Neuer Literaturpreis an Juan S. Guse verliehen

Literarischer Salon: Der Autor Juan S. Guse gewinnt den ersten Hannoveraner Literaturpreis.

Literarischer Salon: Der Autor Juan S. Guse gewinnt den ersten Hannoveraner Literaturpreis.

Hannover. In seiner Bachelorarbeit hat er die Enttäuschungsabsorbtion in diesem Bereich analysiert, aber auch den Weg zum Erfolg, der bei Schriftstellern fast immer über Literaturpreise führt, hat er wissenschaftlich beschrieben. Im kommenden Jahr wird er die Arbeit an diesem Thema in einer Promotion vertiefen. Kaum jemand dürfte besser wissen, was es theoretisch bedeutet, einen Literaturpreis zu erhalten. Da erscheint es doppelt bemerkenswert, wenn Guse nun den erstmals vergebenen Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover selbst entgegennehmen konnte.

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Außer als Wissenschaftler betätigt sich der 1989 in Seligenstadt geborene Guse als Herausgeber, als Journalist (u.a. für das RND), als Lektor, als Festivalleiter – und als Autor. 2015 ist sein erster Roman „Lärm und Wälder“ im renommierten S. Fischer Verlag erschienen. Für dieses Werk, das gleich darauf mit dem Hallertauer Debütpreis ausgezeichnet wurde, hat er am 15. Dezember die mit 10 .000 Euro dotierte Auszeichnung erhalten.

Der Literaturpreis, der künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit dem städtischen Hölty-Preis für deutschsprachige Lyrik vergeben wird, soll Schriftsteller fördern, die am Anfang ihres künstlerischen Schaffens stehen und einen Bezug zu Hannover haben. In seinem Roman porträtiere Guse „die Angst von denen, deren Ausgrenzung die Voraussetzung ist für den Reichtum einer bürgerlichen Elite“, heißt es in der Begründung der Jury. Seine „kühle, präzise Prosa“ zeige die „Gegenwart als schwelende Katastrophe“.

Stadt der Bücherschränke

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Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok zitierte diese Begründung bei der Verleihung und schloss direkt die Ehrung an: „Mit diesen optimistischen Worten darf ich Ihnen die Urkunde überreichen.“ Zuvor hatte er in einem ausführlichen Grußwort dargelegt, warum Hannover auch als Literaturstadt wahrgenommen werden sollte: unter anderem weil es hier so aktive Büchereien, Bibliotheken und Buchhändler gebe, den Poetry-Slam, das Literaturhaus, pädagogische Lesehelfer und viele öffentliche Bücherschränke.

Komplexer fiel die literarisch geschliffene Laudatio der Autorin Kathrin Röggla aus, die den ausgezeichneten Roman als „Text über all die dystopischen Fantasien von Einschlüssen und Ausschlüssen“ lobte, der den „Crash eines Sicherheitsdispositivs“ vorführe, das sich „vom benthamschen Überwachungsbild Foucaults meilenweit entfernt“ habe.

Viel mehr erfuhr man an diesem Abend über „Lärm und Wälder“ nicht, denn der Autor, der nach einer guten Stunde endlich selbst zu Wort kam, las statt aus seinem preisgekrönten Erstling aus einem neuen, noch nicht abgeschlossenen Buchprojekt: eine Szene in einer gewaltigen endzeitlichen Betonburg, in deren Untergeschossen Jugendliche mit längst vergessenen Abrissbirnen hantieren und für die das Ihme-Zentrum („Mein Liebligsort in Hannover“) Pate gestanden hat.

In seinem kurzen Auftritt präsentierte sich Guse als souveräner und skrupulöser Schriftsteller , der komplizierte Dinge ausspricht und doch sehr darauf bedacht ist, verständlich zu sein. Er redet auf charmante Weise stockend und eloquent zugleich und wirkt dabei wie jemand, der sich verwundert selbst beobachtet. Am Ende verlässt er die Bühne mit dem Satz „Ich hoffe, ich habe es gut gemacht“. Der warme, ausdauernde Applaus, der seinen Abgang begleitet, zeigt, dass diese Hoffnung sich erfüllt hat.

Von Stefan Arndt/RND

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