Clemens Meyers "Galoppgeflüster"

Fragen über Fragen vor dem Aufgalopp am 1. Mai im Scheibenholz

Vollblut-Schriftsteller mit Vollblut-Leidenschaft: Clemens Meyer gibt in seiner neuen LVZ-Kolumne "Galoppgeflüster" ab sofort persönliche Einblicke in die Welt des Pferderennsports.

Vollblut-Schriftsteller mit Vollblut-Leidenschaft: Clemens Meyer gibt in seiner neuen LVZ-Kolumne "Galoppgeflüster" ab sofort persönliche Einblicke in die Welt des Pferderennsports.

Leipzig. Wie gut ist Mount Juliet vom Rennstall Scheibenholz drauf? Hat der erste Saisonstart im Hoppegarten ihn weitergebracht? Kann die sechzigköpfige Besitzergemeinschaft endlich jubeln? Was hat der Trainer Marco Angermann über die letzten Arbeiten des Pferdes erzählt? Ist das am 1. Mai, das sogenannte GUTE DING? Die Stallform stimmt ja, Mister Spock gewann in Hannover einen gut besetzten Ausgleich II. Ziemlich leicht sogar. Ich war dabei, auf der neuen Bult, hab mich heiser gebrüllt, kleiner Einsatz, großes Glück, oder war es umgedreht? Turfgeflüster: Die kommen mit dem und dem Pferd den langen Weg nach Leipzig doch nicht umsonst, die wollen hier gewinnen! Oder macht der olle Dzubasz aus Hoppegarten wie immer die Dinger in Leipzig klar, oder haben die Dresdner sich wieder was ausgefuchst?

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Und in den Tagen vorm Aufgalopp gehe ich leise und vorsichtig durch die Stallungen hinter der Bahn, man muss genau hinhören und hinschauen, um den alten Legenden des Scheibenholzes in den Boxen zu begegnen, da schnaubt und wiehert es aus längst vergangenen Zeiten, als die Pferde hier dicht an dicht standen. Dreißig Rennen im Jahr. Derbystarter, Trainerlegenden, alte Meister, junge Füchse. An der Gedenktafel für den großen Birkhahn bleibe ich kurz stehen. „Oh Falada, der du da hangest“, wie es im Märchen heißt. Birkhahn wurde einst in Leipzig trainiert und gewann kurz nach dem Krieg die größten Rennen, in Ost- und Westzone. Turflegenden, Turfgeschichten. Aber wenn die Boxen sich endlich wieder öffnen am 1. Mai, mit einem Knallen, zählt nur dieses kleine Stück Gegenwart, da blenden wir die Welt aus, das ist das Turfglück.

Als Kind kam es mir endlos vor, die langgezogene Linie der Pferde, eine Minute, zwei Minuten, die Hufe donnern übers Geläuf, die Zeit scheint zu stehen, dehnt sich, wie lang zwei Minuten sein können, und dann auf einmal, Zielgerade, die letzten Reserven werden mobilisiert, Pferde und Jockeys kämpfen, Endkämpfe, die Stimme des Kommentators wird immer lauter und emotionaler. Fotofinish? Sieg oder Niederlage liegen dicht beieinander in diesem faszinierenden, traditionsreichen Sport. Bewahren wir ihn uns. Es gibt viel zu erzählen!

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Von Clemens Meyer

An dieser Stelle schreibt Kult-Schriftsteller Clemens Meyer, 39, in regelmäßigen Abständen über seine große Liebe, den Galoppsport. Die nächste Kolumne erscheint Ende Mai.

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