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Buchmesse

Geburtstagskind Dirk von Lowtzow mit Buch und Gitarre im Conne Island

„Date mit Dirk“: Tocotronic-Musiker Dirk von Lowtzow, seit gestern 48, zur Buchmesse im Conne Island.

„Date mit Dirk“: Tocotronic-Musiker Dirk von Lowtzow, seit gestern 48, zur Buchmesse im Conne Island.

Leipzig.Was für ein schöner Tag: Er habe heute Geburtstag, sagt der Jungautor feierlich, nachdem er die am Donnerstag zahlreich erschienenen Gäste im dicht an dich bestuhlten Conne Island wie bei einem Rockkonzert mit einem lauten "Hallo Leipzig!" begrüßt hat. Und statt dem Geburtstagskind ein Ständchen zu singen, beschenkt Dirk von Lowtzow das Publikum selbst mit dem Lied "Date mit Dirk". Für Kenner: Der nicht ganz so versteckte Hidden Track vom sogenannten Roten Album (2015). Nur mit Akustikgitarre begleitet trällert der Tocotronic-Sänger die wundersam-verspulten Zeilen von seinem Streifzug durch die Natur mit Dirk, von dem er wissen will, "ob er mich noch mag".

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„Narzisstischer wird es nicht mehr“, verspricht von Lowtzow grinsend. Was natürlich nicht ganz stimmt. Das Buch „Aus dem Dachsbau“, das er an diesem Abend präsentiert, handelt schließlich vom jungen und nicht mehr ganz so jungen Dirk von Lowtzow und wie er die Welt sieht. Verpackt hat der gebürtige Offenburger – im Klappentext ist von einer „Kindheit und Jugend in der Schwarzwaldhölle“ die Rede – das in etwa 70 alphabetisch geordnete Miniaturen. Von A wie ABBA bis Z wie Zeit.

Eigentlich handelt das ganze Buch von Alexander

Das Praktische an diesem Aufbau sei, dass er dadurch schnell die richtigen Stellen zum Vorlesen finde und sich die sonst bei Lesungen üblichen Klebezettel sparen könne. Sagt der Autor, während er über einen etwas zu niedrigen Tisch gebeugt sitzt, das Büchlein zwischen Mikrophon und Leselampe haltend durchblättert. Tatsächlich ist das literarische Erstlingswerk sorgfältig durchkomponiert. Nach dem Beginn mit „ABBA“, deren „Harmoniegesänge und Discobeats“ für den jungen Dirk ein kleines Glücksversprechen darstellen, folgt mit „Alexander“ ein erster Text über einen engen Kindheitsfreund, der bereits 1996 an einem Hirntumor verstorben ist. „Eigentlich handelt das ganze Buch von ihm.“

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Über die erste Begegnung mit Alexander schreibt der jetzt 48-Jährige rückblickend: „Als ich ihn sehe, bin ich sofort verliebt. Er ist wie ich, er ist mein Spiegel, aber er hat ein heiteres, aufgeschlossenes Gemüt.“ So locker und gar witzig die Texte daherkommen, führen sie doch in einige Untiefen und Abgründe. Man erfährt, dass sich Dirk oft einsam, unsicher und deplatziert vorgekommen ist. Ob bei einem „Freizeitskiausflug“ mit zukünftigen Mitgliedern der Jungen Union, beim Vorsprechen an einer Schauspielschule oder den Dreharbeiten zu einem „feministischen Piratinnenfilm“ in Slowenien.

Zwischendurch greift von Lowtzow immer wieder zur Gitarre und gibt Tocotronic-Titel wie „Solidarität“, „Im Zweifel für den Zweifel“ oder „Schlittenflug“, die eingedeutschte Version von Hüsker Düs „Flexible Flyer“, zum Besten. Die musikalischen Einlagen werden bejubelt, die vorgelesenen Texte teilweise mit andächtiger Stille aufgenommen. Als Zugabe kündigt er einen Country-Song an, gemeint ist „Freiburg“ vom ersten Tocotronic-Album. Ausklingen lässt er seine öffentliche Geburtstagsfeier schließlich mit dem ähnlich gut gereiften „Dieses Jahr“ und der Zeile: „Manchmal wünschte ich, dieser Quatsch wär schon vorbei.“

Von Frank Schubert

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