Forscher: Bei Traurigkeit hilft es, sich Gefühle als konkrete Personen vorzustellen

Ein Mädchen legt den Kopf auf die Beine

Negative Gefühle können einen plötzlich im Alltag ereilen – der Verstand kann mit Denkstrategien gegensteuern.

Hong Kong. Erstaunliches haben Wissenschaftler aus Hong Kong herausgefunden. In einem Experiment sollten sich Menschen traurige Gefühle als eine Person vorstellen. Der verblüffende Effekt: Danach seien sie viel weniger traurig gewesen, beschreiben die Autoren des im “Journal of Consumer Psychology” erschienenen Artikels.

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Im Fachjargon nennt man die Methode Anthropomorphismus: Tieren, Naturgewalten – oder eben auch Gefühlen werden menschliche Eigenschaften zugeschrieben. Auch die Kunst arbeitet mit diesem Trick, um abstrakte Emotionen anschaulicher darzustellen. Der 2015 herausgebrachte Animationsfilm “Alles steht Kopf” (Originaltitel: “Inside Out”) dreht sich beispielsweise um Riley Andersen, ein Mädchen, das mit seinen vermenschlicht dargestellten Emotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel in einen Dialog tritt. Diese haben bunte Körper, haben Auge, Mund, Nase – und können mit Riley und untereinander sprechen.

Vorstellungskraft verändert auch das Konsumverhalten

Die psychologischen Effekte der Strategie nahmen die Autoren der Studie zudem unter die Lupe, um mögliche Veränderungen beim Konsumverhalten zu untersuchen. Wenn der Geist die Gefühle durch seine Vorstellungskraft dominiert, scheint sich auch der Konsum zu verändern. Es habe sich gezeigt, dass Menschen, die sich ihre Traurigkeit als Person vorstellen, dazu neigen, sich beim Einkauf grundsätzlich besser selbst zu kontrollieren. Sie wählten dann gesündere oder praktischere Produkte aus.

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Doch Vorsicht: In der neuen Studie legen die Wissenschaftler nahe, dass diese Strategie auch bei positiven Gefühlen Auswirkungen habe. “Anthropomorphes Denken verwässert auch die Freude”, schreiben die Autoren in ihrem Artikel. Laut der Studie wird man auch dann auf einen neutralen Boden gezogen und nimmt eine distanziertere Haltung ein.

Eine weitere Distanz-Strategie: Selbstgespräche führen

Stress bei der Arbeit, ein Verlust in der Familie, deprimierte Stimmung wegen eines Streits mit dem Partner – in manchen Situationen wünscht sich jeder, einen kühlen Kopf zu bewahren und impulsiven Gefühlen keine Oberhand zu geben. Auch wenn es einem auf den ersten Blick vielleicht merkwürdig vorkommen mag – Selbstgespräche können ebenfalls hilfreich sein. Das zumindest empfiehlt eine Studie aus dem Jahr 2017, die im Wissenschaftsjournal “Nature” erschienen ist und sich mit der Kontrolle von Emotionen durch Selbstgespräche befasst.

Psychologen haben herausgefunden, dass Emotionen in stressigen Alltagssituationen durch einen Dialog mit sich selbst in der dritten Person besser reguliert werden können. Ein Gespräch wie mit einem Freund – das empfehlen auch viele Psychologen ihren Patienten, um in einen Reflexionsmodus zu kommen.

Das eigene Ego manipulieren

Es gehe beim Reden mit sich über sich selbst aber um mehr als das, betonte Dr. Ozlem Ayduk, die die Studie mitverfasst hat und Psychologie-Professorin an der University of California ist. Gegenüber “The Guardian” erklärte sie: “Wir scheinen die Probleme anderer gut zu verstehen; aber es sind wir selbst, die wir nicht verstehen können, und der Grund dafür ist, dass sich unsere Egos mitten in der Situation befinden – wir fühlen uns bedroht, wir haben Vorurteile, wir haben Abwehrreaktionen.” Die einfach anzuwendende Methode könne insbesondere Personen helfen, die übermäßig selbstbezogen bei negativen Erfahrungen reagieren.

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