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Angewandte Kunst

Kaiserlich tafeln im Bauhausjahr: Grassimuseum stellt sein Programm vor

Angenehme Last: Direktor Olaf Thormann trägt die Glasvase „Windows“ von Yoonyong Kim aus Südkorea. Erworben wurde sie mit Hilfe des Freundeskreises.

Angenehme Last: Direktor Olaf Thormann trägt die Glasvase „Windows“ von Yoonyong Kim aus Südkorea. Erworben wurde sie mit Hilfe des Freundeskreises.

Leipzig.Januar, Zeit der Neujahrsempfänge, der Rück- und Vorausblicke. Im Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst hatte die "kurze Zusammenfassung" von Direktor Olaf Thormann Spielfilmlänge – mit gutem Grund, denn selbst im Kleingedruckten dieser Pressekonferenz steckten Überraschungen. Beginnen wir mit den Zahlen: Exakt 73 675 besuchten das Museum im vergangenen Jahr, das sind rund 6000 weniger als im Vorjahr und rund 2000 mehr als 2016. Zusammen mit Musikinstrumenten- und Völkerkundemuseum, ebenfalls im Grassi ansässig, verzeichnete man 2018 insgesamt 145 000 Besucher.

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Die leichten Schwankungen, so die stellvertretende Direktorin Anett Lamprecht, erklärten sich aus dem Tag der offenen Tür, der nur alle zwei Jahre stattfindet und zuletzt 6500 Besucher lockte. 2018 fand er nicht statt, in diesem Jahr ist er am 10. Februar, bei freiem Eintritt. Rund 700 Veranstaltungen mit 22 000 Besuchern fanden im Museum statt.

Neuzugänge für knapp eine Million Euro

Erneut einen Rekord verzeichnet das Haus bei den Neuzugängen. 2568 Objekte im Gesamtwert von fast einer Million Euro aus den Bereichen Kunsthandwerk, Design, Grafik, Buch und Fotografie kamen ins Museum, so viele wie noch nie nach der Wiedereröffnung vor zwölf Jahren. Der allergrößte Teil davon waren Schenkungen (2437), 131 Stücke wurden angekauft, 66 sind in die Dauerausstellung integriert.

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Die gute Nachricht wirft auch einen Schatten: Es wird immer enger im Museum. "Wir platzen aus allen Nähten", so Thormann. Eine Sammlung zu übernehmen, bedeute jedes Mal umzuräumen, Platz zu schaffen. Das nehme immer mehr Zeit in Anspruch. Die bis 17. März laufende Ausstellung "Grassi Future – Visionen für den Leipziger Johannisplatz" deutet Lösungen an, darf auch als freundlicher Fingerzeig an die Stadt interpretiert werden. Hier ist Potenzial.

Die Dessert-Teller der Kaiserin

Dass auch in diesem Jahr mit hochinteressanten Zuwächsen zu rechnen ist, deutet allein schon eine Foyerausstellung mit dem Titel „Ein Service für Kaiserin Joséphine“ an. Es geht dabei um Dessert-Teller, von denen Joséphine de Beauharnais (1763–1814), Napoleons Ehefrau und Kaiserin der Franzosen, höchstselbst speiste. 1807 war für sie von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin ein umfangreichen Tafelservice angefertigt worden. „Nach ihrem Tod und der Versteigerung des Nachlasses, galt es lange Zeit als verschollen“, sagt Thomas Rudi, Kurator Historische Sammlungen.

Dem in Markkleeberg lebenden Sammler Günther Sterba ist zu verdanken, dass ein großer Teil dieses nicht nur historisch wertvollen Services wieder vereint ist. Über viele Jahre trug er eine Sammlung von 41 Desserttellern zusammen. Sie sind mit detailliert dargestellten Einzelpflanzen nach einer grafischen Vorlage dekoriert. Die geografische Herkunft und der Name der Pflanzen werden in französischer Sprache auf der Tellerrückseite angegeben. Nun sei man in den Schlussverhandlungen für eine Schenkung, freut sich Rudi.

Dass Sachsen beim Bauhaus-Jubiläum mit seinen Gravitationszentren Weimar, Dessau und Berlin keineswegs Zaungast ist, will das Museum mit der Ausstellung „Bauhaus _Sachsen“ (18. April bis 29. September) beweisen, schließlich ist es längst da – mit Schwerpunktthema Bauhaus in seiner Dauerausstellung und den 18 Josef Albers-Fenstern. Die Ausstellung solle einerseits die Werke sächsischer Bauhäusler und prägender Meister wie Wassily Kandinsky, Làszlò Moholy-Nagy, Paul Klee oder Josef Albers in den Fokus rücken, andererseits den Sachsen-Kontakten der Avantgardeschmiede nachgehen, erklärt Thormann. Zur Messestadt und zum Grassimuseum habe das Bauhaus frühzeitig Kontakte unterhalten. „Bauhäusler waren ab Anfang der 20er auf der Grassimesse vertreten.“

Gastland China bei der Grassimesse

Einbezogen werden soll auch das von Oskar Schlemmer geprägte Haus Rabe in Zwenkau, ein Original-Ort, der durchaus noch der Entdeckung harrt. Details einer Kooperation im Rahmen der Ausstellung müssten allerdings noch geklärt werden, erläutert Thormann. Zusätzlich sollen Arbeiten zeitgenössischer Künstler in Dialoge mit historischen Bauhaus-Werken treten.

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Die Grassimesse findet vom 25. bis 27. Oktober statt. Gastland ist diesmal China. „Spitzen des Art Déco“ (9. November bis 11. Oktober 2020) heißt eine Ausstellung, die „Porzellan im Zackenstil“ in der Pfeilerhalle präsentiert. „History in Fashion“ feiert vom 21. November bis 29. März 2020 eine Technik der detailverliebten Verzierung: 1500 Jahre Stickerei. Was nach braver Nadelarbeit klingt, es aber keineswegs sein muss.

Eine Ausstellung über „Lust und Begehren in Kunst und Design“ ab April 2020 dürfte komplett unbrav, wenngleich auch nicht unernst daherkommen. Illustriert werden soll die Vielfalt erotischer Themen. Um soziale Geschlechterrollen, Machtstrukturen, sexuelle Gewalt und Enttabuisierungen soll es gehen. Näheres dazu dann sicher spätestens in einem Jahr.

Von Jürgen Kleindienst

Zum Thema: Mehr News und Ausstellungen der Leipziger Museen

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