Newsletter „LVZ Familie“

Schule braucht Veränderung

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

wir müssen mal wieder über Schule reden. Kurz vor Start des neuen Schuljahres war in Leipzig einiges los, wie mein Kollege Mark Daniel hier beschrieb: Schüler in Leipzig protestieren gegen „Bulimie-Lernen“ und Notenstress: „Schule macht krank“. Unterstützt werden die Alarmrufe und Proteste der Schülerinnen und Schüler von Eltern und Lehrenden wie der Autorin und ehemaligen Schulleiterin Margret Rasfeld. „Das deutsche Schulsystem ist nicht mehr zeitgemäß und laugt Schülerinnen und Schüler aus“, wird die 71-Jährige zitiert. Wie mein Kollege in seinem Kommentar „Schüler-Aktion in Leipzig: Das System Schule ist krank“ gebe auch ich gern zu: In diesem gewaltigen Ausmaß waren mir die Probleme unseres Schulsystems und deren Folgen für Schülerinnen und Schüler früher nicht bewusst. Man lernt nie aus.

Was ich auch gelernt habe: Die Social-Media-Kommentare unter solchen Artikeln sind zum Teil – wow! Da tobt der Generationenkonflikt. Hier mal ein Zitat:

„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.“

Na, wer hat das gesagt? Nein, ausnahmsweise kein Boomer in den Facebook-Kommentaren. Das stand auf einer Tontafel der Sumerer, die auf 3000 v.Chr. datiert wurde. Seit 5000 Jahren heißt es: „Und wie die wieder aussehen!“ Der Generationenkonflikt ist wirklich nicht neu. Ein Teil der Jugend hat wohl schon immer den Umsturz gesucht und viele Ältere haben dazu schon immer den Kopf geschüttelt. Heute eben nicht mehr auf der Tontafel, sondern in den Kommentarspalten.

Aber immer noch beginnt damit der Fortschritt. Ohne Neinsager haben die Jasager keinen Grund zu protestieren und zu verändern – und andersherum. Im Kleinen, Familiären kennen wir das auch: Die Abgrenzung zu den Eltern ist ein wichtiger Baustein für das Erwachsenwerden und die eigene Identität. „Wir machen das mal anders.“ Auch wenn man es vielleicht nicht so gern zugeben mag, wir brauchen einander, um die Räder ins Rollen zu bringen.

Apropos Räder: Steht eigentlich Hermann Hesses „Unterm Rad“ noch auf dem Lehrplan? Die Geschichte des jungen Hans Giebenrath, der am Druck der Gesellschaft – nicht zuletzt an den harten Anforderungen des Schulsystems – zerbricht, ist 1906 erschienen. Darin mahnt der Rektor: „Nur nicht matt werden, sonst kommt man unters Rad.“ Kommt einem bekannt vor? Man möchte sagen: Macht das mal anders!

Schülerinnen und Schüler sind mit ihrer Kritik und ihrem Protest auch nicht allein. Dass dringender Handlungsbedarf besteht und so einige Räder ins Rollen gebracht werden müssen, bestätigt die Bildungsgewerkschaft GEW, wie Kai Kollenberg unter dem Titel „Bildungsgewerkschaft: Sachsen fehlen 3000 Stellen im Schulsystem“ notiert. Die GEW-Vorsitzende Uschi Kruse sieht darin den Freistaat „außerordentlich schlecht“ aufgestellt:

„Ich habe kaum ein Schuljahr erlebt, was personell so schlecht beginnt wie dieses Schuljahr.“

Licht am Ende des Tunnels sei ohne Veränderungen nicht zu erwarten.

Kann man den protestierenden Schülerinnen und Schülern angesichts dieser Einschätzung noch mangelnde Lernbereitschaft und Umstürzlerei aus Laune vorwerfen? Eher nicht. Konkrete Ideen für Veränderungen sind schon da – von Jugendlichen und Lehrenden. Jetzt bräuchte es statt spöttischer Kommentare noch eine breite gesellschaftliche Unterstützung durch alle Altersgruppen. Machen wir das mal anders?

Herzlichst

Ihre Juliane Groh

Redakteurin LVZ Familie

P.S.: Wir haben sie vermisst, Sie haben sie vermisst, aber jetzt sind sie wieder da: die Familien-Tweets der Woche feiern ihr Comeback!

 
Mehrere Schülerinnen und ein Schüler sowie ein paar ältere Engagierte stehen mit Plakaten und Megafon beim Protest nebeneinander.

„Schule macht krank“: Reclam-Schüler Quirin (16) verliest am 22. August 2022 Briefe über Schulangst, „Bulimie-Lernen“ und Notenstress auf dem Burgplatz.

 

Wochenend-Tipps

Augustusplatz in Kinderhand: Am Samstag und Sonntag, jeweils von 11 bis 18 Uhr, findet wieder das Leipziger Kinderfestival statt. Mit rund 80 Aktionen verwandelt sich der Platz in eine riesige Spielwiese für alle Altersgruppen. Neben Kreativangeboten können diverse Sportarten wie Crossgolf oder BMX fahren ausprobiert werden. Spannende Mitmach-Angebote zu den Themen Ernährung, Umweltschutz und Verkehrserziehung werden ebenso angeboten wie Brettspiele oder Kistenklettern. Neugier und Forschergeist wecken interaktive Exponate und Werkbänke. Alle Aktionen sind kostenfrei. Weitere Informationen gibt es hier.

Blick auf den Augustusplatz mit Uniriesen links, Paulinum der Universität, dem Springbrunnen vor der Oper und der Oper rechts. Auf dem gesamten Platz sind Stände anlässlich des Kinderfestivals aufgebaut. Viele Menschen sind unterwegs.

Mutige Geschichten bei der VorLeseLust: Unter dem Motto „Tut Mut gut?“ lesen am Freitag um 16.30 Uhr Vorlesepatinnen vom LeseLust Leipzig e.V. in der Bibliothek Südvorstadt „Walter Hofmann“ (Steinstraße 42) Geschichten rund ums Thema Mut, Mut haben oder Mut kriegen. Die Veranstaltung eignet sich für Kinder ab 4 Jahre und ist kostenfrei. Um Anmeldung per Mail wird gebeten.

Fledermäuse beobachten auf dem Friedhof: Anlässlich der internationalen Batnight lädt der NABU Leipzig am Freitag um 19 Uhr auf den Friedhof Sellerhausen (Riesaer Straße 1) ein, um über die gefährdeten Flattertiere zu informieren und sie in einem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Zu Beginn gibt es einen Vortrag über die heimischen Fledermäuse, ihre Gefährdung und Schutzmöglichkeiten. Nach Sonnenuntergang wird es dann richtig spannend: Zusammen mit den ehrenamtlichen Fledermausexperten kann man versuchen, die Fledermäuse auf dem Friedhofsgelände zu beobachten und ihre Ultraschallrufe zu belauschen. Die Batnight endet gegen 23 Uhr.

Zum Feiern in den Park: Seit Mittwoch und noch bis Sonntag wird das Schönauer Parkfest mit umfangreichem Programm gefeiert. Musik, Akrobatik, Jonglage und Tanzvorführungen gibt es auf der Bühne. Für Kinder gibt es an den Wochenendtagen zudem ein Animationsprogramm mit Bastelangeboten, Kinderschminken, einer Hüpfburg, Kletterwand, Karussell und vielem mehr. Für das leibliche Wohl sorgen Imbissangebote. Die Angebote für Groß und Klein beginnen Samstag und Sonntag um 10 Uhr, das Bühnenprogramm am Samstag um 14 Uhr. Am Sonntag geht es auf der Bühne bereits um 10.30 Uhr los, ab 14 Uhr kommt ein Spielmobil vorbei. Das gesamte Programm gibt es hier.

 

Museum geht bei jedem Wetter! [Anzeige]

Die interaktive Ausstellung „Die Welt als Würfel“ im Stadtgeschichtlichen Museum ist noch bis zum 23. Oktober 2022 zu sehen.

Die interaktive Ausstellung „Die Welt als Würfel“ im Stadtgeschichtlichen Museum ist noch bis zum 23. Oktober 2022 zu sehen.

Wann waren Sie das letzte Mal im Museum? Na?... Dann wird‘s aber mal wieder Zeit! Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig hat gerade seine Sonderausstellung „Die Welt als Würfel“ verlängert, MdbK und Zeitgeschichtliches Forum zeigen herausragende Fotostrecken und in der GfZK hat Künstlerin Meehye Lee sogar einen Selfie-Hotspot nachgebaut. Besonders viel Museum bietet der Grassikomplex am Johannisplatz – mit GrassiMAK, Museum für Völkerkunde und Musikinstrumentenmuseum sind hier gleich drei Ausstellungshäuser zu Hause.

Es gibt viel zu sehen! Mehr aktuelle Ausstellungen finden Sie auf Schau! – dem Museumsportal der LVZ unter www.leipziger-museen.de

 

Buch-Tipp

Doppelseite über japanische Mönche, die sich selbst mumifizierten

Blick ins Buch „Die Rätsel der Toten“ , erschienen bei E. A. Seemanns Bilderbande

„Die Rätsel der Toten – Berühmte Mumien und uralte Rituale aus aller Welt“: Matt Ralphs (Autor) und Gordy Wright (Illustrator): Bei Mumien denken viele Menschen zuerst an das Alte Ägypten, doch es gibt auf der ganzen Welt Mumien. Manche von ihnen sind sorgfältig einbalsamiert worden, um den Körper nach dem Tod vor der Verwesung zu schützen. Andere sind „aus Versehen“ zu Mumien geworden, weil sie zum Beispiel beim Einsturz einer Salzmine starben und so konserviert wurden. In „Die Rätsel der Toten“ werden aber nicht nur Mumien aus verschiedenen Teilen der Erde vorgestellt. Es behandelt ebenso die Geschichte rund um die Toten, erklärt, was Forscherinnen und Forscher über die Menschen herausgefunden und welche Techniken sie dafür verwendet haben. Verschiedene Mumifizierungstechniken werden erklärt, aber auch wie die Menschen vor ihrem Tod lebten, ob sie eines natürlichen Todes starben, krank waren oder sogar umgebracht wurden. Das Buch ist sehr interessant und bietet viel Wissen weit über Mumien und Tote hinaus – so werden auch religiöse Vorstellungen und die Lebensweise der Menschen in den jeweiligen Ländern und zu der jeweiligen Zeit beschrieben. Die Illustrationen von Gordy Wright sind detailliert, aber, gerade wenn es beispielsweise um Organentnahme oder das Aussehen der mumifizierten Menschen an sich geht, nicht eklig. Eine Karte mit den Fundstellen, ein Glossar für schwierigere Begriffe und ein kleines Register am Ende des Buches runden es wunderbar ab. „Die Rätsel der Toten“ richtet sich an Kinder ab 8 Jahre. Da einige Ausführungen über die Umstände des Todes für empfindsame Kinder vielleicht nicht geeignet sind, empfehle ich den Eltern, das Buch erst einmal selbst zu lesen – lohnt sich ohnehin, ich habe viel gelernt – und gerade jüngere Kinder gegebenenfalls beim Lesen zu begleiten. Zusammen kann man eh viel besser „oh“ und „ah“ sagen aufgrund der vielen spannenden Fakten im Buch.

Von Susanne Reinhardt

 

Wohin mit den Geldgeschenken aus der Zuckertüte? [Anzeige]

Im Vordergrund stehen links ein Junge und rechts ein Mädchen. Beide halten eine Zuckertüte in den Armen. Hinter ihnen stehen drei Erwachsene. Der Mann steht zwischen den beiden Frauen. Im Hintergrund sind ein Baum und ein weißes Haus zu sehen.

Am 27. August freuen sich viele Kinder in Sachsen auf ihre Zuckertüte.

Wer in die Schule kommt, braucht auch ein eigenes Konto. Das GiroFlex der Sparkasse Leipzig ist ein kindgerechter Einstieg in die Welt der Finanzen. Und das Beste: Mit zunehmendem Alter kann es auch mehr.

Die GiroFlex-Vorteile (bis elf Jahre):

  • Kontoführung und Buchungen kostenfrei
  • Verzinsung für ein Guthaben bis 1000 Euro.
  • quartalsweise Kontoauszüge an die Eltern

Weitere Infos.

 

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