begeben sich die Teilnehmenden auf Spurensuche nach Tierwesen und finden in spannenden Experimenten genau die richtigen Zutaten für einen Zaubertrank. Was am Ende aus dem Zauberkessel kommt, darf mit nach Hause genommen werden. Das Angebot dauert etwa eineinhalb Stunden und richtet sich an Kinder ab 9 Jahren, die gerne auch verkleidet kommen dürfen. Kosten: 2 Euro mit, 4 Euro ohne Ferienpass.
  • Mädchen und Frauen auf die Skateboards: Das Conne Island bittet auf den hauseigenen Skatepark. Der zweitägige Flying Wheels Skateworkshop findet Samstag und Sonntag jeweils von 12 bis 14 Uhr statt und richtet sich an die Altersgruppe zwischen 12 und 27 Jahren. Mit Unterstützung ausgebildeter Workshopleiterinnen können sowohl Anfängerinnen als auch fortgeschrittene Skaterinnen den Conne Island Skatepark entdecken und ihre Skills ausbauen. Der Workshop ist kostenfrei. Skateboards, Helme und Schützer werden gestellt. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.
  • Vom 4. bis 7. August heißt es wieder: raus in den Clara-Zetkin-Park, ab auf die Lesewiese und vier Tage Spaß rund um Bücher und Geschichten. Das Vorlesefest „Leselust im August“ des Vereins Leselust Leipzig verspricht ein täglich wechselndes Programm von 10 bis 18 Uhr und kostenfrei! Zu hören sein werden am Wochenende unter anderem: Schauspieler und Comedian Larsen Sechert (Freitag, 15 Uhr), Clown Gerno Knall vom Knalltheater (Samstag, 10 Uhr), Sisu Thiel vom Kinderbuchladen Serifee (Sonntag, 10 Uhr). Außerdem geplant sind ein Bastel-Workshop mit dem Kinder-Atelier-Schleußig (Samstag, 14 Uhr), Mitmach-Zirkus mit Zirkomania (Samstag, 14.30 Uhr) und Yoga für Kinder und Eltern (Sonntag, 16 Uhr). Das komplette Programm gibt‘s hier.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende finden Sie hier.

 

Buch-Tipp

Cover des Buches „Gute Nacht Yoga“, erschienen im Riva Verlag

Cover des Buches „Gute Nacht Yoga“, erschienen im Riva Verlag

„Einschlafgeschichte für kleine Yogis“ von Mariam Gates (Autorin) und Sarah Jane Hinder (Illustratorin): Ach, eigentlich würde ich auch gerne manchmal in den Kindergarten gehen, statt ins Büro. Dabei ist der Tag dort für die Kleinen auch nicht immer nur entspannt, voller Harmonie und Spaß. Auch sie sind an manchen Tagen aufgewühlt, gestresst, erschöpft von der Kita. Spätestens, wenn es ans Schlafen geht, merkt man das. Zur Ruhe kommen – keine Chance. Mariam Gates „Einschlafgeschichte für kleine Yogis“ kann hier eine gute Brücke bauen. „Gute Nacht Yoga“ unterstützt Kinder ab etwa 4 Jahren und ihre Eltern dabei, gemeinsam den Tag abzuschließen. Eingebettet in die liebevoll illustrierte Erzählung, wie sich Sonne, Mond, Marienkäfer und Schmetterlinge auf die Nacht vorbereiten, sind einfache Yogahaltungen, die spielerisch Körper und Geist entspannen und Kindern dabei helfen, den Tag hinter sich zu lassen und ruhig zu schlafen. Bei uns zählt das Buch seit einiger Zeit zum festen Abendritual. Die Übungen sind allesamt leicht zu verstehen. Manche von ihnen erfordern ein wenig Hilfestellung – eine schöne Gelegenheit, gegenseitige Unterstützung zu demonstrieren. Das bewusste Atmen lässt kleine Schnatterschnuten schweigen und macht den Weg frei für ausgiebiges Gähnen. Garantiert.

Von Patricia Liebling

 

Lesetipps für Familien

 

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