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Wege zur Versöhnung

Der Berg zwischen Schmerz und Reue – das Terrordrama „Maixabel“ von Icíar Bollaín im Kino

Leibwächter folgen ihr auf Schritt und Tritt: Das Leben von Maixabel (Blanca Portillo) hat sich seit dem Anschlag verändert.

Die Gefahr war immer da und ist nun mit brutaler Gewalt Wirklichkeit geworden. Schon seit Jahren stand der sozialistische Zivilgouverneur Juan Mari Jáuregui auf den Todeslisten der baskischen Untergrundarmee ETA. Ausgerechnet er, der sich stets für den Dialog mit der separatistischen Organisation eingesetzt hat, wird im Jahr 2000 kaltblütig in einem Café mit zwei Schüssen in den Hinterkopf ermordet. Während Familie und Freunde im Krankenhaus fassungslos die Todesnachricht bekommen, stoßen die drei Attentäter nach der Flucht auf die vollbrachte Operation an. Vier Jahre später werden sie verhaftet und zu hohen Haftstrafen verurteilt.

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In den 51 Jahren ihres Bestehens bis zu ihrer Selbstauflösung im Mai 2018 fielen 829 Menschen der terroristischen Gewalt der ETA zum Opfer. In ihrem bewegenden Film „Maixabel“ zeigt Icíar Bollaín („Rosas Hochzeit“) die tiefen Risse, die diese Gewalt in die baskische Gesellschaft hinein getrieben hat.

Bollaíns Protagonistin hat sich viele Feinde gemacht

Elf Jahre nach dem Attentat leitet die Witwe des Ermordeten Maixabel (Blanca Portillo) eine Organisation, die nicht nur den von der ETA getöteten Menschen, sondern auch jener Opfer gedenkt, die durch die Gewalt der baskischen Polizei und der „Antiterroristischen Befreiungsgruppe GAL“ umgekommen sind. Damit hat sie sich zwischen den verhärteten Fronten viele Feinde gemacht. Ohne Leibwächter kann Maixabel nicht aus dem Haus.

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Schließlich bekommt sie einen Anruf einer Mediatorin (Tamara Canosa), die Gespräche zwischen inhaftierten, ehemaligen ETA-Mitgliedern und den Angehörigen der Opfer organisiert. Zwei Männer des Kommandos, das für den Mord an ihrem Mann verantwortlich ist, möchten mit Maixabel sprechen. Einer von ihnen ist Ibon (Luis Tosar), der sich von der ETA distanziert hat. In ihm wächst zunehmend die Bereitschaft, sich mit den Folgen der eigenen Untaten zu konfrontieren.

Maixabel lebt im Schatten der furchtbaren Erinnerung

Mit enormem Feingefühl lotet Bollaín auf beiden Seiten die Ängste und emotionalen Hürden vor einem solchen Gespräch aus. Der Mord an ihrem geliebten Mann hat Maixabel für immer verändert. Ein normales Leben ohne den Schatten der schmerzhaften Erinnerung sind für sie und ihre Tochter (María Cerezuela) nach dem Attentat nicht mehr möglich gewesen. Ibon hingegen hat erst nach seiner Verhaftung in der Einsamkeit seiner Zelle Schuld- und Reuegefühle entwickelt.

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Wenn die beiden aufeinandertreffen, ist das ein langsames Vortasten, in dem Emotionen, Positionen, Wut, Schmerz und Ängste allmählich sichtbar werden. Gerade durch die gezielt nicht dramatisierende Inszenierung werden diese Gespräche auch für das Publikum zu einer berührenden und ungeheuer interessanten Kinoerfahrung. Denn man kann hier miterleben, welche enorme Anstrengung und persönliche Stärke der Prozess der Versöhnung von beiden Seiten einfordert. Mit „Maixabel“ ist Bollaín ein kluger, umsichtiger Film über das Wesen von Reue und Versöhnung gelungen.

„Maixabel“, Regie: Icíar Bollaín, mit Blanca Portillo, Luis Tosar, María Cerezuela, 115 Minuten, FSK 12

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