Nach „Freedom Day“

Warum Dänemark zurzeit so viele Corona-Todesfälle verzeichnet

Ein Sarg mit der Aufschrift „Covid 19“ steht in einem Krematorium.

Ein Sarg mit der Aufschrift „Covid 19“ steht in einem Krematorium.

Kopenhagen. Anfang Februar hatte Dänemark sämtliche Corona-Beschränkungen abgeschafft: Die Maskenpflicht fiel, Großveranstaltungen waren plötzlich wieder erlaubt, ebenso wie Besuche von Bars und Diskotheken. Möglich machten diesen „Freedom Day“ eine stabile Lage in den Kliniken und eine hohe Impfquote vor allem in der älteren Bevölkerung. Seitdem ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen schrittweise gesunken; allerdings fällt in den Corona-Statistiken des Landes ein anderer Wert besonders ins Auge: die Zahl der Todesfälle.

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Immer mehr Däninnen und Dänen sterben augenscheinlich im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die Kurve zeigt steil nach oben. Dass derzeit so viele Corona-Todesfälle auftreten, hänge aber nicht mit den Lockerungen zusammen, betont der dänische Gesundheitsdienst Statens Serum Institut (SSI) auf seiner Internetseite.

Wie wird ein Corona-Todesfall in Dänemark definiert?

Mit der Omikron-Variante habe sich die Verbreitung und die Morbidität von Covid-19 verändert, schreibt das SSI Mitte Februar in einer Stellungnahme. Demnach hätten sich mit dem Auftauchen der Virusvariante mehr Menschen mit dem Erreger infiziert, und auch der Anteil der Todesfälle mit einem positiven PCR-Test sei gestiegen.

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Zur Einordnung: In Dänemark werden alle Todesfälle als Corona-Todesfälle gezählt, bei denen innerhalb von 30 Tagen vor dem Todesdatum ein positiver PCR-Test vorliegt. Das heißt, in die Statistik fließen auch Todesfälle mit ein, bei denen Covid-19 nur eine Begleiterkrankung gewesen ist, aber nicht die Haupttodesursache. Das SSI spricht entsprechend von Ungenauigkeiten bei der ausgewiesenen Zahl der Corona-Todesfälle.

Mehr Dänen sterben „mit“ als „an“ Covid-19

Die Behörde wertete Daten des Todesursachenregisters aus und kam zu dem Ergebnis, dass aktuell mehr Menschen „mit“ Covid-19 als Begleiterkrankung sterben als „an“ Covid-19 – was der hohen Infektionsrate mit der Omikron-Variante entspreche. Denn die Virusvariante sorgt Studien zufolge seltener für schwere bis tödliche Krankheitsverläufe als ihre Vorgänger Alpha und Delta. Aber sie ist deutlich ansteckender, was den hohen Anteil der Todesfälle mit einem positiven PCR-Test erklärt.

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„Es ist zwar richtig, dass immer noch Menschen an Covid-19 sterben“, schreibt das SSI, „aber da die Omikron-Variante eine geringere Sterblichkeit verursacht als frühere Varianten, stirbt eine zunehmende Zahl ‚mit‘ Covid-19 und nicht ‚an‘ Covid-19.“ Daher sei es wichtig, Angaben zu primären und sekundären Todesursachen bei der Beurteilung der Lage miteinzubeziehen. Nach Einschätzung der Behörde sei die Sterblichkeit in Dänemark ab der ersten Woche 2022 zurückgegangen und nähere sich nun dem normalen und erwarteten Niveau.

Reduzierte Testkapazitäten wirken sich auf Statistiken aus

In Dänemark seien die Inzidenzen nach den massiven Öffnungsschritten hochgeschnellt auf mehrere Tausend, erklärte Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster. Selbst bei einer hohen Durchimpfungsrate gebe es immer einen kleinen Prozentsatz an Menschen, der schwer erkrankt und stirbt. Die Zahl der Corona-Todesfälle in Dänemark sei folglich auf die hohen Infektionszahlen vor einigen Wochen zurückzuführen – und „es wird noch eine Weile dauern, bis sich die sinkenden Inzidenzen auch bei den Todesfallraten bemerkbar machen“.

Unklar ist, wie sich die Inzidenzen und Todesfälle in den kommenden Wochen entwickeln werden, wenn Dänemark die Testkapazitäten reduziert. Die Danish Critical Supply Agency teilte Ende Februar mit, im ersten Schritt die täglichen PCR-Kapazitäten von 200.000 auf 140.000 zu senken, da der Bedarf an Tests nicht mehr so groß sei wie früher. Insgesamt fünf Schritte zum Herunterskalieren der Testkapazitäten hat die Behörde festgelegt. Beim Letzten sollen nur noch 40.000 PCR-Tests pro Tag durchgeführt werden. Außerdem hat die dänische Regierung beschlossen, die Schnelltestzentren bis zum 6. März zu schließen.

„Bei verändertem Testregime und insgesamt weniger Testaktivität ist davon auszugehen, dass deutlich weniger Infektionen erkannt werden, Todesfälle folgen aber dennoch“, erklärte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (Bips). „Das Absinken der Inzidenzen ist teils echt, teils auch im geringeren Testen begründet, und so gehen gemeldete Infektionen und Todesfälle auseinander.“

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Weiterhin täglich 200 bis 300 Todesfälle in Deutschland möglich

Berücksichtigt werden müsse zudem, „dass der Impfschutz gerade für Ältere mit wachsendem Abstand zum Booster abnimmt“, so der Epidemiologe. Damit erhöht sich ihr Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Auch könnte es wieder zu schweren Erkrankungen kommen – mit teils tödlichem Ausgang.

In Deutschland seien ebenfalls weiterhin täglich 200 bis 300 Todesfälle möglich. „Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Zahl stark sinkt, wenn wir weitgehend lockern“, sagte Zeeb. „Wir haben weiterhin zirkulierende Coronaviren und noch ist nicht klar, wie weit wir bei den Infektionen herunterkommen, die immer zu einem gewissen Anteil zu Todesfällen führen.“ Daher sei es dringend nötig, die Impfkampagne weiterzuführen und zu intensivieren.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Virologe Ludwig: „Trotz sinkender Inzidenzen haben wir immer noch eine konstant hohe Zahl an Todesopfern zu beklagen. Wenn jetzt geöffnet wird, sehe ich nicht, warum das anders verlaufen sollte als in Dänemark.“ Einen Unterschied gebe es aber: die hohe Zahl an Ungeimpften in Deutschland. Das Problem dabei: „Es ist noch nicht richtig klar, wie schwer die Omikron-Variante diese Personen treffen kann.“

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