Al Gore – Trotz Trump immer noch ein Optimist

Einer hält durch: Al Gore tut alles, um die Welt zu retten.

Einer hält durch: Al Gore tut alles, um die Welt zu retten.

Hannover. Al Gore ist in diesem Dokumentarfilm immer wieder zu sehen, wie er vor Laptops sitzt und auf Katastrophenbilder schaut – Überschwemmungen, Dürren oder im Smog verschwindende Städte. Er wird aber auch Zeuge einer Katastrophe anderer Art: Ein frisch gewählter Regierungschef kündigt an, dass er sich um die Klimaerwärmung nicht sonderlich scheren werde. Der Mann heißt Donald Trump. Wer nun aber eine Philippika vom früheren US-Vizepräsidenten Gore erwartet, irrt sich – und das liegt nicht nur daran, dass Trumps Wahlsieg Wirklichkeit wurde, als dieser Film schon fast fertig war. Wir hören Gores ruhige Stimme aus dem Off: „Ich habe in meiner Arbeit immer wieder Rückschläge erlitten. Dies ist einer davon.“ Das war es zum Thema Trump. Eleganter kann man seine Missachtung nicht ausdrücken.

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Gores Leute erhielten Zutritt zu den Hinterzimmern der Macht

Al Gore ist ein Marathonläufer. Er hielt auch durch, als ihm im Jahr 2000 der Oberste Gerichtshof den Weg ins Präsidentenamt verwehrte. Danach fand Gore sein Lebensthema: „Eine unbequeme Wahrheit“ hieß die Doku über seine Anstrengungen zur Rettung der Welt. Gelegentlich wirkte er darin wie ein Rufer in der Wüste. Sein neuer Film heißt „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ (Regie: Bonni Cohen, Jon Shenk). Man muss wohl von einem leider notwendigen Sequel sprechen.

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Die Filmemacher erhalten Zugang zu den Hinterzimmern der Macht, in denen Gore immer noch zu Hause ist. Ein unbeirrbarer Optimist ist zu sehen, der jedem Rück- einen Fortschritt entgegenhält. Investieren nicht auch Chile und China in gigantischem Maßstab in erneuerbare Energien? Gibt es nicht sogar im stockkonservativen Texas Städte, die zu hundert Prozent auf Sonne und Wind setzen? Hat die Nasa nicht endlich einen Klima-satelliten ins All geschossen?

Die entscheidende Frage kann auch Gores Film nicht beantworten

Sein Meisterstück aber lieferte Gore bei der Klimakonferenz in Paris Ende 2015 ab. 195 Staaten unterschrieben am Ende das Abkommen, das den Ausstoß an Treibhausgasen reduzieren soll. Einer davon war Indien, dessen Staatschef gerade noch für sein Land das Recht reklamiert hatte, dieselben Fehler machen zu dürfen, wie sie die Industriestaaten gemacht hatten. Dann handelte Gore am Telefon einen Deal mit einem US-Solarkonzern aus, der sich bereit erklärte, den Indern den Zugang zu neuen Technologien kostenlos zu ermöglichen – und half so mit, die Zustimmung der indischen Regierung zu bewirken. Die entscheidende Frage aber kann auch dieser Mut machende Film nicht beantworten: Reicht die Zeit, um die Katastrophe zu verhindern? Gore glaubt daran, auch wenn die USA inzwischen wieder aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind.

Von Stefan Stosch / RND

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