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Buch- und Schriftmuseum

Dichtung in 3D: Sonderschau präsentiert poetische Skulpturen

Dom Sylvester Houédard: Frog Pond Plop, 1965; Exponat in der Ausstellung "Dichtung in 3D“ des Deutschen Buch- und Schriftmuseums Leipzig

Dom Sylvester Houédard: Frog Pond Plop, 1965; Exponat in der Ausstellung "Dichtung in 3D“ des Deutschen Buch- und Schriftmuseums Leipzig

Leipzig. Ob Konkrete oder Akustische Poesie, ob Textfilme, Papierarbeiten oder Beispiele früher digitaler Poesie: Gezeigt werden radikale Ansätze renommierter Vertreterinnen und Vertreter der experimentellen Poesie, die die facettenreichen Verbindungen von linearem Text und raumgreifender Form zeigen.

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Mit überraschend moderner Haltung und klaren Statements zur Entgrenzung des Mediums Buch bereichern die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten den aktuellen Feuilleton-Diskurs um das sog. „Ende des Buches“.

Grenzen zwischen den künstlerischen Disziplinen verschwimmen

Die 1960er Jahre waren eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche. Soziale Normen und bürgerliche Konventionen wurden genauso auf den Prüfstand gestellt wie politische Autoritäten. Bildende Künstlerinnen und Künstler hinterfragten tradierte Produktionsprozesse und etablierte Werkbegriffe. Aus Europa und Übersee trafen sich Künstlerinnen und Künstler bei Ausstellungen und auf Festivals. Avantgardistische Publikationen trugen zu einer Verbreitung von Ideen, Werken und Konzepten bei.

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In der Literatur waren mit Visueller, Konkreter und Akustischer Poesie, mit Textfilmen und digitaler Poesie vergleichsweise radikale Ansätze zu verzeichnen. Großen Einfluss auf die Entwicklung der Gedichtobjekte hatten vor allem die Konkrete und Visuelle Poesie. Die neu geschaffenen Textskulpturen überwanden Grenzen zwischen den künstlerischen Disziplinen. Sie lösten den Text von der Fläche des Papiers und verleihen ihm eine räumliche Dimension. Die Dichtung in 3D stellt eine wichtige Facette der Erweiterung und Entgrenzung der Literatur dar, die in ihrer internationalen Dimension bisher nur wenig Beachtung gefunden hat.

Peter Downsbrough: PLACE / AS, OR, TO, IF, 1990

Peter Downsbrough: PLACE / AS, OR, TO, IF, 1990

Holografien und Performances

Die rund 80 in der Ausstellung gezeigten Objekte zeigen die vielfältigen Möglichkeiten der Verbindungen von Text und skulpturaler Form. Besonders kommen Medien, Materialien und Techniken zum Einsatz, die gerade für die Literatur neu und ungewohnt sind: Transparentes Acryl ermöglicht Effekte von Überlagerungen unterschiedlicher Textebenen sowie Spiegelungen und Reflektionen. Holografien lassen Verse schweben. Fotografie und Film dienen der Aufzeichnung von ephemeren Aktionen und Performances, bei denen skulpturale Buchstaben in Stadträumen und Landschaften inszeniert werden.

Mitunter wird auch der menschliche Körper zur Textskulptur. Nur wenige Objekte wie Klappkarten, deren Texte sich beim Öffnen wie die Figuren eines Pop-Up-Buchs aufstellen, erinnern noch an aufgeschlagene Bücher.

Wechsel von Perspektiven

„Meditationsgünstige Objekte“ nennt der Dichter Eugen Gomringer die Werke der Konkreten Poesie. Als dreidimensionale Arbeiten erschließen sie sich oft erst durch den Wechsel von Perspektiven oder das „Begreifen“.

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Die Ausstellung lädt zum Nachdenken ein: Was kann ein Text jenseits von auf Papier gedruckten Zeilen sein? Welche sinnlichen Eindrücke kann das Lesen über die sprachlichen Inhalte hinaus vermitteln? Welche Rolle spielen Materialien und Techniken? Wie lässt sich die Welt mit abstrakten Zeichen beschreiben?

Gezeigt werden internationale Positionen mit Arbeiten u.a. von Alain Arias-Misson, Arman, Nanni Balestrini, Josef Bauer, John Cage, Augusto de Campos, Carlfriedrich Claus, Attila Csernik, Klaus-Peter Dencker, Peter Downsbrough, Valie Export, John Furnival, Heinz Gappmayr, Jochen Gerz, Carlos Ginzburg, Dietrich Helms, Dom Sylvester Houédard, Dieter Jung, Miroslav Klivar, Milan Knížák, Ferdinand Kriwet, Gastão de Magalhães, Franz Mon, Ewa Partum, Octavio Paz, Julio Plaza, Géza Pernecky, Gerhard Rühm, Konrad Balder Schäuffelen, Takahashi Shohashiro, Regina Silveira, Karel Trinkewitz, Timm Ulrichs, Peter Weibel.

Anlässlich der Ausstellungen „Dichtung in 3D“ im Deutschen Buch- und Schriftmuseum und der parallel stattfindenden Ausstellung „Skulpturale Poesie“ (26.3. bis 14.8.2022) im Zentrum für Künstlerpublikationen (Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen) erscheinen bei Grass Publishers die ersten fünf Ausgaben der Editionsreihe paper-poem-objects, herausgegeben von Christoph Benjamin Schulz.

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Die in Kooperation mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum und der Weserburg, Bremen erschienene Editionsreihe ist im Museum erhältlich. Eine Publikation zu Skulpturaler Poesie ist in Vorbereitung.

Dichtung in 3D. Textskulpturen und Gedichtobjekte seit 1960; Ausstellung vom 8. April bis 30. Oktober 2022 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Von LMG/PM

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