Newsletter „LVZ Familie“

Das Smartphone - Einfallstor für Sucht und Gefahr?

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

so, Hand hoch: Bei wem hat der Weihnachtsmann ein Smartphone für die Kinder aus dem Sack gezogen? Es werden einige gewesen sein, denn am Thema Handy kommen Eltern nicht vorbei – und das immer zeitiger. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass schon Kleinkinder das Krabbeln und Greifen vor allem lernen, um schneller an das Smartphone ihrer Eltern zu kommen.

Diese Eltern-Generation der Mittdreißiger und Um-die-Vierziger müsste in Sachen Digitales eigentlich über Expertenwissen verfügen, immerhin haben wir als Pioniere der Millennials die komplette Entwicklung des Internets miterlebt. AOL-Messenger, ICQ, Myspace, StudiVZ, Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, Snapchat, zuletzt Clubhouse – kamen, gingen, kamen in anderer Form wieder und blieben. Wir haben das „krkrkrk beeeeeeeep ding ding krrrrrr“ des 56k-Modems noch im Ohr und den viel gebrüllten Satz: „Geh aus dem Internet raus, ich muss telefonieren!“

Dennoch tauchen heute bei Bildschirmzeit, Auswahl der Apps oder Regeln für den Medienkonsum immer wieder Fragezeichen auf. Nicht nur Fragen, auch Ängste und Sorgen treiben uns um, wenn das Kind plötzlich in der großen bösen digitalen Welt verschwindet. Wir lernen eben nicht automatisch, wie Apps und Spiele funktionieren und wo genau die Stolperfallen liegen – auch unsere Kinder nicht.

Medienexpertin Patricia Cammarata findet, dass zwischen immer neuen Herausforderungen und Horrorszenarien eine Überforderung fast vorprogrammiert sei. Einfache Lösungen, die für alle Kinder funktionieren, gebe es nicht. Aber es gibt Lösungen:

Am besten ist es, wenn Eltern Lernbegleiter werden. Man muss nicht alles wissen, aber man kann sich schlau machen und vor allem man kann sich von den eigenen Kindern erzählen lassen, was sie machen (wollen), warum sie das interessant finden, was ihnen daran gefällt und was sie vielleicht auch verwundert oder befremdlich finden. Gerade im Grundschulalter sind Kinder sehr mitteilsam. Sie wollen ihre Welt teilen. Dieses Angebot sollten wir Eltern annehmen und dann tasten wir uns nach und nach an die Themen ran.

Patricia Cammarata

Gemeinsam rein ins Digitale, Schritt für Schritt? Das klingt doch irgendwie machbar – und viele werden das wohl auch so machen. Unterm Strich wird sich jeder mal intensiver mit dem eigenen Handyverhalten und dem der Kids, mit Funktionen und Fallstricken von aktuellen Apps, Spielen und Socials sowie mit Möglichkeiten und Risiken bei der Mediennutzung beschäftigen müssen. Ja, auch mit Tiktok. Oh Gott, oh Gott.

Aber hey, hier die gute Nachricht: Sie müssen sich da nicht alleine durchscrollen, es gibt Unterstützung. Die Nachrichtenwerkstatt, zum Beispiel, bietet in unserer Region eine kostenfreie Selbsthilfegruppe für (Groß-)Eltern zu den Herausforderungen der digitalen Welt im Familienalltag an – hier können sich Eltern und Großeltern austauschen und Lösungen für den Medienkonsum finden, die für ihre eigene Familie funktionieren. Auch bei unserem heutigen Buch-Tipp dreht sich alles um Medienkompetenz und Kinder.

Na, dann viel Vergnügen bei der nächsten TikTok-Challenge für die ganze Familie – das kann sehr lustig sein! Was man außerhalb des Screens noch Lustiges erleben kann, haben wir wie immer in den Wochenend-Tipps für Sie zusammengestellt.

Herzlichst

Ihre Juliane Groh

Redakteurin

Ein Mann und ein kleines Mädchen machen ein Selfie mit dem Handy. Das Mädchen zeigt Hasenohren über dem Kopf des Vaters.

Gemeinsam ist alles schöner – auch Selfies mit dem Smartphone, die einfach zum Familienalltag gehören.

 

Wochenend-Tipps

Was ist im Leben wirklich wichtig und was bereitet uns an grauen Tagen Freude? Die Antworten darauf bekommen Familien am Sonntag im Werk 2. Das Tanztheater „Die Dichtermaus oder Wer kann schon Farben fangen?“ für Kinder ab 4 Jahren erzählt die Geschichte einer Mäusefamilie, die Vorräte für den Winter hortet. Nur Frederick hilft scheinbar nicht mit. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, Träume und Hoffnungen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, kann nur Frederick helfen. Mit seinen Worten und Bildern spendet er Wärme und Wohligkeit. Unbezahlbar und doch ebenso erarbeitet. Das Kinderlieder- und Familienkonzert mit zwei Tänzerinnen und einem Musiker beginnt um 16 Uhr. Tickets gibt‘s hier.

  • Auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei leben und arbeiten mehr als 100 professionelle Künstler. Namhafte Galerien sowie die gemeinnützige Halle 14 präsentieren Kunst aus Leipzig und aller Welt. Die Spinnerei lädt für Samstag von 11 bis 20 Uhr zum Winterrundgang durch ihre Galerien und Künstlerateliers ein. Die ideale Gelegenheit, neue Ausstellungen zu erkunden und um Kinder und Jugendliche an Kunst und Kunstschaffende heranzuführen. Eintritt frei.
  • Das Bach-Museum Leipzig lädt für Sonntag zu einem Kreativ-Angebot für die ganze Familie ein. „Rhythmen mit Bach“ beginnt um 11 Uhr. Das Angebot ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende gibt es hier.

Familie

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Buch-Tipp

Ein hellblaues Buch, oben steht Patricia Cammarata in einem dunkleren Blauton, darunter der Buchtitel, darunter turnt ein Comicjunge mit Fernbedienung in der Hand zwischen Fernseher, Tablet und Controller

„Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss!“: Patricia Cammarata (Autorin), Katja Berlin (Illustrationen): Umso älter ein Kind wird, umso mehr wird die Mediennutzung zum Thema. Egal, wie digital- und medienkompetent wir Eltern uns selber einschätzen, sobald unsere Kinder ins Spiel kommen, treten Unsicherheiten und Fragen auf: Ab wann gibt`s ein Handy? Darf das Kind allein ins Internet? Sind soziale Netzwerke in Ordnung? Wieviel Zeit darf oder sollte ein Kind Zeit mit Handy, Computer und Co. verbringen? Und lauern in diesem Internet nicht auch zahlreiche reale Gefahren? Die Autorin Patricia Cammarata gibt mit „Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss!“ Eltern und Großeltern einen wunderbaren, fundierten und unaufgeregten Ratgeber zum Umgang mit Medien und Kindern an die Hand. Sie erklärt mit viel Empathie und Humor, worauf Eltern achten sollten und schon früh im Buch wird deutlich, so schlimm ist das alles gar nicht – wenn man sich ein bisschen mit dem Thema und mit dem eigenen Kind befasst. Durch die vielen Erläuterungen und Hinweise nimmt Patricia Cammarata Ängste, klärt auf ohne erhobenen Zeigefinger und bietet zahlreiche Impulse, wie Eltern gemeinsam mit ihren Kindern verschiedene Medien nutzen und entdecken können. Schließlich bietet das Internet auch viele tolle Möglichkeiten. So lernen auch die Eltern dazu und verlieren nicht den Anschluss an ihr Kind. Im Buch geht sie auf verschiedene Altersgruppen ein, erklärt rechtliche Grundlagen ebenso wie den Umgang mit Mobbing, Datenschutz, tatsächlich kinder- und jugendgefährdenden Inhalten und Menschen. Dabei gibt sie keine grundlegenden Anweisungen oder stellt allgemeingültige Regeln auf, sondern animiert dazu, die jeweilige Situation einzuschätzen und entsprechend zu agieren. Wer gern einfache Antworten möchte, könnte nun meinen, mit diesem Buch nicht glücklich zu werden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wer einfache Antworten möchte, wird nach der Lektüre von „Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss!“ gelernt haben, dass es diese nicht gibt und sie auch gar nicht nötig sind. Dafür aber auch, dass es viel mehr Spaß macht, sich mit dem Thema Medienkompetenz und dem eigenen Kind zu befassen. So kommt man dann tatsächlich tiefenentspannt (mit Kindern) durch den Mediendschungel, wie es der Untertitel des Buches verspricht. Am Ende stehen ein Glossar für die erklärungsbedürftigen Fachbegriffe (sehr gut!) und ein Quellenregister, da Patricia Cammarata auch auf das Wissen diverser Experten und Institutionen zurückgreift. Das untermauert ihre Ausführungen noch einmal und wer mag, kann sich noch genauer in das eine oder andere Thema einlesen – dabei helfen auch diverse Links zu weiterführenden Websites. Das Buch ist mit über 300 Seiten sehr umfangreich, liest sich aber dank Patricia Cammaratas leichtem, teils sehr witzigen Schreibstil sehr flüssig. Die sehr gute Gliederung macht es zudem möglich, in bestimmte Themen kurz einzutauchen und sich zu informieren, zum Beispiel, wenn TikTok gerade die neue Wunsch-App vom Kind ist. Die Illustratorin Katja Berlin (bekannt für ihre „Torten der Wahrheit“ in Die Zeit) hat Tortendiagramme beigesteuert, gewohnt irgendwo zwischen witzig und fast schmerzhaft, da leider wahr. „Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss!“ ist eine absolute Leseempfehlung zum Thema Medienkompetenz und Kinder.

Von Susanne Reinhardt

 

Schon gewusst?

Der neu gegründete Kurzgeschichtenwettbewerb Claras Preis unter der Schirmherrschaft von Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke wird 2023 erstmalig im ganzen Bundesgebiet ausgelobt. Der Wettbewerb richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, die Lust haben, selbst literarisch aktiv zu werden und ihre Ideen in einer Kurzgeschichte umzusetzen. Dabei sind alle Ideen und Genre erlaubt. Die Kurzgeschichten werden in zwei Altersgruppen prämiert: zwischen 13 und 15 sowie zwischen 16 und 17 Jahren. Die fünf besten Geschichten jeder Altersgruppe werden im Rahmen einer Preisverleihung im Juli 2023 geehrt. Die Preisträger*innen führen außerdem im Herbst 2023 einen gemeinsamen Workshop mit Cornelia Funke in der Toskana durch. Junge Künstler*innen fertigen zeitgleich Illustrationen zu den Geschichten an. Die illustrierten Erzählungen werden im Frühjahr 2024 veröffentlicht. Einsendeschluss ist der 01. März 2023. Weitere Informationen finden Interessierte hier.

 

Lese-Empfehlungen für Familien

 

Neues aus dem Familienleben

Kind ruft aus seinem Zimmer: „Mama, wie gut kannst du das 1x1?“ Denke, ziemlich gut. “Ok. Wir testen. Ich stoppe die Zeit“ Nennt Aufgabe. Ich löse. „Warte.“ Nennt Aufgabe. Ich löse. „Warte.“ Nennt Aufgabe. Kann es sein, dass ich gerade deine Hausaufgaben mache?? „Ääähmm..“

Abrakalaber - @abrakalaber, 9. Januar 2023

Hier geht‘s zum Tweet von @abrakalaber.

Moment des Tages: Wie der 5jährige seine 3jährige Freundin mit der Taschenlampe die zwei Häuser weiter bis zur Haustüre begleitet 🥰

Markus Geiger - @markusgtweets, 7. Januar 2023

Hier geht‘s zum Tweet von @markusgtweets.

Hier ist ein Besuchskind und es hat weiße Socken an. Fühle mich etwas unter Druck gesetzt 😂

Frau G. aus B. - @FrauGausB, 7. Januar 2023

Hier geht‘s zum Tweet von @FrauGausB.

Mit Kind3 beim Augenarzt. „Was ist das?“ Kind3: „Kreis.“ „Was ist das?“ Kind3: „Haus.“ „Was ist das?“ Kind3: „Apfel.“ „Was ist das?“ Kind3 flüstert zu mir: „Ich glaube, der sieht schlecht.“

Der Doppeldaumenmann - @doppeldaumen, 6. Januar 2023

Hier geht‘s zum Tweet von @doppeldaumen.

 

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