Ist der Mensch als Fairplayer geboren?

Traum von der großen Chance: Der junge Costaricaner möchte Sänger werden.

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Hannover. Die Welt ist eine für Ellbogenbewehrte, das Ideal der Gleichheit aller sehen vor allem die mit den spitzesten Ellbogen als humanistische Spinnerei. Der englische Filmemacher Alex Gabbay widmet sich in seiner wortlastigen, eher spröden Dokumentation „Fairness – Zum Verständnis von Gerechtigkeit“ einem abstrakten, schwer greifbaren Sujet.

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Was im Dunkeln geschieht, ist wie ungeschehen

Gabbay stellt Forschungsprojekte vor, die den Schluss naheliegen, dass der Gerechtigkeitssinn dem Menschen angeboren ist, dass er aber je nach Kultur unterschiedlich stark befördert wird. Er beleuchtet den Rassismus im indischen Kastensystem und das Erbe der amerikanischen Sklaverei, schaut auf die Gier der Reichen und konstatiert deren Doppelmoral: Wenn Steuerhinterziehung im Dunkeln geschieht, ist sie nicht geschehen. Man kann Wein dem gepredigten Wasser vorziehen, wenn niemand in den Krug schauen kann.

Breit akzeptierte Ungerechtigkeit

Der moralische Kompass scheint vielen verloren gegangen zu sein in einer verwirrenden „Anything goes“-Welt, in der der Druck zu (über-)leben und zu sorgen so groß ist, dass man sich Gerechtigkeitsempfinden oft nur für den engsten Kreis leisten kann. Der Filmemacher findet – breit akzeptierte - Ungerechtigkeit, wohin er auch blickt, aber auch Menschen (oft sind sie wohlhabend und gebildet), die vertikal für eine fairere Gesellschaft kämpfen.

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Oder sogar horizontal in die Zukunft wirken wie die elfjährige Amerikanerin Hazel, die im „Our Children’s Trust“ gegen die Regierung von Oregon klagt, um Gerechtigkeit für kommende Generationen sicherzustellen. Das Fazit von Gabbays vielen sprechenden Köpfen in diesem Film: Ungerechtigkeit ist menschengemacht, Veränderung somit möglich. Das ist kein „Happy End“, eher ein „Happy Beginning“, keine Beruhigungspille für den Zuschauer, sondern ein Weckruf.

Von Matthias Halbig / RND

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