Newsletter „LVZ Familie“

Zwischen Scherben und Scheiße

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Leserinnen und Leser,

ich habe kürzlich ein neues Wort gelernt: Mediterranisierung. Gemeint ist damit, dass sich das Leben der Menschen immer mehr ins Freie verlagert. So wie es in den Ländern am Mittelmeer gang und gäbe ist. Auch hierzulande trifft man sich immer häufiger im öffentlichen Raum, sitzt auf Bänken, in den Parks oder mit einem Bier vom Späti direkt am Bordstein (dies wurde vor einigen Jahren von hippen jungen Menschen „cornern“ genannt, vielleicht erinnern Sie sich). Wer Zeit hat, verlagert sein (Privat-)Leben schon tagsüber nach draußen, ansonsten ab dem späten Nachmittag und je nach Alter, Lust und Wochentag auch mal bis in die frühen Morgenstunden. Diese Mediterranisierung ist ein Phänomen, mit dem ich sehr gut leben kann. Doch, da finde ich mich wieder. Draußen sein, mit netten Menschen schwatzen, einfach entspannt eine gute Zeit haben. Das ist genau mein Ding.

Ein Problem, das allerdings im Zusammenhang mit dieser „Draußen-Kultur“ immer stärker zutage tritt und mich sehr nervt: Vermüllung. Wenn Sie auch immer mal in den Parks unterwegs sind, ist es Ihnen bestimmt auch schon aufgefallen: überquellende Mülleimer, sofern der Müll überhaupt im Abfallbehälter landet und nicht einfach achtlos liegengelassen wird. Abgesehen von Pizzakartons und Einweg-Kaffeebechern sind es vor allem Zigarettenstummel, Papiertaschentücher und seit der Corona-Pandemie auch oft FFP2-Masken. In den Parks, auf Grünflächen, im Auwald, auf den Gehwegen – überall liegt mehr oder weniger Müll. Gefühlt allerdings leider zusehends mehr Müll. Dieses Gefühl habe nicht nur ich, viele Leipziger schrieben uns auf die Frage, wo es am dreckigsten oder besser gesagt vermülltesten ist in der Stadt.

Es kann nicht sein, dass z. B. am Stötteritzer Bürgeramt ein ausreichend großer metallener Mülleimer mit extra Ausdrückhilfe für Kippen steht – und dennoch im Umkreis von 5m alles voller weggeworfener Kippen ist! Abgesehen von der Blödheit der Raucher – geht da niemand mal mit dem Besen drüber?!?

Eva S., Leserin des Familien-Newsletters

Die Stadtreinigung versucht ihr Bestes, kommt aber momentan trotz aller Bemühungen kaum noch hinterher, wie Stadtreinigungs-Mitarbeiterin Björg Köber meinem Kollegen Mark Daniel erzählt hat. Die Abfallmenge in den Papierkörben ist im ersten Halbjahr 2022 tatsächlich deutlich größer als in den Vorjahren. Und das ist nur die Müllmenge, die in den Abfallbehältern gelandet ist.

Was mich sehr stört, abgesehen von Zigarettenstummeln, die gerade kleine Kinder gern mal auflesen (igitt!), sind Scherben von Flaschen und Hundekot, wo man nur langgeht. Ich verstehe wirklich nicht, warum man eine Glasflasche nicht zumindest ordentlich neben einen Mülleimer stellen kann, damit der nächste Flaschensammler sie mitnehmen kann (ohne in den Mülleimer greifen zu müssen). Abgesehen von platten Fahrrad- oder Kinderwagenreifen sind die Scherben insbesondere für Vierbeiner gefährlich. Mit unserem Hund muss ich manchmal regelrecht einen Parcours absolvieren, damit er sich nichts in die Pfote eintritt. Ähnlich ist es mit Hundekot, der von einigen – viel zu vielen – Hundehaltern einfach nicht aufgesammelt und in die nächste Tonne befördert wird. Gerade, da wir selbst einen Hund haben, regt mich dieses rücksichtslose Verhalten massiv auf. Es ist ja schon eklig genug, wenn wir Menschen in Hundekot treten – aber wir haben im Gegensatz zu den Vierbeinern immerhin Schuhe an, die wir angewidert vor der Wohnungstür ausziehen können, und stehen nicht barfuß in der Scheiße.

Tja, was aber tun, um das Müllproblem in den Griff zu bekommen? Das Konzept Eigenverantwortung scheint auch hier, ähnlich wie bei der Pandemie, nicht so richtig zu greifen. Was helfen könnte, hat mein Kollege Mathias Wöbking recherchiert.

Ich würde mich freuen, wenn wir alle in Zukunft wieder achtsamer mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen und Tieren umgehen würden. Es liegt an uns allen, dass wir uns in unserer Stadt wohlfühlen können. Packen wir‘s an!

Herzlichst

Ihre Susanne Reinhardt

Redakteurin LVZ Familie

 
Ein bunt gestalteter Mülleimer auf den die runde gelbe Computerspielfigur Pacman gemalt wurde. Sein Mund ist zur Öffnung des Mülleimer hin geöffnet.

Wochenend-Tipps

Zocker aufgepasst: Das Zeitgeschichtliche Forum lädt für Samstag zum Familienspezial „Alte Computerspiele testen“. René Meyer, Gründer des Hauses der Computerspiele und Besitzer der weltgrößten Sammlung historischer Spielsysteme bringt eine Reihe von Konsolen, Heimcomputern und Spielen aus den vergangenen 50 Jahren mit in das Zeitgeschichtliche Forum – nicht zum Anschauen, sondern zum selbst spielen. Bausteine bei Tetris stapeln, mit Pong Tischtennis zocken oder mit Super Mario durch die Welten bis zur Prinzessin springen – alte Computerspiele machen auch heute noch Spaß. Und das oftmals nicht nur den Kindern. In der Wechselausstellung #DeutschlandDigital können Besucherinnen und Besucher weitere digitale Spielarten erkunden und in andere Themen eintauchen. Daher ist das kostenfreie Angebot sowohl für Zockerinnen und Zocker als auch für die weniger spielbegeisterten Familienmitglieder geeignet. Beginn: 14 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ende: 17 Uhr.

Im Zeitgeschichtlichen Forum wird am Wochenende gedaddelt.

Im Zeitgeschichtlichen Forum wird am Wochenende gedaddelt.

Weitere Tipps:

„Ich hab‘ da mal `ne Frage“: Mit Mikrofon und Notizblock ausgestattet können sich Kinder als rasende Reporter am Völkerschlachtdenkmal ausprobieren. Das Ergebnis wird eine kleine Radiosendung sein. Das kostenlose Angebot findet Samstag von 10 bis 12 Uhr statt und richtet sich an Kinder ab 10 Jahren. Anmeldung: besucherservice@voelkerschlachtdenkmal-leipzig.de oder 0341/241687142

Die Auwaldstation lädt zusammen mit dem Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Landesverband Sachsen für Sonntag um 14 Uhr zum Wildkatzentag für die ganze Familie ein. Quiz, Spiele und ein Vortrag zu den aktuellen Ergebnissen des Wildkatzenmonitorings im Leipziger Auwald werden angeboten. Mit Spiel und Spaß können große und kleine Wildkatzenfreunde bei einem bunten Programm die Europäische Wildkatze und ihre Lebensweise kennen lernen und mehr über und die Gefährdung der scheuen Jägerin erfahren. Das Angebot ist kostenfrei. Zur Anmeldung geht‘s hier.

Noch mehr Tipps fürs Wochenende finden Sie hier.

 

Buch-Tipp

Cover des Buches „Was für’n Müll! Schritt für Schritt zum Umwelthelden“, erschienen im Ravensburger Verlag

Cover des Buches „Was für’n Müll! Schritt für Schritt zum Umwelthelden“, erschienen im Ravensburger Verlag

Clive Gifford und Jacquie Wines (Autoren), Sarah Horne (Illustratorin): „Was für‘n Müll. Schritt für Schritt zum Umwelthelden“: Bunte Bilder findet man in diesem Buch nicht. Dafür comicartige schwarz-weiß Illustrationen auf FSC-zertifiziertem Papier. Ja, mein Griff zu dem Buch „Was für‘n Müll! Schritt für Schritt zum Umwelthelden“ war spontan. Aber: Es geht ums Klima. Und: Spätestens seit Fridays for Future ist dieses Thema auch für Kinder brandaktuell.

Ich gebe zu, meine Tochter schaute mich verwundert an, als ich ihr das Buch zeigte. „Wir machen doch schon viel in Sachen Klima“, war ihre erste Reaktion. Und die Seiten gaben ihr auch Recht. Viele kleine Dinge, die für uns selbstverständlich sind, helfen, unser Klima zu schützen. Aber es gibt eben noch mehr.

Im Buch findet man zahlreiche einfache, aber effektive Dinge, die man tun kann, um die Schäden, die wir unserem Planeten zufügen, zu reduzieren. In sieben Kapiteln geht es um den grünen Haushalt, den richtigen Einkauf, über Recycling und weniger Müll bis hin zum Schutz der Tiere, Pflanzen und Meere. Kurze Texte vermitteln Kindern ab acht Jahre altersgerecht die Informationen und geben praktische Tipps für einen nachhaltigen Alltag.

Von Nannette Hoffmann

Anmerkung der Redaktion: Dieser Buch-Tipp erschien bereits in unserer Newsletter-Ausgabe vom 3. Juni 2021. Da er so gut zu unserem heutigen Schwerpunktthema passt, haben wir uns entschieden, ihn erneut zu veröffentlichen.

 

Lesetipps für Familien

 

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