Gegen BA.4 und BA.5

Wann sind die Omikron-Impfstoffe da – und wie wirksam sind sie dann noch?

Ein Mann wird von einer medizinischen Fachkraft gegen Covid-19 geimpft. Zukünftig sollen Impfungen mit an Omikron angepassten Vakzinen erfolgen.

Ein Mann wird von einer medizinischen Fachkraft gegen Covid-19 geimpft. Zukünftig sollen Impfungen mit an Omikron angepassten Vakzinen erfolgen.

Es ging zunächst alles ganz schnell: Die Omikron-Variante tauchte auf und verbreitete sich rasch. Fachleute stellten fest, dass sie die Wirksamkeit der bisherigen Corona-Impfstoffe reduziert. Impfstoffhersteller reagierten, entwickelten neue angepasste Vakzine, reichten Zulassungsanträge bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema ein.

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Mittlerweile ist diese Schnelligkeit vorbei. Es heißt: warten. Warten darauf, dass die Ema alle Daten der klinischen Studien überprüft hat und eine Zulassung erteilt. Warten darauf, dass die EU-Kommission ebenfalls grünes Licht für die Omikron-Impfstoffe gibt. Warten darauf, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfempfehlung ausspricht. Vielleicht kommen die Variantenimpfstoffe im September, vielleicht aber auch erst im Oktober, November.

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Bis zu 100 Millionen Dosen seines Omikron-Impfstoffs soll das Biotechnologieunternehmen Biontech seit Monaten eingelagert haben, schreibt der „Spiegel“ – und beruft sich dabei auf Informationen aus internen Kreisen. Dosen, die nur darauf warten, verimpft zu werden. Doch das Problem ist: Das Coronavirus hat längst zwei neue dominierende Virusvarianten hervorgebracht, BA.4 und BA.5, deren genetische Bauplankopien nicht im Variantenimpfstoff von Biontech enthalten sind. Und auch nicht im Vakzin von Moderna, welches derzeit ebenfalls von der Ema geprüft wird. Braucht es die angepassten Impfstoffe also überhaupt noch?

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Lauterbach dringt auf Corona-Impfstoff gegen Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5

Die Omikron-Impfstoffe sind der wichtigste Baustein der deutschen Corona-Herbststrategie. Schon seit Wochen stellt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Aussicht, dass bald angepasste Vakzine zur Verfügung stehen werden. Ein genaues Datum bleibt er dabei immer schuldig. Den Vakzinen kommt eine große Aufgabe zu: Sie sollen verhindern, dass Deutschland im Herbst wieder ein Corona-Chaos erlebt. Dass sich Krankenhäuser mit Covid-19-Fällen rasch füllen; dass sich zu viele Beschäftigte mit dem Virus infizieren und in Isolation müssen, und so an anderer Stelle fehlen.

Lauterbach stellt Aussage über vierte Impfung für Jüngere richtig

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will frühere Äußerungen zur vierten Corona-Impfung nicht als Empfehlung für alle jüngeren Menschen verstanden wissen.

Deshalb will Lauterbach auf Nummer sicher gehen: Er will auf einen Impfstoff warten, der auf den Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 basiert. Das sei aktuell die „bessere Impfstoffzusammensetzung“, sagte er dem „Spiegel“. Auch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hatte den Impfstoffherstellern Ende Juni nahegelegt, lieber ein an BA.4 und BA.5 angepasstes Vakzin für den Herbst zu entwickeln. Die Entwicklung der BA.1-Impfstoffe war da schon in vollem Gange gewesen, erste Daten aus den klinischen Studien waren bereits eingereicht worden. Nun ist die Zukunft dieser Wirkstoffe ungewiss.

Ob die an BA.1 angepassten Vakzine überhaupt zum Einsatz kommen werden? Wohl eher nicht. Dabei haben die klinischen Studien gezeigt, dass auch sie vor BA.4 und BA.5 schützen. US-Pharmariese Moderna berichtete Anfang Juli beispielsweise, dass sein Impfstoffkandidat bei Menschen ohne vorherige Corona-Infektion „signifikant höhere“ neutralisierende Antikörpertiter gegen die Virusvarianten hervorgerufen habe als der zurzeit zugelassene Impfstoff. Auch Biontech meldete Ende Juni eine hohe Wirksamkeit seiner Impfstoffkandidaten. Vorläufige Laborergebnisse hätten deutlich gemacht, dass die Vakzine BA.4 und BA.5 neutralisieren können, allerdings in einem geringeren Umfang als beim Omikron-Subtypen BA.1.

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Virusevolution beeinflusst Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe

Theoretisch wäre es also auch möglich, die Zulassung der BA.1-Vakzine abzuwarten und diese dann zu verimpfen. Das Problem dabei ist jedoch: Dann würden wieder Impfstoffe verwendet werden, die nicht direkt an die aktuelle Version des Coronavirus angepasst sind. Würde der Erreger nun weiter mutieren, könnte es passieren, dass die Vakzine noch mehr an Aktualität – und somit womöglich an Wirksamkeit – verlieren.

Es ist wie bei einem Computer: Ein Rechner, der ein veraltetes Betriebssystem nutzt, funktioniert zwar weiterhin. Aber mit der neuesten Version lassen sich Fehler beheben, Programme können wieder besser genutzt werden. Gleiches gilt für die Corona-Impfstoffe: Auch die bisher genutzten Impfstoffe können weiter gegen Omikron genutzt werden, sie sind nicht vollkommen unwirksam geworden. Mit einem neuen, angepassten Vakzin kann dieser Schutz jedoch verstärkt und verbessert werden. Je aktueller die Corona-Version ist, auf der der Impfstoff basiert, desto besser ist die Schutzwirkung.

Impfstoffe gegen BA.4 und BA.5 sind noch in der Entwicklung

Die Impfstoffhersteller Moderna und Biontech/Pfizer arbeiten bereits an BA.4/BA.5-Impfstoffen. Noch in diesem Monat will Biontech mit einer entsprechenden klinischen Studie beginnen. Geht alles gut und genehmigen die Zulassungsbehörden die Vakzine, könnten erste Dosen ab Oktober ausgeliefert werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Darauf spekuliert Gesundheitsminister Lauterbach. Genaue Pläne von Moderna sind wiederum noch nicht bekannt.

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Damit die Impfstoffe dann auch verimpft werden können, braucht es eine Impfempfehlung der Stiko. Diese hat sich bisher noch gar nicht zu angepassten Vakzinen geäußert. Wahrscheinlich ist, dass das Gremium zunächst nur eine Empfehlung für Ältere, Immungeschwächte und andere vulnerable Gruppen aussprechen wird, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit dem Virus zu infizieren und schwer zu erkranken. So könnten im Herbst die Belastung in den Krankenhäusern reduziert und Todesfälle verhindert werden. Am Ende sind es die Daten aus den klinischen Impfstoffstudien der Hersteller sowie die Dynamik des Infektionsgeschehens, die über die Impfempfehlung der Stiko entscheiden werden. Fest steht derweil: Bis in Deutschland Impfungen mit Omikron-Impfstoffen stattfinden können, müssen die Vakzine noch einige Hürden nehmen.

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