Arena-Konzert

Maite Kelly sagt, wo es langgeht

Mit Humor und Selbstironie: Maite Kelly am Mittwoch in der Arena Leipzig.

Mit Humor und Selbstironie: Maite Kelly am Mittwoch in der Arena Leipzig.

Leipzig. Ihre Ansage, was sie zu bieten habe, war klar und knackig: "Neue Show, neue Band, neues Kleid!" Und: "Schlag auf Schlag Hit für Hit." Am Mittwoch gastierte Maite Kelly im Rahmen ihrer aktuellen "Die Liebe siegt sowieso"-Tour in der Arena Leipzig. Gekleidet ins schick Schwarze, begleitet von vier Musikern plus Backgroundsängerin und Backgroundsänger. Die zahlreichen älteren und natürlich neuen Hits gab's mit einer für Schlagershows erstaunlichen Prise Humor und Selbstironie.

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Die sich schon zu Beginn zeigt, wenn Maite Kelly als Schattenriss auf der Showtreppe erscheint: und zwar gehörig dampfumflort. Was bei solchen Konzerten erstens nicht selten, hier aber zweitens auch in Sachen Humor und Ironie nicht unwichtig ist, wie sich später noch klären wird.

Berührungsängste schwinden

Erst einmal geht es ans Eingemachte: „Ich nehm’ dich heute Nacht, vielleicht bleibst du für immer!“ singt Kelly und hält dieses Versprechen für gut 100 Showminuten. Reagieren die 2400 Zuschauer zunächst etwas lahm („schüchtern“ nennt Kelly das charmanterweise) auf diese Unmittelbarkeit, weiß die Sängerin zugleich sehr genau, wie man auch Schüchterne in Partylaune und Lahme in den Tanzmodus versetzt.

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Das zeigt spätestens bei „Herzbeat“ erste Wirkung, auch weil der Beat schlagerobligat immer schön auf Eins wummert, sich also super mitklatschen lässt. Weitere Berührungsängste schwinden bei „Touche moi“, das nach schönem Akkordeon-Intro im Pseudo-Tango-Stil zwei schnieke Showtänzer einen Krypto-Flamenco aufs Parkett legen lässt. Dazu singt Kelly: „Berühre mich, zeig mir, wie du mich willst!“

Klingt nach Diva

Ganz klar: Hier sagt die Frau, wo es langgeht. Und das mit selbstbewusster Stimme. Wie gut die klingen kann, fällt das erste Mal bei „Fata Morgana“ auf: „Ich wollte schon immer eine Wüstenprinzessin sein, bin aber wohl eher eine Wüstendiva“, sagt Kelly über die etwas obskure Morgenland-Luftspiegelung lächelnd, die der Song heraufbeschwört. Aber wichtiger als das ist eh etwas anderes: Nach Diva nämlich kann die 39-Jährige tatsächlich klingen.

Da muss man gar nicht bis zum kleinen Pop-Funk-und-Soulmedley warten, das sie später bereithält. Aber gerade, wer sich etwa an James Browns „Sexmachine“ oder auch Tom Jones’ „Sexbomb“ versucht, muss – von Sexappeal ganz abgesehen – stimmlich schon was bieten, will er sich nicht lächerlich machen.

Kelly bietet. Und für einen Moment – auch angesichts der an dieser Stelle vergleichsweise verhaltenen Reaktion des Publikums – ahnt man, wie in einem Land abseits hiesiger popkultureller Unterentwicklung diese Sängerin, sagen wir mal Adele-gleich, mit ganz anderer Musik die Hallen füllen könnte.

Augenzwinkern der Authentizität

Es scheint mit Kelly somit ein wenig wie mit der kleinen Hummel Bommel zu sein, die die Sängerin in ihrem gleichnamigen Kinderbuch zum Leben erweckte und die auch zum Konzert mal auf der Bühne summt. Sie lässt Kelly selbst wie eine Schlagerhummel wirken, die musikalisch gern mal an andere Honigtöpfe fliegen würde. Aber das mag Projektion sein – und falls doch nicht, nimmt Kelly ihr Hummeldasein mit einigem Humor.

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Zumal sie es ja wirklich weit gebracht hat. In den frühen Jahren mit der Kelly Family, so erzählt sie einmal, musste sie sich immer ums Catering kümmern. Kartoffeln kochen etwa. Woran sie bis heute jedes Mal erinnert werde, wenn sie zum Anfang einer Show durch den Bühnennebeldampf schreite.

Überhaupt die Erinnerungen. Mögen sie gern auch mal auf die Tränendrüse drücken, können sie zugleich liebe- und humorvoller kaum ausfallen. Was ein weiterer Grund dafür sein mag, dass Maite Kelly inmitten des falschen Glitzerns der Schlagerwelt immer wieder mal wie ein Augenzwinkern der Authentizität aufscheint.

Von Steffen Georgi

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