Verfallsdatum rückt näher

Lauterbach will Verschreibung von Corona-Medikament Paxlovid erleichtern

Es soll wirken, verschrieben wird es dennoch kaum: Paxlovid. Karl Lauterbach will die Verschreibungen des Corona-Medikaments nun ankurbeln.

Es soll wirken, verschrieben wird es dennoch kaum: Paxlovid. Karl Lauterbach will die Verschreibungen des Corona-Medikaments nun ankurbeln.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die Verschreibungszahlen des Corona-Medikaments Paxlovid antreiben. Ab sofort sollen daher Hausärzte das Mittel in ihrer Praxis vorrätig haben und direkt an Corona-Patienten ab­geben dürfen. Das erklärte der Gesundheitsminister am Donnerstag gegenüber dem „Spiegel“. Corona-Patienten müssten so nicht mehr zur Apotheke, um an das Medikament zu kommen. Eine Verordnung soll zudem mit 15 Euro vergütet werden.

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Darüber hinaus solle auch jedes Pflegeheim Paxlovid bevorraten. Die Pflegeeinrichtungen sollten jeweils einen Paxlovid-Beauftragten ernennen, der sich um das Organisatorische kümmere, so Lauterbach weiter. Ein Vorrat des Medikaments solle einen schnellen Einsatz ermöglichen.

Kampagne soll Verschreibungen ankurbeln

Lauterbach wirbt seit Längerem für das Medikament. Bei seiner Corona-Infektion Anfang August hat Lauterbach nach eigenen Angaben auch Paxlovid eingenommen, um Komplikationen zu vermeiden. Ärzte zeigen sich bei der Verschreibung bislang jedoch skeptisch. Nun soll eine Kampagne die Rezepte ankurbeln: Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt habe am Donnerstag ein Rundschreiben an alle Hausärzte geschickt. Darin nenne Weigeldt Paxlovid ein sehr „wirkungsvolles Medikament“. Auch soll Lauterbach den Corona-Expertenrat der Bundesregierung beauftragt haben, ein entsprechendes Gutachten zu erstellen, heißt es im „Spiegel“-Bericht. Darin solle geklärt werden, wem antivirale Medikamente wie Paxlovid künftig verordnet werden sollten.

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Die Wirksamkeit von Paxlovid wurde bisher mehrfach belegt: Eine Studie aus Israel an über 100.000 Patientinnen und Patienten zeigte beispielsweise, dass Paxlovid bei über 65-Jährigen das Risiko für einen schweren Verlauf nach einer Corona-Infektion erheblich senken kann – egal ob sie geimpft oder ungeimpft sind. Das Risiko, ins Krankenhaus zu müssen, sei bei denen, die das Medikament erhalten hatten, um 73 Prozent geringer gewesen.

Die Verschreibungen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Eine Million Packungen Paxlovid hatte das Bundesgesundheitsministerium vorsorglich eingekauft. Bislang wurden allerdings nur rund 43.000 vom Großhandel an die Apotheken ausgeliefert. Gerade einmal 30 Prozent seien Schätzungen zufolge verschrieben worden.

„Pure Geldverschwendung“: Paxlovid-Dosen droht der Verfall

Wegen der geringen Nachfrage droht in Deutschland daher die Vernichtung von Hunderttausenden Packungen des Corona-Medikaments. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des CSU-Gesundheitspolitikers Stephan Pilsinger hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Nach Angaben von Gesundheitsstaatssekretär Edgar Franke (SPD) wurden von den bestellten eine Million Packungen bisher 460.000 an den Großhandel ausgeliefert. „Davon erreichen 280.000 bis Februar 2023 ihr Verfalldatum“, heißt es in der Antwort weiter. Eine mögliche Verlängerung der Haltbarkeit des Arzneimittels werde geprüft, schreibt Franke.

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„Dass nun Paxlovid-Dosen für Millionen von Euro abzulaufen drohen, zeigt, dass Karl Lauterbach nichts dazugelernt hat“, sagte Pilsinger mit Blick auf die bereits erfolgte Vernichtung von mindestens vier Millionen Corona-Impfstoffdosen. Er sprach von purer Geldverschwendung. „Bevor dieses wertvolle Medikament ungenutzt abläuft, sollte man es lieber an ärmere Länder verschenken“, forderte er.

RND/hyd/tms

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