Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Leipziger Spinnerei

Künstler aus Peking beim Herbstrundgang

Ottonie von Roeder beim Aufbau ihrer Installation „Cow&Co“ in der Halle 14. Für morgen und Sonntag lädt die Spinnerei zum Herbstrundgang.

Ottonie von Roeder beim Aufbau ihrer Installation „Cow&Co“ in der Halle 14. Für morgen und Sonntag lädt die Spinnerei zum Herbstrundgang.

Leipzig.So traditionell der Spinnerei-Rundgang unterdessen auch sein mag, etwas Neues gibt es immer. So ist in dem Raum mit der Wendeltreppe ab sofort die rumänische Galerie Anca Poterasu für ein Jahr zu Gast. Ein Novum ist auch, dass auf Initiative des MdbK jede Galerie ein originalgrafisches Plakat, zumeist im Siebdruck hergestellt, hat anfertigen lassen. In geballter Form werden diese Blätter dann im Foyer des Museums zu sehen sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Eine weitere Neuerung ist für den Besucher nicht sichtbar. Die Spinnereigalerien haben einen Verein namens Del- Vecchio-Gesellschaft gegründet. Der italienische Kunsthändler Pietro del Vecchio betrieb im frühen 19. Jahrhundert am Leipziger Markt eine Galerie, in der er das Prinzip wechselnder Ausstellungen einführte. Um sich nicht dauerhaft auf die selbstwirkende Strahlkraft der Marke Spinnerei zu verlassen, wollen die heutigen Nachfolger dieses Pioniers gemeinsam etwas tun, um den Standort zu stärken. Ein erstes Resultat der schon lange existierenden, nun aber auf eine organisatorische Basis gestellten Kooperation der Platzhirsche ist die Ausstellung „789 Bejing Art District: Oriental Peach Valley“ in der Werkschauhalle.

Der Art District in der chinesischen Hauptstadt hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Spinnerei, auch wenn dort die ehemaligen Fabrikbauten deutlich jünger sind und es eine behördliche Verwaltung gibt. Durch die Vermittlung eines da ansässigen deutschen Galeristen ist die erste Auswahl Pekinger Künstler zustande gekommen, kuratiert von Esther Niebel. Sie spannt einen Bogen zwischen immer noch spürbaren Traditionen und dem nicht zu übersehenden Einfluss der westlichen Moderne in China.

Viel Malerei und Fotografie ist dabei, aber auch zwei Videos sowie Installationen. Eine Revanche der Spinnerei-Galerien in Peking soll im kommenden Jahr folgen, sogar ein regelmäßiger Austausch aller zwei oder drei Jahre ist angedacht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Laden für Nichts diesmal richtig schick

Und sonst? Da ist die Feststellung, dass Malerei dominiert, nicht all zu überraschend. Doch die Vielfalt dieses Genres ist mal wieder überzeugend breit dokumentiert. Eine Seite dieses Spektrums stellt Moritz Schleimes Cocktail-Ansammlung im Laden für Nichts dar. So kräftig Schleimes Ausdrucksweise und Themenwelt auch ist – der bisher für eine gewisse Ruppigkeit bekannte „Laden“ wurde dafür richtig schick gemacht.

Moritz Schleime vor seinem Bild „Den Arsch voll Angst“ im Laden Für Nichts.

Moritz Schleime vor seinem Bild „Den Arsch voll Angst“ im Laden Für Nichts.

Von der fast altmeisterlichen Genauigkeit eines Cyril Massimelli bei The Grass is Greener bis zur aktionsorientierten Arbeitsweise eines Carsten Fock bei Jochen Hempel reicht die Spannweite. ASPN präsentiert mit Jochen Plogsties und Benedikt Leonhardt gleich zwei LVZ-Kunstpreisträger, ergänzt durch eigenwillige, möbelähnliche Objekte von Erika Hock.

Corinne von Lebusa bei Kleindienst und Katrin Heichel bei Josef Filipp sind alte Bekannte, Frank Moll im Archiv Massiv eher eine Entdeckung. Bei so viel Gemaltem stellen die Installation von Dan Stockholm bei Reiter und die materialorientierten Objekte des Mexikaners Bosco Sodi bei Eigen+Art schon eine Abwechslung dar.

Dass Halle 14 einen Kontrapunkt setzt, ist nun wiederum nichts Neues. Höchstens der Fakt, dass Konzept und Kuratierung von einem Büro für Raumplanung namens tri:polis ausgehen, scheint ein Experiment zu sein. Mit „Neuer Urbaner Produktion“ ist nicht das angestrengte Schielen auf Zahlen des Wirtschaftswachstums gemeint. Im Gegenteil, es geht um alternative Formen des zumeist partizipativen Herstellens und Konsumierens von einem nicht-digitalen 3D-Drucker über Schleuderguss in Styroporblöcken bis zu autarken Kühen, die den Treibstoff für die Melkroboter aus ihren Pupsen gewinnen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Wetter soll sonnig werden an diesem kunstgesättigten Wochenende. Aber das ist in diesem Sommer ja nichts Neues.

Herbstrundgang der Spinnerei: Sa 11–20 Uhr, So 11–16 Uhr, Spinnereistraße 7; Gesamtprogramm unter www.spinnereigalerien.de

Von Jens Kassner

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.