Zeitgeschichtliches Forum

Der TV-Straßenfeger „Tatort“ zieht ins Museum ein

Plakat zur Ausstellung

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Leipzig. Im Zentrum des Kriminalfilms steht in der Regel ein Mord. Die Darstellung der Gewalt spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen: Während Tötungsdelikte real zurückgehen, wächst die Zahl der Toten auf den Bildschirmen. Warum schauen wir uns das an?

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Der Krimi am Sonntagabend bedient das offenkundige Bedürfnis nach spannender Unterhaltung und hat sich daher seit 1970 für viele als geradezu ritueller Ausklang des Wochenendes etabliert. Mit dem Aufgreifen regionaler Identitäten, der Verarbeitung politisch-sozialer Themen und der Inszenierung von Tod und Schuld ist der „Tatort“ darüber hinaus ein wichtiges Medium gesellschaftlicher Debatten.

Büroschild für das legendäre Ermittlerteam im Duisburger "Tatort" aus den 1980er Jahren

Büroschild für das legendäre Ermittlerteam im Duisburger "Tatort" aus den 1980er Jahren

Auch in der DDR konnte das von der SED gesteuerte Fernsehen auf ein solches Format nicht verzichten, obwohl das Verbrechen im „real existierenden Sozialismus“ eigentlich keinen Platz mehr haben sollte. Hier gehörte der Fernsehkrimi mit dem als Gegenstück zum “Tatort“ konzipierten “Polizeiruf 110“ ebenfalls zu den beliebtesten Sendungen. Die gesellschaftspolitische Wirklichkeit fand darin jedoch nur in Teilen Eingang.

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Der Ausstellungsrundgang folgt der Dramaturgie des Kriminalfilms: Ein Fall ist zu lösen, die Polizei nimmt Ermittlungen auf, die - unterstützt durch Spezialisten in ihren Labors - zur Überführung und Verhaftung des Täters oder der Täterin führen. Am Ende bietet sich ein buntes Panorama zu den Produktionsbedingungen und zur Publikumswirkung des „Tatort“ und des “Polizeiruf 110“ der DDR.

Erste deutsche Fernseh-Ermittlerin: Vera Arndt, gespielt von Sigrid Göhler, im "Polizeiruf 110"

Erste deutsche Fernseh-Ermittlerin: Vera Arndt, gespielt von Sigrid Göhler, im "Polizeiruf 110"

Unterhaltsam und informativ lädt die Ausstellung dazu ein, über die Rolle von Realität und fiktionaler Erzählung im Fernsehen, aber auch über die Auseinandersetzung mit Schwerstkriminalität in der deutschen Gesellschaft nachzudenken.

"Tatort. Mord zur besten Sendezeit"; Sonderausstellung vom 11. Juni 2021 bis 16. Januar 2022 (verlängert bis 6. Februar 2022) im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig; Voraussetzung für den Besuch ist die jeweils gültige sächsische Coronaschutzverordnung

Von PM/LMG

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