"Neuerfindung"

Grassi Museum für Völkerkunde öffnet umgestaltete Dauerausstellung

Blick in die neu gestaltete und modernisierte Dauerausstellung im Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig.

Blick in die neu gestaltete und modernisierte Dauerausstellung im Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig.

Leipzig. Im Rahmen des Zukunftsprogrammes REINVENTING GRASSI.SKD wandelt sich das Haus Schritt für Schritt zu einem Netzwerkmuseum, welches seine Inhalte transparenter als bisher kommuniziert und dabei verschiedenste Partner*innen einbezieht und zu Wort kommen lässt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Diese „Neuerfindung“ ist ein Versuch, das ethnologische Museum in die Zukunft zu führen, und wird von künstlerischen Arbeiten, der kritischen Aufarbeitung musealer Geschichte sowie von einer neuen Roboterflotte begleitet. REINVENTING GRASSI.SKD wird im Rahmen der Initiative für ethnologische Sammlungen der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

„Über ethnologische Museen wird viel diskutiert; nicht nur über ihre koloniale Vergangenheit, auch über ihre zukünftige Relevanz und ihre gesellschaftliche Rolle. Mit dem Projekt REINVENTING.GRASSI.SKD begibt sich unser Museum auf den Weg in eine vielschichtige Umstrukturierung und stellt nun erste Ergebnisse dazu vor“, erklärt Museumsdirektorin Léontine Meijer-van Mensch zur Neuorientierung Ihres Hauses.

Einblicke in die ersten umgestalteten Räume gibt es hier:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Drei künstlerische Projekte konfrontieren das Museum mit seiner Geschichte und fragen nach der Restitution von Objekten. So widmet sich das Kollektiv PARA einer in Leipzig fast vergessenen Geschichte: Der Kolonialgeograph Hans Meyer (1858-1929) entfernte 1889 die Spitze des Kilimandscharo und brachte diesen Stein als Trophäe nach Deutschland. In der künstlerischen Arbeit setzt sich PARA mit der Frage auseinander, ob und wie der Gipfelstein wieder nach Tansania zurückgegeben werden kann.

Des Weiteren werden die Person Hans Meyer sowie die von ihm erworbenen sogenannten Benin-Bronzen näher beleuchtet. Die Bronzen selbst sind vorerst nicht mehr in der Ausstellung zu sehen. Stattdessen werden unterschiedliche Perspektiven auf Eigentumsverhältnisse und Restitution diskutiert. Dazu präsentiert der Künstler Emeka Ogboh (geb. 1977) eine visuelle und auditive Interpretation der Thematik. Seine Arbeit „At the Threshold“ („An der Schwelle“) besteht aus einer Porträt-Serie von Benin-Bronzen, die aktuell Teil der Sächsischen Ethnologischen Sammlungen sind. In Verbindung mit einer Soundspur thematisiert er die An- und Abwesenheit der Bronzen an ihrem Ursprungsort und in den Sammlungen deutscher Museen.

Zudem setzt sich die Fotografin Anja Nitz mit dem Sammlungsdepot als „Herzkammer des Museums“ auseinander. Mit einer Fotoarbeit gibt sie einen ehrlichen Einblick in die museale Kultur des Sammelns und Aufbewahrens.

Lesen Sie auch

Mehr als nur eine ästhetische Renovierung

Die Neugestaltung der Ausstellungsräume geht weit über eine ästhetische Renovierung hinaus. Sie beinhaltet auch eine Reinszenierung des architektonischen und museal-historischen Erbes. Dazu gehört die Restaurierung und nachhaltige Wiederverwendung der „Museumsschränke“ der Dresdner Firma August Kühnscherf & Söhne, die Ende des 19. Jahrhunderts international führend in der Museumseinrichtung waren. Ein großer Teil der Kühn-Scherf-Vitrinen wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten gebliebene Vitrinen werden fortan restauriert und dienen zukünftig als historischer Spiegel der musealen Geschichte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Des Weiteren wurde ein dreiteiliger Backstage-Bereich geschaffen. Hier werden die verschiedenen Arbeitsbereiche des Hauses für das Publikum transparent und erfahrbar. Im „Care Room“ wird die Objektlogistik des Museums in einem gläsernen Restaurierungs- und Forschungsbereich vorgestellt. Der „Raum der Erinnerung“ widmet sich Repatriierungs- und Restitutionsvorhaben. Dieser zweite Bereich ist dezidiert für Herkunftsgemeinschaften nutzbar und schafft einen geschützten Rahmen für Rückführungen. Im „Prep Room“, angelehnt an den gleichnamigen Ausstellungsraum am Museum der National University of Singapore, erproben Gastwissenschaftler*innen und andere Kollaborationspartner*innen neue Formen des Kuratierens.

Im Rahmen einer Förderung von "dive in. Programm für digitale Interaktionen" der Kulturstiftung des Bundes stellt das Museum virtuellen Besucher*innen zudem ELIPS, eine Flotte von acht Telepräsenzrobotern, zur Verfügung. Interessierte können dabei einen der Roboter von zuhause aus steuern und sich mit ihm durch die Ausstellung bewegen. Damit ist der erste Remote-Zugang zu den Sammlungen möglich.

Von PM/LMG

Mehr aus Kultur in Leipzig

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken