Uschi Glas zum Altern: „Nichtstun, das wäre gar nichts für mich“

Schauspielerin Uschi Glas 2021 bei einer Filmpremiere.

Schauspielerin Uschi Glas 2021 bei einer Filmpremiere.

Schauspielerin Uschi Glas wurde in den 60er-Jahren mit Filmen wie „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ und „Zur Sache Schätzchen“ bekannt. In diesem Jahr ist sie 77 geworden und steht weiterhin regelmäßig vor der Kamera. Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprach Glas darüber, was das Älterwerden für sie bedeutet und warum sie Senioren dazu rät, sich zu engagieren.

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Frau Glas, was ist das Beste am Älterwerden?

Uschi Glas: Da ist bei mir zunächst die Dankbarkeit, dass man überhaupt älter werden darf. Wenn man wie ich dann auch noch bei guter Gesundheit ist, ist das ein Geschenk. Man ist außerdem gelassener und nicht mehr so aufgeregt, hat eine andere Sicht auf die Dinge und mehr Abstand. Als ich jünger war, war ich viel ungeduldiger und oft zappelig – man hat das Leben noch vor sich und will es gestalten. Wenn ich heute am Set eine hitzige Diskussion zwischen jungen Menschen sehe, muss ich manchmal schmunzeln und denke: Früher war ich auch manchmal so. Heute höre ich besser zu und wäge mehr ab.

Sie sind in diesem Jahr auf den Deutschen Seniorentag eingeladen und werden dort darüber sprechen, wie sich das Alter sinnvoll gestalten lässt. Sie selbst stehen mit 77 noch voll im Leben: Sie drehen weiterhin Filme, Sie haben Kinder und Enkelkinder. Das geht nicht jedem in Ihrem Alter so.

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Das ist richtig. Es gibt ganz viele, vor allem Frauen, die keine Familie haben und einsam sind. Die sitzen in ihrer Zweizimmerwohnung und wissen oft gar nicht: Wo kann ich hingehen, was kann ich machen? Mein Thema ist ja, dass es schön ist, wenn man sich im Alter noch engagiert. Ich will die Menschen ermutigen, sich eine Aufgabe zu geben. Für jemanden, der sich so abgehängt fühlt, ist das zunächst auch ein Kraftakt. Aber es tut gut, auch wenn es nur ein Tag in der Woche ist, an dem man zum Beispiel im Tierheim mit einem Hund Gassi geht.

Sie selbst haben das Projekt „Brotzeit“ ins Leben gerufen. Dabei bereiten Senioren für Grundschulkinder ein gesundes Frühstück vor, das viele Schüler sonst nicht bekommen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, alte Menschen und Kinder zusammenzubringen?

Die Idee war eigentlich aus der Not geboren. Wir brauchten für das Projekt Helfer, die bereit sind, früh morgens aufzustehen. Das wäre bei Studenten eher schwierig gewesen. Also habe ich mir gedacht, dass Ältere daran Spaß haben könnten, und das war auch so. Man arbeitet bei uns im Team, dabei werden Freundschaften geschlossen. Gleichzeitig haben unsere Helfer das Gefühl: Ich bin wieder wer. Und wir können jetzt dank unserer supertollen Senioren jeden Tag 11.000 Kinder mit einem gesunden Frühstück versorgen.

Sie engagieren sich auch seit sehr vielen Jahren für die Deutsche Hospiz Stiftung (heute Deutsche Stiftung Patientenschutz), die sich für die Rechte und die Selbstbestimmung schwer kranker und sterbender Menschen einsetzt. Hat das einen persönlichen Hintergrund?

Ja, das hat es tatsächlich. Mein Vater hatte Lungenkrebs im Endstadium, und ich und meine Geschwister waren damals sehr unsicher. Er war im Krankenhaus und wollte eigentlich lieber nach Hause. Aber die Ärzte haben gesagt, dass das nicht möglich sei und wir das nicht schaffen würden. Heute sagen Palliativmediziner, dass Schwerstkranke auch zu Hause gut versorgt werden können. Niemand muss deshalb in Schmerzen sterben. Eine Betreuung durch geschulte Menschen kann außerdem dabei helfen, in Frieden loszulassen und sich von den Angehörigen zu verabschieden.

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Was bei der Unterstützung Schwerstkranker noch wichtig ist: Man sollte nicht immer sagen, es wird alles gut. Es ist nicht schlimm, über den Tod nachzudenken und kann im Gegenteil sogar eine Erleichterung sein. Ich empfehle auch, eine Patientenverfügung zu verfassen. Familie und Freunden wird dadurch eine Verantwortung abgenommen.

Die Schauspielerin Uschi Glas ist in diesem Jahr beim Deutschen Seniorentag zu Gast (24.11. bis 26.11., Hannover) und spricht dort über das Thema „Das Alter sinnvoll gestalten“.

Die Schauspielerin Uschi Glas ist in diesem Jahr beim Deutschen Seniorentag zu Gast (24.11. bis 26.11., Hannover) und spricht dort über das Thema „Das Alter sinnvoll gestalten“.

Hat sich Ihre Einstellung zum Altern und Sterben durch Ihr Engagement in der Sterbebegleitung verändert?

Eigentlich nicht, die Endlichkeit war mir immer bewusst. Wir müssen alle sterben und natürlich befasse ich mich damit. Ich bin aber dankbar, dass ich da bin. Ich lebe, und es macht mir keine Angst, dass ich tot sein werde. Wichtig finde ich, dass du deine Tage mit etwas füllst, das Wert hat.

Sie galten in Ihrer Jugend als Sexsymbol und haben einen Beruf, in dem das Aussehen extrem wichtig ist. Wie gehen Sie damit um, dass sich Ihr Körper verändert?

Also ich werde oft gefragt, ob ich neidisch bin, wenn nun Jüngere die Rollen kriegen. Das ist Unsinn: Ich kann natürlich keine 28-Jährige mehr spielen, das ist einfach so, sondern nur noch Rollen, die zu meinem Alter passen. Ich finde allerdings, dass ältere Frauen zu wenig im Film vertreten sind. Männern werden noch viele Rollen angeboten – da heißt es dann, die sehen im Alter noch besser aus. Bei Frauen wird immer auf die Falten geschaut: Das finde ich sehr merkwürdig, und das ärgert mich auch.

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Sie haben sich mit 59 Jahren für die Zeitschrift Max im Bikini ablichten lassen. Auf den Fotos waren Sie zwar geschminkt und gestylt und posierten sexy, verzichteten aber auf Retusche. Danach gab es von der einen Seite Häme, Sie würden dafür nicht mehr gut genug aussehen. Von der anderen Seite wurde kritisiert, dass Sie Frauen in Ihrem Alter unter Druck setzen würden, weil Sie noch so in Form sind.

Mir ist da vielleicht ein Fehler unterlaufen. Mir war nicht bewusst, dass die Fotos zum Promoten an die „Bild“-Zeitung geschickt würden. Die sind dann mit einem Pappaufsteller auf den Ku‘damm und haben die Leute gefragt, wie sie mich finden. Das fand ich affig und ungezogen und einiges in der Berichterstattung war auch verletzend. Ich hatte bei dem Shooting einfach meinen Spaß und habe mir nicht so viel dabei gedacht. Grundsätzlich finde ich aber, dass auch Frauen mit 60 das Recht haben, sich im Bikini zu zeigen. Andere Frauen unter Druck setzen wollte ich natürlich nicht.

Sie tun aber schon noch einiges für Ihre Figur, oder?

Ich esse und koche gern, ernähre mich aber bewusst und mache gelegentlich Intervallfasten. Außerdem mache ich jeden Tag ein Stretching und versuche 10.000 Schritte zu gehen, das ist meine persönliche Competition. Ich nehme auch gerne alle Treppen, am Flughafen von München gibt es zum Beispiel ziemlich viele. Aber das tue ich für mich, ich hatte schon immer Spaß an Bewegung. Ich habe ja nicht den Anspruch, dass jeder so aktiv sein muss wie ich. Wichtig ist, dich zu akzeptieren und gern zu haben, so wie du bist. Wenn jemand lieber öfter mal ein Stück Kuchen isst, finde ich das auch ok. Man sollte dann aber auch nicht ständig mit seinem Aussehen hadern, sondern sich sagen, so bin ich eben.

Mit Ihrer heutigen Lebenserfahrung – was wären Ihre Ratschläge an Ihr jüngeres Ich? Was würden Sie vielleicht anders machen?

Insgesamt habe ich, glaube ich, vieles ganz gut hingekriegt und auch viel Glück gehabt in meinem Leben. Vielleicht würde ich bei der Erziehung meiner Kinder manches anders machen. Mein Grundsatz war damals vor allem, sie zu lieben und ihnen vieles vorzuleben. Ich dachte, sie sehen ja, wie ich es mache und habe ihnen ziemlich viel Freiraum gelassen. Natürlich finden sie heute auch so ihren Weg. Und ich habe es damals so gut gemacht, wie ich konnte. Im Nachhinein wäre ich aber vielleicht manchmal gern konsequenter gewesen.

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Was würden Sie der jungen Generation von heute gerne mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, die innere Mitte zu finden und seinen Gefühlen zu folgen. Ratschläge einzuholen ist auch in Ordnung. Aber am Ende muss man immer selbst abwägen und sich fragen, was möchte ich wirklich und passt das zu mir? In jedem Fall sollte man sich zu nichts überreden lassen, was man nicht möchte, gerade auch im beruflichen und gerade als Frau. Diese Erfahrung habe ich schon früh gemacht. Heute gibt es dazu die Me-Too-Debatte. Wenn man als junger Mensch zu etwas gedrängt wird, kann ich nur sagen: Bleibt euch selbst treu und passt auf euch auf. Man sollte sich selbst sein bester Freund sein.

Sie spielen auf die Dreharbeiten zu einem Ihrer vielleicht bekanntesten Filme „Zur Sache, Schätzchen“ an. Darin sind Sie in einem weißen Mieder zu sehen. Die Macher des Films wollten ursprünglich, dass Sie noch mehr Haut zeigen.

Natürlich, das waren die 68er, und das wurde wohl so erwartet. Aber ich habe mir gesagt: Ich ziehe mich nicht aus! In meiner Not habe ich dieses Miedergeschäft aufgesucht und die Situation erklärt. Das Mieder haben wir dann ein bisschen tiefer ausgeschnitten, sodass man etwas mehr Haut sieht, aber ich bin eben nicht nackt. Die Szene hat schließlich auch so sehr gut funktioniert.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Zeit?

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Wir werden einen zweiten Teil von „Max und die wilde 7″ drehen, und dann gibt es noch einen anderen Dreh, über den ich noch nicht reden darf. Ich werde also weiterhin meinem Beruf nachgehen, den ich sehr liebe und mich in meiner restlichen Zeit um mein Projekt, die Brotzeit, kümmern, das immer weiter wächst. Nichtstun, das wäre gar nichts für mich.

 

Uschi Glas ist in diesem Jahr beim Deutschen Seniorentag zu Gast und spricht dort über das Thema „Das Alter sinnvoll gestalten“. Der Deutsche Seniorentag 2021 findet vom 24. bis 26. November 2021 im Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Weitere prominente Gäste sind der Mediziner Prof. Dietrich Grönemeyer, die der Schauspieler Walter Sittler, der frühere Bremer Bürgermeister Henning Scherf und die Theologin Margot Käßmann. Auf der Messe des Deutschen Seniorentages präsentieren Aussteller aus Deutschland und der Region innovative Angebote für ältere Menschen. Eintrittskarten und weitere Informationen unter www.deutscher-seniorentag.de

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