„Der Nebel hat sich gelichtet“ - Australischer Pianist David Helfgott spielt in Leipzig

Der australische Pianist David Helfgott spielt in Leipzig.

Der australische Pianist David Helfgott spielt in Leipzig.

Leipzig. Mittlerweile ist er 65 – und derzeit ausgerechnet mit diesem Teufelsstück in Deutschland auf Tournee, am Freitagabend spielt er es im Leipziger Gewandhaus. „Es ist wunderbar, es ist mein absolutes Lieblingsstück“, sagt Helfgott dazu nur knapp.

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Millionen Menschen kennen sein Schicksal aus dem Film „Shine“: Geoffrey Rush erhielt 1997 für die Darstellung des zwischen Genie und Wahnsinn zerrissenen Pianisten einen Oscar. Helfgotts Einspielung von „Rach drei“ führte monatelang internationale Hitlisten an, seine Konzerte wurden zum Siegeszug.

Derzeit ist Helfgott mit den neu gegründeten Stuttgarter Symphonikern auf Tour. Beim Auftakt in Wien forderte das Publikum sage und schreibe fünf Zugaben ein. „Nicht nur die Zuhörer, auch die Musiker sind zu Tränen gerührt“, berichtet Orchestergründer Walter Schirnik. „Helfgott spielt so ehrlich und leidenschaftlich, dass der Funke auf alle überspringt.“

„Schizoaffektive Störung“ heißt die Krankheit des Musikers. „Ich fühle mich gut, wie ein Känguru“, sagt er selbst. Seine um 15 Jahre ältere Frau Gillian, die ihm in den 80ern nach seinem psychischen Absturz wieder auf die Bühne half, ist seither stets an seiner Seite – als Ersatzmutter, Geliebte und Dolmetscherin. „Er denkt zu schnell. Deshalb bekommt er etwas, das ihn ein bisschen runterdimmt. Sonst kriegt er einfach zu viele Informationen auf einmal“, sagt sie. Keine Sekunde kann der schmächtige Mann mit den dicken Brillengläsern stillsitzen. Er rutscht umher, fuchtelt mit Armen und Beinen, küsst und herzt selbst wildfremde Menschen. Das deutsche Publikum findet er „wunderbar, wunderbar, wunderbar“ und freut sich wie ein Kind.

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Als wahrer Grund für seine Krankheit gilt das schwierige Verhältnis zum herrschsüchtigen Vater (in „Shine“ gespielt von Armin Mueller-Stahl). Der Einwanderer aus Polen, selbst aus bescheidenen Verhältnissen, wollte den begabten Sohn um jeden Preis zum Star machen. Zunächst begann tatsächlich eine glänzende Karriere, bis er nach emotionalen Störungen zusammenbrach. Es folgten Jahre in der Nervenheilanstalt, die Ärzte verboten ihm das Klavierspielen.

Als die Astrologin Gillian ihn 1983 kennenlernt, ist er am Ende. „Ich hatte die Musik verloren. Aber der Nebel hat sich gelichtet. Ich habe überlebt“, sagt er heute. Ob er mit 65 nicht langsam an den Ruhestand denkt? „Oh nein, nie, nie, nie. Wer mir die Musik wegnimmt, nimmt mir mein Leben.“

Freitag, 20 Uhr, Gewandhaus: David Helfgott spielt Rachmaninoffs drittes Klavierkonzert und Solowerke; es begleiten die Stuttgarter Symphoniker unter Matthias Foremny. Karten (64/55/46 Euro) an der Abendkasse oder unter Telefon (0341) 12 70 280.

Nada Weigelt

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