Lösen sie die nächste Welle aus?

Neue Corona-Varianten breiten sich in Europa aus: Was bisher über BQ.1 und BQ.1.1 bekannt ist

Vor dem Rostocker Hauptbahnhof weisen große Plakate auf eine Corona-Teststation hin.

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Eine neue Corona-Variante ist in Europa auf dem Vormarsch: BQ.1. Auch bekannt unter dem Namen Cerberus – wie der gleichnamige dreiköpfige „Höllenhund“ aus der griechischen Mythologie, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. In Deutschland nachgewiesen wird vor allem ihre Unterlinie BQ.1.1. Ihr Anteil hat sich innerhalb der vergangenen vier Wochen vervierfacht und liegt jetzt bei acht Prozent, wie das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht schreibt.

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Auch in anderen Ländern sind BQ.1 und BQ.1.1 bereits verbreitet. Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC geht davon aus, dass sie bis Mitte November beziehungsweise Anfang Dezember die vorherrschenden Corona-Versionen in der EU sein werden. Doch wie gefährlich sind die Virusvarianten BQ.1 und BQ.1.1? Und wie beeinflussen sie das weitere Infektionsgeschehen?

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Größere Immunflucht dank Mutationen

Viel ist über BQ.1 und BQ.1.1 noch nicht bekannt. Es handelt sich in jedem Fall um Subtypen von Omikron. Genauer gesagt leiten sich die Virusvarianten von der BA.5-Linie BE.1.1 ab, schreibt das RKI. Vorläufige Laborstudien aus Asien würden nahelegen, dass sich BQ.1 und BQ.1.1 „in erheblichem Maße“ den Immunantworten entziehen können, hieß es ferner vonseiten der ECDC.

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Auch eine Studie aus den USA kam zu diesem Ergebnis. Sie ist Ende Oktober auf dem Preprint-Server BioRxiv erschienen und muss noch von unabhängigen Fachleuten überprüft werden. Die Forschenden hatten Blutproben von dreifach geimpften Mitarbeitenden des Gesundheitswesens und hospitalisierten Corona-Patientinnen und -Patienten aus der BA.1- und BA.5-Welle gesammelt und untersucht, wie gut diese bestimmte Virusvarianten neutralisieren können.

„Wir fanden eine erhöhte Neutralisierungsresistenz bei allen neuen Untervarianten, insbesondere bei den Untervarianten BQ.1 und BQ.1.1″, heißt es in der Studie. Diese Resistenz resultiere aus drei bestimmten Mutationen: N460K, R346T und K444T – wobei erstere die Schlüsselmutation sei. Alle drei sind schon von anderen Virusvarianten bekannt und betreffen das Spike-Protein, also das Oberflächenprotein, welches das Coronavirus nutzt, um in die menschlichen Zellen zu gelangen.

Diese Ergebnisse bestätigte Mitte November ein Forscherteam um die Virologin Delphine Planas vom Pariser Institut Pasteur. In ihrer Studie, die ebenfalls noch geprüft werden muss, sprechen auch sie BQ.1.1 eine hohe Immunflucht zu. Sie hatten die Neutralisationsfähigkeit von sechs monoklonalen Antikörpern und Blutseren von mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpften Personen mit und ohne BA.1/BA.2- oder BA.5-Durchbruchinfektion untersucht. Dabei zeigte sich ferner, dass BQ.1.1 resistent gegenüber den Medikamenten Ronapreve, Evusheld und Bebtelovimab ist, die zur Behandlung von Covid-Erkrankten eingesetzt werden.

Reinfektionen nehmen in Israel zu

Dass BQ.1 und BQ.1.1 derart immunflüchtig sind, hat zur Folge, dass sich auch Geimpfte und Genesene wieder infizieren können. Genau das zeigt sich gerade in Israel. Der Modellierer Barak Raveh von der Hebräischen Universität in Jerusalem veröffentlichte vor wenigen Tagen auf Twitter eine Grafik zur Reinfektionsrate:

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Die Grafik verdeutlicht, dass die Zahl der erneuten Ansteckungen in Israel deutlich gestiegen ist, seitdem sich BQ.1.1 dort verbreitet. Und es zeichnet sich noch ein weiteres Muster ab: Bei jeder neuen Omikron-Variante ist die Reinfektionsrate im Land gestiegen. Auf die Corona-Fallzahlen hatte BQ.1.1 derweil nur wenig Auswirkung. Sie seien bisher nur leicht, aber stetig gestiegen. „Gegen Anfang Dezember wird aber mit einem deutlichen Anstieg gerechnet“, schrieb Raveh.

Wie hoch ist die Krankheitsschwere durch die neue Corona-Variante?

Was sich in der Studie aus den USA auch zeigte, war eine erhöhte Fusogenität. Gemeint ist die Fähigkeit des Spike-Proteins, das Verschmelzen von Zellen auszulösen. Dadurch kann das Virus leichter Körperzellen befallen und sie infizieren. Die Ansteckungsfähigkeit steigt. So könnte auch Lungengewebe wieder anfälliger für das Virus werden. Die aktuell dominierende Omikron-Variante BA.5 infiziert eher Zellen der oberen Atemwege.

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Ob BQ.1 und BQ.1.1 deshalb auch mit einer höheren Krankheitsschwere verbunden sind, ist noch unklar. Die Datenlage hierzu sei noch begrenzt, teilte die ECDC mit. „Die Länder sollten weiterhin auf Anzeichen für das Auftreten und die Ausbreitung von BQ.1 achten und weiterhin empfindliche und repräsentative Tests durchführen“, sagte Andrea Ammon, Direktorin der Seuchenschutzbehörde, Ende Oktober. Auch sollten die Corona-Fallzahlen in den höheren Altersgruppen und die Zahl der schweren Krankheits- und Todesfälle genau im Blick behalten werden.

In Israel zeigt sich allmählich ein Anstieg bei den Covid-19 bedingten Krankhauseinweisungen. Noch seien die Zahlen aber auf einem niedrigen Niveau, berichtete Modellierer Raveh.

Funktionieren Schnelltests bei BQ.1?

Helmut Fickenscher warnt derweil vor Panikmache: „Es wird der Eindruck einer äußerst gefährlichen Variante erweckt“, sagte der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Ende Oktober im Gespräch mit den „Kieler Nachrichten“. „Doch dafür, dass es sich dabei um eine Killervariante handelt, wie der Name andeutet, gibt es bislang keinerlei Anhaltspunkt.“

Die erhöhte Immunflucht von BQ.1 und BQ.1.1 lässt aber zumindest darauf schließen, dass die Virusvarianten wieder für einen Anstieg der Fallzahlen sorgen könnten. Dann könnte es jedoch passieren, dass nicht alle Infektionen erkannt werden: „Die aktuell auf dem Markt befindlichen Schnelltests scheinen weniger gut anzusprechen“, sagte Stephan Ott vom Gesundheitsamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde Ende Oktober gegenüber den „Kieler Nachrichten“. Und noch etwas ist anders: „Die Symptomatik geht – abweichend von den bisherigen Varianten – eher in Richtung Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.“

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Schützen die Corona-Impfstoffe vor schwerer Erkrankung bei BQ.1?

Expertinnen und Experten sind jedoch optimistisch, dass eine Corona-Impfung auch gegen BQ.1 und BQ.1.1 hilft. Da die Virusvarianten von dem Omikron-Subtypen BA.5 abstammen, könnten gerade die angepassten BA.5-Impfstoffe, die hierzulande für Auffrischungsimpfungen genutzt werden, von Vorteil sein.

Das legt auch eine Studie der Unternehmen Biontech/Pfizer nahe, die Mitte November auf dem Preprint-Server BioRxiv erschienen ist. Die ausgewerteten Daten würden darauf hindeuten, „dass der bivalente BA.4/5-Impfstoff immunogener ist als der ursprüngliche monovalente BNT162b2-Impfstoff (Biontech-Vakzin, das auf der Virusvariante aus Wuhan basiert, Anm. d. Red.) gegen zirkulierende Omikron-Sublinien, einschließlich BQ.1.1, die sich weltweit ausbreiten“, schreiben die Forschenden. Auch das Unternehmen Moderna berichtete vor wenigen Tagen von einer neutralisierenden Wirksamkeit seines an Omikron angepassten Vakzins gegen BQ.1.1. Die Seuchenschutzbehörde ECDC empfiehlt die Vakzine vor allem Risikopersonen wie über 60-Jährige, Immungeschwächte, Vorerkrankte und Schwangere.

Wir haben diesen Text am 18. November aktualisiert.

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