„Grease in der Arena Leipzig“

Läuft trotz allem noch immer wie geschmiert

Das Musical „Grease" in der Arena Leipzig.

Das Musical „Grease" in der Arena Leipzig.

Leipzig. Vor 45 Jahren gab es die Broadway-Premiere, fünf Jahre später folgte mit Olivia Newton John und John Travolta in den Hauptrollen der Leinwandhit: „Grease“ kennt jeder irgendwie. Oder wenigstens kennt jeder irgendwie irgendwas aus „Grease“. Grund genug, der ewig herzig beschwipsten Mutter aller High-School-Musicals noch mal ein Lifting per „Neuproduktion mit Starbesetzung“ zu verabreichen und sie auf Tournee zu schicken. Am Mittwoch führte die in die anständig besuchte Arena.

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So richtig hatten sich Warren Casey und Jim Jacobs wohl einst nicht vorstellen können, was sie für einen Hype auslösen (und Reibach machen) würden, als sie ihre in einem bierseligen Moment geborene Idee in die Tat umsetzten. Ein Musical, das aus den frühen 70ern seiner Entstehungszeit zurückfloh in die noch scheinbar unschuldigen 50er. Mit einer Handlung, die mit Nostalgie und Herzschmerzkitsch so fett eingeschmiert ist, wie die Haare der männlichen Protagonisten mit Pomade. Dass darin freilich zugleich auch eine hübsche Spur Ironie glänzt, verrät schon der Titel dem Casey/Jacobs dem Ganzen gaben: Mit „Schmiere“, oder eben auch „Pomade“ könnte „Grease“ übersetzt werden.

Pomade tragen natürlich auch die Jungs im neuesten Update noch. Wie hier überhaupt erwartungsgemäß alles im Retro-Look die Hüften wiegt. Wenn man auch sagen muss, dass das Bühnenbild dabei weitteilig weniger nach 50er Jahren aussieht, als vielmehr wie eine 80er- Jahre-Phantasie über die 50er Jahre. Ganz abgesehen davon, dass man angesichts des wohl auch aus Gründen des Tour-Pragmatismus nüchtern verschraubten Settings in kühl bunter Neon-Anmutung beim kurz angespielten „Tutti Frutti“ eher an Ringelpiez mit Hugo Egon Balder in einschlägiger TV-Kulisse denkt als an Rock ’n’ Roll mit Little Richard an den Tasten.

Dass dann wiederum die meisten Sprechdialoge sich wegen ihres Sinngehalts hinter „Bop bopa-a-lu a whop bam boo“ nicht zu verstecken brauchen, ist nur folgerichtig. Also hinnehmbar. Problematischer ist, dass Regisseur Christian Stadlhofer von Personenführung ungefähr so viel versteht, wie das Gros der Darsteller vom Schauspielern. Freilich keine Ausnahme im Musical, wo die Handlung in den Momenten ohne Musik und Gesang ja auch mal die Handlung vermissen lässt, und das Personal, zu kleinen Gruppenbildchen drapiert, plappernd die Zeit totschlägt bis zum nächsten Song.

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Aber vielleicht ist auch das hinnehmbar- wenn Tanz, Musik und Gesang hinhauen. Und was nun Tanz und Stimmen in dieser „Grease“-Inszenierung angeht, kann man da nicht meckern. Schon weil so eine Tournee mit Auftritten wie am Fließband knallharte, verschleißende Arbeit ist. Und weil diese „Neuproduktion mit Starbesetzung“ eben nicht mit Stars, sondern mit Anfängern besetzt wurde. Zumindest in den Hauptrollen. Frisch vom Wiener Konservatorium kommt Veronika Riedl, die hier die schüchterne Sandy gibt, während mit der Rolle des smarten Danny der 2017er DSDS-Finalist Alexander Jahnke betraut wurde.

Mehr als die verschmerzbaren stimmlichen Mängel schmerzt ohnehin immer wieder mal der Sound, der die zum melodienreichen Musical hochgezuckerte Melange aus Doo wop und Rock ’n’ Roll in der Arena ziemlich breiig anrührt. So bleibt es an den Sängerinnen und Sängern hängen, aus Hits wie „Born To Hand Jive“, „Summer Nights“, „Sandy“ und natürlich „You’re The One That I Want“ rauszuholen, was fraglos drinsteckt. Diese Melodien einer bonbonbunten Unschuld und herzigen Beschwipstheit, die dann auch in der Arena ihre Wirkung nicht verfehlen. „Grease“ läuft also, trotz allem, immer noch wie geschmiert.

Von Steffen Georgi

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