Leipziger Galerie Eigen+Art

Erste Doppelausstellung mit Werken von Imre Bak und Karl-Heinz Adler

Arebiten von Imre Bak in der Galerie Eigen+Art auf dem Leipziger Spinnereigelände.

Arebiten von Imre Bak in der Galerie Eigen+Art auf dem Leipziger Spinnereigelände.

Leipzig. Am Wochenende der Vernissage dieser Ausstellung ist der Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler gestorben. Nun hat er endgültig den Status einer Legende. Und so kann man auch seinen noch tätigen ungarischen Kollegen Imre Bak bezeichnen. Die beiden Seelenverwandten vereint die Galerie Eigen+Art seit Anfang November erstmals in einer Doppelausstellung. Gemeinsam ist ihnen neben der künstlerischen Haltung der Fakt, dass sie diese nicht frei entfalten konnten.

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Während die Abstraktion im Westen gefeiert und aus ideologischen Gründen sogar geheim gefördert wurde, war sie ebenfalls aus ideologischen Gründen im Ostblock teils verboten, bestenfalls geduldet. Adler und Bak gingen auf verschiedene Weise mit diesen Bedingungen um.

Im Werk des 1939 in Budapest geborenen Imre Bak kann man manchmal gegenständliche Assoziationen herauslesen. „Eastern Middle Ages“ könnte eine architektonische Skizze sein, bei „Chrysler“ sorgt schon der Name des Bildes für mögliche Interpretationen. Das sind allerdings Gemälde, die 1993 beziehungsweise 2011 entstanden sind, als es auch in Ungarn keine Zensur mehr und noch nicht wieder gab.

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Auswahl aus fünf Jahrzehnten

Drei Bilder der Ausstellung sind noch in der sozialistischen Phase entstanden. „Black and White“ von 1982 zeigt ebenfalls Nähe zur Architektur. „Blue Picture“ 1 und 2 aber, gemalt 1967, sind ganz nah dran an den großen Helden der westlichen Moderne jener Zeit. Die zwei monochromen, auf der Spitze stehenden Quadrate werden von linearen Gebilden durchzogen, nicht scharf abgegrenzt, sondern mit einer Vibrationen erzeugenden Pinseltechnik.

Andere, später entstandene Bilder setzen Rechtecke in Beziehung zueinander und wirken trotz teils intensiver Farben deutlich kühler.

Karl-Heinz Adler, 1927 im Vogtland geboren, am 4. November in seiner Wahlheimat Dresden gestorben, erscheint konsequenter in seinem Werk, das hier in einer Auswahl aus fünf Jahrzehnten gezeigt wird.

Es ging ihm stets um das Durchspielen diverser Varianten, die man aus geometrischen Grundformen oder einfachen Linien bilden kann. Das passiert auf dem Papier mit Lineal und Stift, auf der Leinwand mit dem Pinsel oder auch mit Schichtungen zurechtgeschnittener, teils verformter Platten aus unterschiedlichem Material.

Mit dieser eingeschränkten Basis schafft er eine scheinbar unerschöpfliche Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten. Leichte Unschärfen in der Umsetzung bewahren die Arbeiten davor, ins Reich der dekorativen Gebrauchskunst eingeordnet zu werden.

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Aufgabe zukünftiger Kunsthistoriker

Allerdings ist heute, wo man mit dem Computer ohne vertiefte Fachkenntnisse ähnliche Variationen in Sekundenschnelle generieren kann, die historische Einordnung von Adlers Werken für ihre Würdigung unverzichtbar.

Unter andern biografischen Rahmenbedingungen hätten Bak und Adler in den Lehrbüchern unter dem Stichwort Konkrete Kunst in einer Reihe mit Josef Albers, Max Bill oder Georg Karl Pfahler genannt werden können. Das bleibt eine Aufgabe zukünftiger Kunsthistoriker.

Die Abstraktion hat für reichlich 100 Jahre die Kunstlandschaft entscheidend geprägt. Auch wenn heute noch neue Namen auftauchen, scheint das begrenzte Feld der Möglichkeiten weitgehend abgeschritten zu sein, sowohl in der geometrisch orientierten Ausrichtung als auch der expressiven. Insofern ist die Ausstellung ein kleiner Nachruf auf eine fast abgeschlossene Periode.

Karl-Heinz Adler / Imre Bak: bis 20. Dezember, geöffnet Di-Sa 11-18 Uhr; Galerie Eigen+Art Leipzig, Spinnereistr. 7 in Leipzig

Von Jens Kassner

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