Newsletter „LVZ Familie“

Mama, kommen tote Menschen auf den Müll?

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

in wenigen Tagen ist Totensonntag. Für die einen der Startschuss ins weihnachtliche Dekorieren, für andere der Tag, an dem sie Verstorbenen gedenken. „Was passiert mit toten Menschen, kommen die auf den Müll?“, fragte mich kürzlich meine Tochter. Das Thema beschäftigt sie in letzter Zeit sehr. Vielleicht, weil sie sich Sorgen macht um unsere betagten Kaninchen. Vielleicht, weil sie kürzlich einen toten Igel am Straßenrand entdeckte. Vielleicht, weil in dem Kinderfilm, den wir vor einer Weile anschauten, ein Tier sein Herrchen nicht wiederfand. Es war vermutlich gestorben. Wie sie allerdings die Verbindung zog, dass tote Menschen im Müll landen – keine Ahnung. Ratgeber empfehlen: Nutzen Sie die Gelegenheit. Also gut, nutzen wir ihre Neugier.

Nach einem Moment der Irritation beantwortete ich ihre Frage möglichst nüchtern mit dem Hinweis auf ein Begräbnis. Da mir das allerdings noch zu abstrakt schien, bot ich ihr an, gemeinsam einen Friedhof zu besuchen. Für sie ein noch unbekannter Ort.

Gesagt, getan ging es vor einigen Tagen zum nächstgelegenen Friedhof. Statt vorauseilend dieses und jenes zu erklären, ließ ich ihr den Raum, ihre Gedanken zu ordnen, in aller Ruhe Fragen zu formulieren. Auch wieder so eine Experten-Empfehlung, die mir jedoch sinnvoll erschien. „Können wir jetzt einen Menschen ausgraben, um ihn anzuschauen?“ Na gut, mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet, aber ich beantworte sie. Wertfrei. Nüchtern. Verständnisvoll. „Liegt hier ein Riese? Schau mal, da hat jemand einen kleinen Stein auf den Grabstein gelegt. Liegen hier auch tote Tiere? Die Blumen gefallen mir nicht. Oh, ein Helm, liegt hier ein Ritter? Schau mal, die Windmühle ist schön. Da ist ein Kuscheltier in der Laterne. Wie kommt der Sarg ins ausgehobene Grab?…“

Während sich meine Tochter wissbegierig und voller Entdeckerdrang zwischen den Gräbern bewegte, wurde mir zunehmend das Herz schwer. Zwar liegen genau dort keine mir einst lieben Menschen, doch verabschieden musste ich mich durchaus schon von einigen Menschen. Dabei ist der Tod etwas ganz Natürliches, gehört zum Leben dazu wie alles andere auch. Einfach fällt es mir dennoch nicht, darüber zu sprechen. Vielleicht auch, weil unsere Gesellschaft es noch immer zu selten tut.

Ein Anfang ist gemacht, an einem Ort, der für das Ende steht.

Herzlichst

Ihre Patricia Liebling

PS: Um an dieser Stelle nicht ganz so schwermütig zu enden, möchte ich Ihnen ein kleines Update in Sachen Igelhaus geben. Sie erinnern sich vielleicht an unseren Newsletter „Ferienzeit ist Familienzeit“, in dem ich darüber schrieb. Es ist jemand eingezogen. Wir haben ihn – oder sie – zufällig entdeckt, als wir Futter rausstellten. Aber schauen Sie selbst:

Psst, schön leise sein!

LVZ-Redakteurin Patricia Liebling hat ein Igelhaus in den Garten gestellt. Seit Kurzem lebt dort ein kleiner Igel. In der Dämmerung geht er auf Nahrungssuche.

 

Wochenend-Tipps

Ukrainischer Salon Spezial: Eine Geschichte voller Ironie und schwarzem Humor über den letzten Menschen auf der Erde wird am Wochenende im Westflügel Leipzig erzählt. Das ukrainisch-polnische Theatre MarionBrand lässt einen kleinen Helden Abenteuer bestehen und seine eigenen Schwächen überwinden. Die Puppengeschichte „Auf der Suche nach einem Freund“ über die Suche nach dem Sinn des Daseins für Zuschauer und Zuschauerinnen ab 5 Jahren steht Samstag um 17 Uhr und Sonntag um 15 Uhr auf dem Spielplan. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten. Anmeldungen sind erwünscht per E-Mail an: service@westfluegel.de.

Das ukrainisch-polnische Theatre MarionBrand zeigt im Westflügel Leipzig die Puppengeschichte „Auf der Suche nach einem Freund“.

Das ukrainisch-polnische Theatre MarionBrand zeigt im Westflügel Leipzig die Puppengeschichte „Auf der Suche nach einem Freund“.

  • Vorlesen schafft Nähe, vergrößert den Wortschatz, steigert das Mitgefühl, fördert die Konzentration… Vor allem aber macht die gemeinsame Zeit, die man beim Vorlesen verbringt, mächtig Spaß. Am Freitag ist bundesweiter Vorlesetag. Auch in Leipzig gibt es einige Aktionen rund um das Lesen, Vorlesen und Zuhören. Zum Beispiel im Werk 2. Im neuen Media.Lab auf dem Gelände des soziokulturellen Zentrums gibt es bei Punsch und Gebäck mehrere Lesungen. Los geht‘s um 16 Uhr mit einer Lesung von „Einstein – Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit“ von Torben Kuhlmann für Kinder ab 8 Jahre. Um 17.30 Uhr folgt eine Lesung von „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ von Dita Zipfel für Kinder ab 11 Jahren. Beide Lesungen sind auf jeweils 45 Minuten ausgelegt. Zuletzt wird es um 19 Uhr satirische Geschichten aus Terry Pratchetts „Der falsche Bart des Weihnachtsmannes“ geben (Dauer: 60 Minuten). Eintritt frei.
  • Gelesen wird am Samstag auch in der Stadtbibliothek. Vorlesepatin Petra Paula Schwab vom Verein LeseLust Leipzig liest für Kinder ab 5 Jahren von Bücherfressern, Fliegenfreunden und anderen Helden von Cornelia Funke. Los geht‘s 11 Uhr. Die Lesung dauert etwa 30 Minuten.
  • Wie nachhaltig kann eine Oper sein? Was passiert mit den Requisiten, wenn die Oper nicht mehr aufgeführt wird? In monatelanger Arbeit sind Protestwerke entstanden, die die Entwicklung einer Oper dokumentieren, aber auch ästhetische Ausdrucksformen einer skeptischen und kritischen Generation von Heranwachsenden verkörpern. Hergestellt wurden diese Werke für das Open-Air-Spektakel „Future: Now!“ auf dem Leipziger Augustusplatz im Spätsommer dieses Jahres. Ab Freitag (bis 18. Dezember) werden die Arbeiten von 70 Heranwachsenden der Helmholtzschule in Zusammenarbeit mit der Oper Leipzig und dem Theater Titanick in der „Halle 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst“ in der Leipziger Baumwollspinnerei ausgestellt. Die Eröffnung der Ausstellung „Future: Yeah!“ ist für 16 Uhr geplant.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende gibt es hier.

 

Buch-Tipp

Kristien Aertssen: „Als Oma ein Vogel wurde“: Kindern die Themen Sterben, Abschiednehmen und den Neubeginn des Lebens nach dem Verlust eines lieben Menschen näherzubringen, ist eine schwere Aufgabe – helfen kann dabei dieses Buch, das warmherzig und liebevoll illustriert die Geschichte von Merles Großeltern erzählt. Wenn Merle ihren Opa und ihre Oma besucht, beobachten sie die Vögel im Kirschbaum vor dem Haus: Sie pfeifen mit ihnen, füttern sie und verbringen wunderbare Tage miteinander. Bis Merles Oma Madeleine immer schwächer wird und schließlich stirbt – mit dem Versprechen: Ich komme als Vogel wieder. Merles Opa ist untröstlich, erinnert sich aber an die Worte seiner Frau und findet schließlich mithilfe der Vögel zurück ins Leben. „Ich habe dich vermisst“, sagt Merle dann. Die Vögel als Symbol der Lebensfreude und der Hoffnung begleiten Merle und ihre Großeltern durch gute Zeiten, aber auch durch Krankheit, Tod und Trauer. Wenn die Großmutter aufhört, Vogellieder zu pfeifen und der Großvater nach ihrem Tod die Vögel nicht mehr hören kann, dann zeigt die Autorin eindrücklich, wie schmerzvoll ein solcher Verlust sein kann. Ebenso anschaulich erinnert ein kleiner Vogel den Großvater an seine verstorbene Frau, darin findet er Trost. Die Autorin erzählt feinfühlig, in einfachen Worten und klarer Symbolik vom Verlust und Neuanfang – wie das Leben, traurig und fröhlich zugleich. Aus dem Französischen übersetzt ist „Als Oma ein Vogel wurde“ im Gerstenberg-Verlag erschienen.

Von Juliane Groh

 

„Holiday on Ice“ mit neuer Show in Leipzig [Anzeige]

Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron

Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron, Goldmedaillengewinner:innen im Eistanz bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking, freuen sich auf Ihre Gastrolle bei "Holiday on Ice"

Vom 22. bis 27. Dezember 2022 gastiert „Holiday on Ice“ mit der neuen Show „A New Day“ in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig: Aufsehenerregende Bühnenbilder, fantasievolle Kostüme, spektakuläre Bühnentechnik und mitreißende Musik machen „A New Day“ zu einer Show der Superlative, bei der Eiskunstlauf und Akrobatik perfekt miteinander verschmelzen. Inszeniert als 360-Grad-Erlebnis, ergreifen die mitreißende Energie und die unvergleichliche Dynamik von jedem Platz aus das Publikum. Mit dabei sind auch zwei aktuelle Olympiasieger. Jetzt Tickets sichern!

 

Lese-Empfehlungen für Familien

 

Neues aus dem Familienleben

Ja, unsere Kinder haben Namen, aber während der Heizperiode heißen die eigentlich alle drei nur „TÜR ZU!“...

Nicht mal Dave - @guycalleddad, 13. November 2022

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Guten Tag. Mein Name ist Dagmar. Ich bin 48 Jahre alt. Und meine Mutter hat gerade geschimpft, weil ich ohne Jacke raus wollte.

Daggi - @ljusdagen, 13. November 2022

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K1: „Mama, ich finde Pommes sind perfekt.“ Ich: ☺️ K1: „Ich bin fast ein bisschen in Pommes verliebt.“ Ich:😂 K1: „Ich möchte mit einem Pommes-Mann ein Pommes-Kind machen und dann esse ich erst den Mann, weil der größer ist, und dann noch das Baby.“ 😳😳😳

DontTrustTheRabbit (🏡) - @trixirabbit, 7. November 2022

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unglaubwürdiger als die fliegenden rentiere finde ich an der weihnachtsmannfigur eigentlich die vorstellung, dass es ausgerechnet ein typ sein soll, der die geschenke für die ganze familie besorgt und sich darum kümmert, dass alle bekommen, was sie sich wünschen.

katja berlin - @katjaberlin, 12. November 2022

Hier geht‘s zum Tweet von @katjaberlin.

 

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