Vergleich mit der Situation in Deutschland

Starke Regelschmerzen? Gesetz in Spanien soll Frauen bis zu fünf freie Tage ermöglichen

Trotz starker Regelschmerzen zur Arbeit gehen? Das muss nicht sein.

Trotz starker Regelschmerzen zur Arbeit gehen? Das muss nicht sein.

Für Frauen, die unter starken Menstruationsbeschwerden leiden, könnte es in Spanien bald bis zu fünf zusätzliche freie Tage pro Monat geben. Darüber berichtet die spanische Tageszeitung „El País“ unter Berufung auf einen vom Gleichstellungsministerium erarbeiteten Gesetzesentwurf, der bis Dienstag noch geändert werden könne. Der Entwurf enthält noch viele weitere Vorschläge, die den Alltag von Frauen und menstruierenden Personen erleichtern würden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Das Dokument schließt Menstruationsgesundheit als Teil des Rechts auf Gesundheit ein“, schreibt die spanische Journalistin Isabel Valdes. Zu den darin unterbreiteten Vorschlägen zähle, dass Frauen während ihrer Regelblutung drei bis fünf freie Tage bekommen können. Dieses Konzept ist auch unter dem Schlagwort Menstruationsurlaub bekannt. Zu den Voraussetzungen solle es gehören, dass ein Arzt oder eine Ärztin die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Die Regelung soll für Menschen mit heftigen Menstruationsbeschwerden gelten. Dazu zählten starke Schmerzen, Krämpfe, Koliken, Übelkeit oder Erbrechen. Solche Symptome erleben einige Frauen während ihres Zyklus.

Krankmelden während der Periode?

In Deutschland gibt es so etwas wie einen Menstruationsurlaub bisher noch nicht. „Die Periode ist keine Krankheit. Daher denken viele Frauen, dass eine Krankmeldung auch nicht möglich ist“, schreiben die Frauenärztinnen Stephanie Ströhlein und Benita Pflanz auf ihrer Webseite. Das stimme nicht. Denn der Zettel, den viele Menschen im Alltag „Krankschreibung“ nennen, heißt eigentlich Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. „Die Arbeitsunfähigkeit kann auch aus anderen Gründen gegeben sein. Ein guter Grund sind Regelschmerzen“, erklären die Gynäkologinnen. Wer starke Menstruationsbeschwerden hat, kann sich also krankschreiben lassen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Kostenlose Hygieneartikel ohne Besteuerung

Der spanische Gesetzesentwurf sieht vor, dass in Bildungseinrichtungen – darunter fallen auch Schulen – kostenlose Hygieneartikel wie Binden oder Tampons angeboten werden. Für manche Damenhygieneartikel solle die Mehrwertsteuer entfallen.

In Deutschland ist der Steuersatz für Tampons und andere Damenhygieneprodukte vor zwei Jahren gesenkt worden. Fällig wird nun nicht mehr die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent für Luxusgüter, sondern der reduzierte Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 Prozent. Bundesweit kostenlose Menstruationsprodukte in öffentlichen Einrichtungen gibt es bisher nicht. Einige Schulen oder Universitäten – wie die Uni Bonn – bieten die Leistung aber von sich aus an.

Kostenfreie Verhütung in Spanien

Der spanische Gesetzesentwurf unterbreitet laut „El País“ außerdem den Vorschlag, hormonelle Verhütung für die Nutzerinnen kostenfrei anzubieten, auch die „Pille danach“. Sie kann bei einer Verhütungspanne zum Einsatz kommen, um kurz nach dem Sex eine Schwangerschaft zu verhindern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenkasse bis zum 22. Geburtstag die Kosten für hormonelle Verhütungsmittel. Danach zahlen die Frauen (und hin und wieder zur Hälfte auch ihre Partner, die ebenfalls von der Verhütung profitieren) die Kosten selbst. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Pille zum Beispiel zur Behandlung einer anderen Krankheit wie Akne zum Einsatz kommt. In diesen Fällen zahlt die Krankenkasse auch nach dem 22. Geburtstag. Manche Kommunen haben außerdem einen Sonderfonds, aus dem die Kosten für Verhütungsmittel für bedürftige Frauen bezahlt werden, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die „Pille danach“ können Bürgerinnen und Bürger in Deutschland in Apotheken rezeptfrei kaufen. Die Kosten tragen sie selbst.

Mutterschutz und Abtreibung in Spanien bald reformiert?

Auch zu den Themen Schwangerschaft und Abtreibung enthalte der spanische Gesetzentwurf Vorschläge. Er sehe bezahlten Urlaub ab der 36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt vor. Es sollen mehr Möglichkeiten geschaffen werden für Frauen, die abtreiben möchten. Außerdem sollen Frauen ab dem 16. Lebensjahr ohne Erlaubnis ihrer Eltern einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen können. Ebenfalls wird im Gesetzesentwurf ein Wegfall der Beratungspflicht vor einer Abtreibung sowie die anschließende dreitägige Bedenkzeit vorgeschlagen.

In Deutschland gilt für Frauen sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt der Mutterschutz. Arbeitgeber dürfen sie in dieser Zeit nicht beschäftigen. Frauen bekommen währenddessen nicht ihren regulären Lohn, sondern ein Mutterschaftsgeld. Es errechnet sich aus dem Durchschnittsverdienst der vergangenen 13 Wochen vor dem Mutterschutz, informiert die Bundesregierung auf ihrer Webseite.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Deutschland dürfen Minderjährige auch ohne Einwilligung der Eltern abtreiben. „Wenn du zwischen 14 und 16 Jahren alt bist, wird die Ärztin oder der Arzt vielleicht die Zustimmung deiner Eltern oder zumindest von einem Elternteil für den Schwangerschaftsabbruch einholen wollen. Das hängt davon ab, ob die Ärztin oder der Arzt der Ansicht ist, dass du reif genug bist“, erklärt Profamilia. Welche Ärztinnen und Ärzte in Deutschland abtreiben, kann in einer Liste der Bundesärztekammer online eingesehen werden. Das deutsche Gesetz (Strafgesetzbuch §219) sieht vor, dass sich Frauen vor einer Abtreibung beraten lassen müssen und erst drei Tage nach Beratung den Eingriff vornehmen lassen dürfen.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen