Auszeichnung

„Hochpoetischer Sound“: Georg-Büchner-Preis geht an Emine Sevgi Özdamar

Die türkisch-deutsche Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022.

Die türkisch-deutsche Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022.

Leipzig. Sie ist die zwölfte Frau, die die renommierte Auszeichnung bekommt: Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin Emine Sevgi Özdamar. Dies teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit.

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Die Jury würdig „eine herausragende Autorin, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt“. Die am 10. August 1946 in Malatya in der Türkei geborene Özdamar, sie feiert am Mittwoch ihren 76. Geburtstag, bereichere seit über drei Jahrzehnten die deutschsprachige Literaturszene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken. „Ungewohnte literarische Stilmittel und aus dem Türkischen inspirierte Sprechweisen prägen ihre multiperspektivischen Texte, die neben intimen persönlichen Erfahrungen ein breites Panorama deutsch-türkischer Geschichte entfalten − vom Ersten Weltkrieg über die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre bis in unsere Gegenwart“, heißt es weiter.

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse

Emine Sevgi Özdamar begann als Schauspielerin, stand mit 12 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne: im Staatstheater der türkischen Stadt Bursa. Nach einem Schauspielstudium und dem Militärputsch von 1971 kam sie Ende der 70er nach Deutschland, arbeitete ab 1976 an der Volksbühne in Berlin mit Benno Besson und Matthias Langhoff; ihr Roman „Seltsame Sterne starren zur Erde“ erzählt von dieser Zeit zwischen Wedding und Pankow. Es ist ein Buch über ein längst versunkenes Berlin. Sie hat in Bochum und Frankfurt am Main gearbeitet, war unter anderem in den Filmen „Happy Birthday, Türke!“ und „Reise in die Nacht“ zu sehen.

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2021 ist ihr Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ erschienen, er war in diesem März für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Vom Osmanischen Reich über die deutsche und Pariser Theaterszene bis in die Gegenwart spanne Emine Sevgi Özdamar einen großen Bogen, hieß es zur Begründung. „Ihr Roman verdichtet die Erfahrungen einer europäischen Grenzgängerin zu einem poetischen und formalästhetischen Gedächtnisraum.“ Özdamar sucht in ihrer Kunst immer auch die politische Auseinandersetzung, so geht diese Preisträgerin – im Wortsinn – mit Sprache um.

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“ und „an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“, wie es in der Satzung heißt. Am 5. November wird die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung in Darmstadt übergeben.

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Georg-Büchner-Preisträger und Preisträgerinnen seit 2000

Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 als Literaturpreis vergeben, erster Preisträger war Gottfried Benn. Es folgten unter anderem Christa Wolf, Heiner Müller, Elfriede Jelinek. Seit 2000 ging die Auszeichnung an: Volker Braun, Friederike Mayröcker, Wolfgang Hilbig, Alexander Kluge, Wilhelm Genazino, Brigitte Kronauer, Oskar Pastior, Martin Mosebach, Josef Winkler, Walter Kappacher, Reinhard Jirgl, Friedrich Christian Delius, Felicitas Hoppe, Sibylle Lewitscharoff, Jürgen Becker, Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb, Clemens J. Setz und in diesem Jahr Emine Sevgi Özdamar.

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert und im Herbst in Darmstadt übergeben. Dann halten die Preisträger ihre viel beachtete Preisrede..

Von jaf

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