„A Ghost Story“ – Liebe über den Tod hinaus

Paranormaler Besucher: C (Casey Affleck) kehrt als Geist zu seiner trauernden Frau M (Rooney Mara) zurück. Könnte sie ihn sehen, würde sie ihn bitten, mit dem Laken-Blödsinn aufzuhören.

Paranormaler Besucher: C (Casey Affleck) kehrt als Geist zu seiner trauernden Frau M (Rooney Mara) zurück. Könnte sie ihn sehen, würde sie ihn bitten, mit dem Laken-Blödsinn aufzuhören.

Hannover. Haben Sie sich auch schon einmal gewünscht, ewig zu leben? Oder fänden Sie zumindest die Vorstellung tröstlich, nach dem Tod als Geist Ihren Angehörigen und Freunden nahezubleiben – auch wenn die Ihre Anwesenheit nicht wahrnehmen können? Falls Sie die zweite Frage mit „ja“ beantworten, sollten Sie den neuen Film von David Lowery („Elliot, der Drache“) besser meiden. Denn „A Ghost Story“ entwirft ein sehr ernüchterndes Bild von dieser Form der Weiterexistenz.

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Es gibt durchaus einige echte Gänsehautmomente

Dabei fängt es relativ idyllisch an. Man sieht zunächst Szenen einer weitgehend harmonischen Beziehung. Aber während es M (Rooney Mara) fortzieht, würde ihr Partner C (Casey Affleck) gern in dem ländlich gelegenen Bungalow bleiben. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, stirbt der Musiker bei einem Unfall. Nachdem M in der Leichenhalle eines Hospitals von ihm Abschied genommen hat, erhebt sich der Tote unter dem Leichentuch und wandelt als klassischer Geist mit zwei Gucklöchern im Laken langsam zum Haus zurück. Unbemerkt von M, wird er dort Zeuge ihrer tiefen Trauer über seinen Verlust. Doch für sie geht das normale Leben schließlich weiter. Sie zieht aus ...

So weit, so wenig überraschend. Wer nun aber glaubt, das jenseitige Gespenst würde seiner Liebsten folgen und dem neuen Mann an ihrer Seite die Hölle heiß machen, sieht sich getäuscht. Von seinen übernatürlichen Fähigkeiten her wäre es dazu in der Lage. Wenn ihm etwas nicht gefällt, mutiert es auch mal zum Poltergeist, lässt Bücherregale erbeben oder wirft mit Porzellan um sich. Doch der Regisseur will den Zuschauer nicht das Gruseln lehren – auch wenn er in seinen Film einige echte Gänsehaut-Momente einwebt.

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Ein weißer Überwurf als Projektionsfläche

Worum geht es ihm aber dann? Tja, das ist nicht so leicht zu sagen. Für jemanden, der in dem Geist nur Casey Affleck unter einem Bettlaken sieht, funktioniert der Film jedenfalls eher nicht. Für Zuschauer, die für Lowerys mehrdeutiges Konzept empfänglicher sind, kann der weiße Überwurf indes als Projektionsfläche für eigene Gedanken und Empfindungen dienen.

Steht zunächst noch die konkrete Trauer im Vordergrund, entwickelt sich die Geschichte um den Geist, der sich als ortsgebunden erweist, zu einer melancholisch-metaphysischen Meditation über die unaufhörlich fortschreitende Zeit, über Vergänglichkeit und das menschliche Bestreben, bleibende Spuren von sich zu hinterlassen.

Der Zirkelschluss gibt Anlass zum Nachdenken

Gerade auch, was Letzteres angeht, gibt Lowerys Werk allerdings wenig Grund zur Hoffnung. Zwischendurch – mittlerweile sind Studenten in das Haus eingezogen – philosophiert ein von Sänger Will Oldham gespielter Mann unter Verweis auf das Schicksal des Universums über die letztendliche Vergeblichkeit dieses Strebens. Es ist ein längerer Monolog, der aus dem ansonsten sehr spracharmen Drama heraussticht, das seinem Publikum am Ende mit einem raffinierten zeitlichen Zirkelschluss noch einen weiteren Anlass zum Nachdenken gibt.

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Freilich braucht es etwas Geduld, bis man mit dem Deuten richtig loslegen kann. Da muss man Rooney Mara schon mal minutenlang dabei zusehen, wie sie traurig einen Kuchen in sich reinstopft – und sich anschließend übergibt. Ansonsten wirkt „A Ghost Story“ mit seiner Mischung aus skizzenhaften Beschreibungen und vielen langen Einstellungen mitunter so, als habe Terrence Malick eine neue Folge von „Paranormal Activity“ gedreht. Ein solches Projekt hätte ja vielleicht auch seine Reize...

Von Jörg Brandes / RND

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