Newsletter „LVZ Familie“

Einen Prinzen heiraten? Für Kinder ist nichts unmöglich

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

noch während ich schwanger war, kaufte ich das erste Kuscheltier für meine Tochter. Recht „klassisch“ und spontan – beginnender Nestbautrieb? – entschied ich mich für einen kleinen braunen Teddybären. Mir war klar, dass ein Neugeborenes mit einem Kuscheltier noch nichts anfangen kann, aber irgendwie fand ich die Idee schön, dass mein Kind ab Geburt ein Kuscheltier haben würde. Sicher schwang damals auch etwas der sentimentale Gedanke mit, dass der kleine Bär für sie dieses eine, ganz besondere Kuscheltier werden würde, dass sie lange Zeit begleitet.

Kuscheltiere sind schließlich nicht nur wichtig zum Ankuscheln, beim Einschlafen oder als Tröster. Sie geben Kindern Sicherheit in unbekannten Situationen, helfen später als sogenannte Übergangsobjekte bei der Ablösung von den Eltern, sind Spielkameraden und Gesprächspartner.

Ich hatte zum Beispiel neben kleineren Kuscheltieren, wie meiner Ente „Schnatti“, die ich gern überall mit hin nahm, einen ziemlich großen Teddybären, also, gemessen an meiner damaligen Größe. Er gehörte vor mir bereits meinem Bruder, trug ein blaues Shirt und eine rote Cord-Latzhose. Wenn man ihn vor und zurück bewegte, gab er ein tiefes Brummen von sich. Was habe ich ihn geliebt! Und da ich als ganz kleines Mädchen Prinzessinnen super fand und die am Ende der Märchen immer ihre Prinzen heiraten, heiratete ich häufig meinen großen „Prinz Bär“. Wenn ich mal einen schlechten Tag hatte und sauer war, schimpfte ich manchmal aber auch ordentlich mit ihm. Dabei konnte der arme Kerl ja gar nichts dafür. „Prinz Bär“ nahm meine Wut langmütig hin und quittierte sie mit einem tiefen Brummen. Und dann war alles wieder gut.

Mit dem Kuscheltier werden viele gemeinsame Erfahrungen gemacht, Abenteuer erlebt, Spiele gespielt und schwere wie freudige Zeiten durchlebt. Gerade das freie Spielen ist sehr wichtig für die Entwicklung des Gehirns und die sozial-emotionalen Fähigkeiten.

Daniela Ehrenberg, Psychotherapeutin

Doch nur ein paar Jahre später verlieren Kuscheltiere – scheinbar – ihre elementare Bedeutung. Ziemlich genau dann, wenn Kinder in die Pubertät kommen. Auch meine Tochter sortierte bereits vor geraumer Zeit erst ihre Spielsachen aus und schließlich folgten ihre Kuscheltiere. Erst nur ein paar, die wichtigsten durften noch etwas bleiben. Inzwischen sind alle aus ihrem Zimmer verschwunden. Was für meine Tochter ganz selbstverständlich war, ließ mich erst mal tief durchatmen. Ein weiterer Entwicklungsschritt beim Erwachsenwerden, puh.

Natürlich haben wir die Kuscheltiere aufgehoben. Denn irgendwann geht es meiner Tochter vielleicht einmal wie mir und sie freut sich, dass das eine oder andere Kuscheltier noch da ist. Vielleicht, weil sie den kleinen braunen Teddybären irgendwann einmal an ihr eigenes Kind weitergeben möchte. Oder, weil sie in Erinnerungen an ihre Kindheit schwelgen möchte.

Warum Kuscheltiere für Kinder aber auch Erwachsene wichtige Bezugspersonen sein können, erklärt Psychotherapeutin Daniela Ehrenberg in diesem aufschlussreichen Gespräch mit meiner Kollegin Ann Kathrin Wucherpfennig.

Übrigens, „Prinz Bär“ lebt noch immer in meinem Elternhaus und wurde regelmäßig von allen Enkelkindern bespielt. „Schnatti“ hingegen zog mit mir aus, war einige Jahre Spielkameradin meiner Tochter und wohnt nun in einem Fach in meinem Kleiderschrank – zusammen mit dem ersten Teddy meiner Tochter.

Falls Sie sich nun an Ihre alten Kuscheltiere erinnern oder Ihnen Erlebnisse mit denen Ihrer Kinder einfallen, schreiben Sie mir gern davon unter familie@lvz.de. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre Erinnerungen mit mir teilen.

Herzlichst wie immer

Ihre Susanne Reinhardt

Redakteurin

Ein dicker brauner Teddybär sitzt auf einer braunen Holzbank

 

Wochenend-Tipps

Die Geschichte von Lilli und Camelii: Im Westflügel wird am Samstag um 17 Uhr und Sonntag um 15 Uhr „Die Blumengeschichte“ aufgeführt, ein Puppenspiel mit Erzähler, Musik und Gesang. Darum geht`s: Mitten in einer Blumenwiese, dort wo es am schönsten ist, so schön, dass es gar nicht schöner geht, leben zwei kleine Blumen: Lilli und Camelii. Es hat viele Vorteile klein zu sein, zum Beispiel den, dass jeder Tage voller Spiele und Freude ist. Aber alles, was zuerst klein ist, wächst und wird größer, da kann man gar nichts machen, das muss so sein. So wachsen auch Lilli und Camelii. Lilli wird so groß wie eben eine kleine Blume groß werden kann – und Camelii? Sie wächst und wächst und wächst. Zur Sonne will sie hinauf, sie wird eine der ganz Großen. So verlaufen die unterschiedlichen Wege der beiden kleinen Blumen, die vielleicht nie wieder zusammen finden, wenn …. ja, wenn da nicht eine Fee, von der wir gar nicht wissen, dass es sie gibt, auftauchen würde. Eine Geschichte darüber, dass, so verschieden ein jeder sein mag, man doch zu einem glücklichen Leben zusammenfinden kann. Karten zur Familienvorstellung (geeignet für Kinder ab 5 Jahren) gibt es online unter www.westfluegel.de.

Drei Musiker sitzen auf dem Boden in einer wiesenartigen Kulisse mit orangefarbener Sonne im Hintergrund. Hinter ihnen steht ein Mann mit einer orangefarbenen Gießkanne und tut so als würde er die Musiker gießen. Auf einem Podest daneben stehen zwei blumenartige Puppen.

Spielen, erzählen und musizieren „Die Blumengeschichte“: Christoph Bochdansky und Die Strottern.

„Bääätsch – Zunge raus!“ heißt es am Sonntag um 11 und 16 Uhr. Das Theater der jungen Welt widmet sich einem völlig zu Unrecht unterschätzten und versteckten Körperteil: der Zunge. Die Theatermacher befreien diesen wandelbaren Muskel von seinem schlechten Image und erforschen gemeinsam mit dem Publikum den Mundraum. Auf einer Entdeckungsreise durch Geschmacksknospen, Gaumen und Speichel gehen alle zusammen den Unglaublichkeiten der Zunge auf den Grund. Es wird geschleckt, geschmatzt und geschlabbert, was das Zeug hält. Schmatzgeräusche inklusive! Das Stück eignet sich für Kinder ab 4 Jahren. Tickets gibt es online beim TDJW.

Das Essen ist fertig: „Nimmersatt – was uns auf den Teller kommt“ ist die aktuelle Erlebnisausstellung im Unikatum Kindermuseum. Die Maskottchen der Ausstellung, Peter Siel und Zitronella, führen kleine und große Besucher und Besucherinnen durch die spannende Welt der Ernährung und gehen heißen Fragen unserer Zeit auf den Grund: Wie kommt unser Essen überhaupt auf unsere Teller? Was, wie und warum essen wir? Und was passiert mit den Resten? Warum hat unser Essverhalten Einfluss auf die Lebensbedingungen auf unserer Erde? Vom Supermarkt bis zum interaktiven Tisch laden verschiedene Stationen zum Mitmachen und Einbringen der eigenen Meinung ein. Im Garten des Museums warten Rätsel über Früchte und Pflanzen, von denen wir uns täglich ernähren. Geöffnet ist das Unikatum am Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Eintrittskarten kann man auf der Website des Kindermuseums erwerben.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende gibt es hier.

 

Buch-Tipp

Michael Stavarič, Piepmatz macht Wald aus Euch! Weltrettdings für Vorangeschrittene: Dieses Buch ist ein absolutes Haben-Muss, um es gleichmal im „Singsprech“ des Protagonisten zu sagen. Ein Eichelhäher, der liebevoll von Stella Dreis illustriert wurde, auf großer Mission. Und eben dieser Slang, der zwischen Jugendsprache und moderner Lyrik angesiedelt ist, macht das Lesen zum Erlebnis und den „Gescheckerten“ zu einem urkomischen Begleiter. Auch wenn es ein paar Seiten braucht, bis die Sprache des rosa Piepmatz in Fleisch und Blut übergeht. Sein Anliegen ist ein Ernstes. So erklärt er den „Aufrechtgestaltigen“ den Krieg. Denn sie zerstören die Natur. Überall Häuser, Straßen, Fernsehantennen. Statt Wald McDonalds, redet er sich in Rage. „Wälder weg, Tiere weg, Klima weg, Menschwesige weg“, zeichnet er das düstere Ende dieser Entwicklung. Das darf nicht sein und so greift der Eichelhäher zu drastischen Mitteln. Mit Supereicheln, die über Nacht zu Neuriesenbäumen heranwachsen, will er die ganze Welt bewalden. Und weil es schneller geht, werden die Eicheln nicht mühevoll verbuddelt, sondern einfach abgeworfen bis überall Bäume aus dem Boden schießen, deren Wurzeln und Äste jedweden Beton zerstören. Aber keine Bange, anständig wie er erzogen wurde, „schreibsprecht“ er uns Menschen, damit wir wichtiges Zeug noch aus den „Häuserkästen“ schieben können. Wir sollen dann einfach mit im Wald leben und dürfen dafür auch „krasswichtiges Menschenzeug“ mitnehmen, nur keine Autos. Die machen nämlich Lärm. Die Menschen würden schon recht bald Gefallen am neuen Riesenwald finden. „Fantastischgut zum Spielen. Voll total viel zu essen. Riecht gut. Speichert Wasserfälle. Speichert dieses Kohlendings. Macht sauber. Macht glücklich. Macht unhektisch.“ Behutsam führt der österreichisch-tschechische Schriftsteller Stavarič mit seinem kriegerischen Piepmatz Kinder ab sechs Jahren an Umwelt- und Klimathemen heran und zeigt, was die Menschheit verbockt hat und nun besser machen sollte. Ein schweres Thema, das durch wundervolle Illustrationen und Sprachgewalt, mit der es erzählt wird, auch Eltern zum Lachen, Wohlfühlen und Staunen einlädt. Zurecht hat die Jury der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur das bei Leykam verlegte Werk mit seinen 56 Seiten als Bilderbuch des Monats Oktober 2022 empfohlen.

Von Uta Zangemeister

 

Lese-Empfehlungen für Familien

 

Neues aus dem Familienleben

Kleinen Kindern Süßigkeiten vor die Nase zu halten und wieder wegzuziehen, bis sie ordentlich „Bitte“ sagen, ist keine Erziehung, sondern Dressur.

Oliver Dierssen - @KJPGehrden, 26. Oktober 2022

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Die Kinder haben das Kinderzimmer komplett aufgeräumt, sind schon bettfertig und sitzen seit 30 Minuten brav im Wohnzimmer und malen wunderschöne Bilder. Hab sie angestiftet den Mann gleich mit „guten Abend werter Herr Vater“ zu begrüßen, damit der sich genau so gruselt wie ich.

Buntauge - @YviBuntauge, 26. Oktober 2022

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Abendessen für Kinder: K1: 2 Scheiben Toast. Eine in 4 Stücke, eine in 2 geschnitten. Davon vier Sechstel getoastet. Mit Butter genau bis 3,75mm vorm Rand, aber nicht zu dick auftragen. K2: Klappt den Ofen auf und isst drei, vom Mittagessen übrige kalte Fischstäbchen im Stehen.

Frau Sommersprosse - @4Sprosse, 28. Oktober 2022

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K2 hat erstmal die Lehrerin gefragt, warum Religion ein Schulfach ist, wenn man gar nicht weiß, ob es Gott überhaupt gibt. Und warum es keine Fächer über Drachen, Hexen oder Einhörner gibt.

Claire Werk - @dieClaireWerk, 29. Oktober 2022

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