Newsletter „LVZ Familie“

Was wir von kleinen Philosophen lernen können

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

lassen Sie uns mal nicht über Schule reden, lassen Sie uns über das Denken reden. Das Nachdenken über die Welt, das sinnlose Sinnieren, das fröhliche Philosophieren. Denn genau das können kleine Menschen besonders gut – und überraschen uns mit eigenwilligen Einsichten und wilden Gedankengängen, die noch frei sind von Leitplanken aus Erfahrungen und Erlerntem. Sie kennen das. „Kinder denken spielerischer und inspirieren damit auch Erwachsene“, sagt Philosophie-Didaktikerin Svantje Guinebert und erläutert meinem Kollegen Mathias Wöbking gegenüber, wie das spielerische Denken funktioniert und warum es so wichtig ist.

Dr. Svantje Guinebert gehört zum Organisationsteam des Projekts „Was wäre wenn...? Leipzig philosophiert mit Kindern und Jugendlichen“, das am 6. und 7. Oktober im Rahmen des Festivals „Leipzig denkt.“ stattfindet. Weil ich die Idee so großartig fand, habe ich mal spontan Freunde und Bekannte gefragt, wie ihre Kinder so über die Welt nachdenken. Einige Eltern haben mir Bonmots geschickt und (als ich fertig war mit lachen) habe ich folgende Tendenzen in der kindlichen Philosophie festgestellt:

Kinder folgen einer bedingungslosen Logik.

Das Weihnachten, als unser Kind fast 4 war, hat ihr Großonkel sich darüber echauffiert, dass bei ihm früher immer das Christkind kam und es jetzt der Weihnachtsmann ist. Darüber hat sie eine Weile nachgedacht. Dann stellte sie ganz trocken fest, dass es doch gar nicht anders sein kann. Denn es ist ja immer noch das Christkind, das einfach nur älter geworden ist.

Sie nehmen die Dinge erst mal so hin, wie sie sie sehen oder hören. Selbst wenn sie dabei gedanklich falsch abbiegen, ziehen sie unbeirrt ihre ganz eigenen Schlüsse.

Mama, Papa, Kind 1 und Kind 2 spazieren am See. Ein Stopp an einem Steg und ein Schild davor. Kind 1 hat gerade lesen gelernt und liest: „Zutritt verboten“. Kind 2, kann noch nicht lesen, aber zählen: „Wir sind doch aber zu viert!“

Sie stellen die richtigen, die wichtigen Fragen.

Ich erkläre meinem Kind (5), dass er zu einem Viertel Oma beziehungsweise Opa ist und male einen Kreis: „Du bist der Kreis. Die eine Hälfte ist Mama, die andere Hälfte ist Papa und die bestehen wieder zur Hälfte aus Mama und Papa, also für dich Oma und Opa.“ Er guckt sich die Zeichnung an und sagt: „Okay. Das verstehe ich nicht. Wenn ich jetzt ein Viereck wäre, wie wäre das dann?“

Und manchmal machen ihre Gedanken den schnöden Alltag geradezu poetisch.

Knirps (6) und ich lassen uns an die rote Ampel rollen und kurz bevor wir halten müssten, springt sie auf Grün. Knirps begeistert: „Das hat uns die Welt geschenkt! Meine Gedanken haben Geburtstag und das ist das Geschenk!“

Ist das nicht wunderbar? Wie oft denkt man da: „Ja, so gesehen haste Recht…“? Und da haben Eltern, Großeltern und Co. wirklich einen großen Schatz in ihren Familien: Kinder können ihnen immer wieder neue Sichtweisen zeigen. Sie stellen eingefahrene, erwachsene Denkprozesse infrage. Noch besser: Sie bringen uns dabei zum Lachen.

Nicht nachmachen, was andere vorgedacht haben, sondern selber denken – darum geht es auch bei einem Pilotprojekt, das in Sachsen gerade startet. Am „Frei Day“ bestimmen nicht Lehrplan oder Lehrende, was gemacht wird, sondern Schülerinnen und Schüler arbeiten an eigenen Projekten, finden im Team Lösungen auf Fragen, die sie wirklich interessieren. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich frei mit ihrer Umwelt, ihrer Stadt, ihrer Gesellschaft auseinandersetzen. Moment mal. Was ist denn das für eine verrückte Lernkultur? Vielleicht ist es eine, die aus Erfahrungen und Erlerntem weniger Leitplanken im Kopf macht. Vielleicht lässt sich auf diese Weise ein bisschen mehr kindliche Freiheit im Denken bis ins Erwachsenenleben erhalten. Das wäre doch eine gute Sache.

Jetzt haben wir doch noch über Schule geredet… das ist aber auch okay, denn: Die Gedanken sind frei! Worüber Sie am Wochenende mal nachdenken könnten, haben wir wie immer in unseren Tipps zusammengefasst. Viel Vergnügen!

Herzlichst

Ihre Juliane Groh

Redakteurin LVZ Familie

Bunte Gedankenwelt: Kinder denken spielerisch – oft mit erstaunlichen Ergebnissen.

Bunte Gedankenwelt: Kinder denken spielerisch – oft mit erstaunlichen Ergebnissen.

 

Wochenend-Tipps

Hereinspaziert: Die Stadtreinigung Leipzig lädt für Samstag zum Tag der offenen Tür auf das Betriebsgelände in der Geithainer Straße 60 ein. Von 11 bis 16 Uhr können Besucher und Besucherinnen beispielsweise die Fahrzeuge und Technik der Stadtreinigung begutachten, die Vorführung eines Straßenwaschwagens anschauen, die Streugutlagerhalle besichtigen sowie Puppentheater, Musik und Tanz auf der Bühne genießen. Das jüngere Publikum kann sich die Zeit beim Kinderschminken und Basteln vertreiben. Es stehen auch Abfallsammelfahrzeuge für eine Mitfahrt bereit. Außerdem gibt es Mitmach-Aktionen der Verkehrswacht, eine Präsentation der Ortsfeuerwehr Mölkau sowie eine Reparaturschatzsuche und Tipps vom Reparaturcafé.

Die Leipziger Stadtreinigung lädt zum Tag der offenen Tür.

Die Leipziger Stadtreinigung lädt zum Tag der offenen Tür.

Weitere Tipps:

  • Fliegenschiss und Olchifurz: Ein fauliger Familientag erwartet Gäste am Samstag in der Bibliothek Gohlis. Die Olchis – eine grüne Drei-Generationen-Familie mit Hörhörnern auf dem Kopf und einer großen Nase, die in einer Höhle auf der Müllkippe von Schmuddelfing lebt – treiben hier von 11 bis 17 Uhr ihr Unwesen. Die Olchis lieben alles, was Menschen eklig finden: Sie essen Schuhsohlen und Schrauben, trinken Stinkebrühe und Fahrradöl, baden im Schlamm und können Ordnung nicht ausstehen. In diesem Sinne können Besucher in der Bibliothek Olchi-Schleim herstellen, jonglieren lernen, Sachen aus Müll basteln oder sich auf dem Müllberg von Schmuddelfing fotografieren. Außerdem wartet noch der Preis für die größte Pupsbohnen-Pflanze auf den erfolgreichsten Gärtner.
  • Für ein kinder- und radfreundliches Leipzig können sich Familien am Sonntag im Zuge der Kidical Mass-Fahrraddemo einsetzen. Start ist um 14.30 Uhr am Bundesverwaltungsgericht. Gegen 15 Uhr geht es entspannt und mit Musik im Tempo der Kinder um den Innenstadtring und anschließend bis zum Springbrunnen auf der Anton-Bruckner-Allee im Clara-Zetkin-Park. Die von der Polizei abgesicherte Route ist circa 5 Kilometer lang und für Kinder ab 4 Jahre geeignet.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende gibt es hier.

 

Familienkonzert im Gewandhaus [Anzeige]

Moderator Malte Arkona sitzt an einer Holzwand

Führt sympathisch durchs Familienkonzert: Moderator Malte Arkona

Am Samstag um 16 Uhr heißt es „Was für ein Zirkus“ beim Familienkonzert: Das Gewandhausorchester holt das bunte Treiben eines russischen Volksfestes auf die Bühne mit Igor Strawinskys „Petruschka“. Moderator Malte Arkona führt galant und witzig durch das Programm. Und erforscht gemeinsam mit Publikum und Künstlern das faszinierende Werk. Petruschka, das russische Pendant zum Kasper und eine der berühmtesten Marionetten der klassischen Musikszene, tanzt mit ihren Mitspielern musikalisch um die Wette. Mit teuflischen Sprüngen versucht sie, die Geduld von Orchester und Moderator zu erschöpfen. Wird es ihr gelingen? Tickets gibt es hier.

 

Buch-Tipp

Cover des Buches „Sommerwaldfunkeln“, erschienen im Verlag Edition Pastorplatz.

Cover des Buches „Sommerwaldfunkeln“, erschienen im Verlag Edition Pastorplatz.

„Sommerwaldfunkeln“ von Antonia Katt (Autorin) könnte man als modernes Märchen bezeichnen: Die 12-jährige Malin ist vor kurzem aus der Großstadt in ein Kaff auf dem Land gezogen, hat Schwierigkeiten, ihren Platz in der neuen Klasse zu finden – und entdeckt plötzlich durch eine Mitschülerin den Morgenwald. Und der ist alles andere als dröge, sondern ziemlich magisch. Malin trifft dort auf eine für die meisten Menschen unsichtbare Königin, ein Zwillingsprinzenpaar und das Naturvolk der Anderen, das normalweise im Verborgenen agiert. Die Bewohner des magischen Waldes empfangen Malin nicht unbedingt wohlwollend, obwohl sie ihre Hilfe benötigen. Sommerwaldfunkeln erinnert in seinen Beschreibungen des verwunschenen Waldes und der Bewohner ein wenig an Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter. Der Leser wird sofort in die fantasievolle Parallelwelt hineingezogen und erlebt mit der Protagonistin allerhand Abenteuer. Ganz zimperlich geht es dabei nicht zu. Es fließt auch mal Blut und die Fehden der Waldbewohner untereinander werden offen ausgetragen. Die Lektüre eignet sich eher für ältere Kinder ab zehn Jahren, die mit den teils schnellen Szenenwechseln und der Komplexität der Magie-Welt gedanklich zurechtkommen.

Von Gina Apitz

 

Lese-Empfehlungen für Familien

 

Neues aus dem Familienleben

Der Sohn versucht, die Tochter zu überreden, mein Essen zu probieren, und sagt: „Keine Sorge, es schmeckt nach gar nichts.“

Mariki - @buecherwurmloch, 17. September 2022

Hier geht‘s zum Tweet von @buecherwurmloch.

Komme aus dem Bad & habe meine Haare glatt geföhnt. Sohn & Tochter schauen mich an. Schauen sich an. Schauen mich an. „Mama, wenn du nicht fragst müssen wir nicht lügen.“

Frau - Vorstadtdistel, 20. September 2021

Hier geht‘s zum Tweet von @Vorstadtdistel.

An der Bushaltestelle steht eine Kindergartengruppe und gestikuliert „Hupen“. Keiner hupt, ich hupe ausgiebig. Nächste Ecke Polizei. „Sie wissen, dass man nur im Notfall hupen darf?“ „Die Kleinen da wollten das Hupen!“ „Das ist ein Notfall, fahren Sie bitte weiter!“

Sumpfkuh - @sumpfkuh, 20. September 2022

Hier geht‘s zum Tweet von @sumpfkuh.

 

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