Neues Album „Alle Winter wieder“

„Maschine“ feiert Weihnachten

Dieter Birr (Mitte) stellt im Berliner Club „A Seven" Songs seines neuen Weihnachts-Albums "Alle Winter wieder" vor, links: Silly-Gitarrero Uwe Hassbecker.

Dieter Birr (Mitte) stellt im Berliner Club „A Seven" Songs seines neuen Weihnachts-Albums "Alle Winter wieder" vor, links: Silly-Gitarrero Uwe Hassbecker.

Leipzig. Die Idee kam von Sylvia. Die blieb hartnäckig. Die stieß immer mal wieder an. Die redete über Wochen davon – bis dann endlich ein Echo kam. Sylvia ist seit 39 Jahren die Ehefrau von Dieter Birr, der schon ewig Maschine genannt wird, 47 Jahre Frontmann der Puhdys war und seit dem Band-Ende 2016 bereits das Solo-Album „Neubeginner“ veröffentlicht hat.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zwei Jahre später legt er solo nach – mit der Idee von Ehefrau Sylvia. Die wollte nichts irgendwie Rockiges, die wollte etwas Stimmungsvolles. Das hat sie nun bekommen. Das heißt „Alle Winter wieder“ und ist ein Weihnachts- und Jahresende-Album.

Der vierte Einstieg von Dieter Birr in die Welt von Glöckchen, Bärtigem, Geschenken, Wünschen, Sehnsüchten, Erwartungen und Hoffnungen – nach „Dezembertage“ (2001) und „Dezembernächte“ (2006) sowie „Heilige Nächte“ (2013). „Das sollte natürlich keine Neuaufnahme traditioneller Weihnachtslieder werden“, sagt Birr. Er habe sich lieber seine Gedanken zum Fest gemacht.

Die klingen im ersten Teil des Albums mit zwölf Songs (plus einem versteckten) mehr melodisch und besinnlich, während es ab „Geschenke“ (satirisches Duett mit Tobias Künzel im textlichen „Hipp Hipp Hurra“-Modus der Puhdys, Album „Wilder Frieden“) rockiger zugeht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schlagersängerin und Rocker

Eingespielt wurde das Dutzend Lieder über das ganze Jahr hinweg, auch bei Temperaturen, die jede Tanne im Handumdrehen nadeln und jede Kerze im Nu zerfließen ließen. „Es spielt keine Rolle, ob Sommer oder Winter. Wir brauchten einfach nur Fantasie. Man hat ja auch im Sommer Wintergefühle und im Winter Sommergefühle“, sagt Birr.

Natürlich hat er das meiste wieder selber komponiert und getextet, allerdings auch zwei Frauen dazu geholt. Erstmals steuerte Monika Ehrhardt, die Witwe von Reinhard Lakomy, drei Lieder bei. „Ich habe die Lütte im Traumzauberbaum gehört, der Text war so emotional und gut geschrieben“, erzählt Maschine. Bald darauf fragte er an.

Da kam rasch „Matrosenweihnacht“, ein herrlich dahintreibender Song, der an „Seemannsliebe“ („Dezembertage“) erinnert und von der metallic-klaren Stimme von Kerstin Ott („Lebe laut“, „Die immer lacht“) eingefärbt wird. Die reibt sich am rauen, rissigen Birr-Gesang. Aber Schlagersängerin und Rocker – geht denn das überhaupt? „Mein Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht“, meint Dieter Birr, „wir passen gut zusammen.“ Stimmt.

Gina-Sophie Gaebelein geht mit auf Tournee

Von Monika Ehrhardt kam dann noch „Der alte Wolf“ über einen grau gewordenen Vagabunden, der sich „frei und grenzenlos“ (Text) nach einem Zuhause sehnt. „Da hat Monika wohl an mich gedacht“, meint Dieter Birr. Der dritte Text heißt „Ein Fenster in der Stadt“ – und ist richtig in Weihnachtspapier gewickelt. Orchester-Klang legt sich über rockigen Grund, Glöckchen klingeln, eine Geige steigt ein beim Kinderwunsch nach einem warmen Heim ohne kalte Herzen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die zehnjährige Gina-Sophie Gaebelein aus Hohenleuba, international bei klassischen Wettbewerben schon ausgezeichnet, spielt die Geige, singt und wird mit auf Tour gehen (15 Konzerte ab dem 1. Dezember). Da folgt sie ihrer Schwester Chiara, die sechs Jahre älter ist und 2013/14 die Puhdys bei ihren „Heiligen Nächten“ begleitete.

Die schönsten Songs auf „Alle Winter wieder“ sind jene, die wieder unverwechselbar nach Dieter Birr klingen. Jene mit eingängiger Melodien zur Akustik-Gitarre. Jene balladesken Atmosphäre-Malereien aus Gefühl und Geschichtensplitter.

Musikalisch straffe Geradeaus-Lieder

„Alle Winter wieder“ mit dezenten Weihnachts-Klängen, einem Ohrwurm-Refrain und markantem Gitarren-Ausstieg, die besinnlichen „Bilder, die man nie vergisst“ (Erinnerung an Mauerfall und Sturz der WTC-Türme) mit Pianoklängen und akustischem Gitarren-Teppich, „Wegbegleiter“, eine Stimmungs-Erkundung mit Orgel, Piano und melancholischen Saiten-Akkorden – oder „Liebes altgewordnes Jahr“ (Text: Gisela Steineckert) über Jahreswünsche und Jahresgedanken mit Streichquartett.

Daneben gibt es musikalisch straffe Geradeaus-Lieder („Das große Finale“ über Silvester) und „Das neue Jahr ist da“, in dem der Kater zur Selbstbeschwörung wird: „Doch schon morgen werf ich die Maschine wieder an.“

So ist „Alle Winter wieder“ zwar keine rasante Achterbahntour in Rock, besitzt aber immerhin einige Farben. Was sicher auch an den Musikern liegt, die Maschine eingeladen hat: „Ich möchte immer Leute um mich haben, die neue Impulse geben. Wie Uwe Hassbecker, der kreative Ideen eingebracht hat, auf die ich nie gekommen wäre.“ Klar, dass der Silly-Gitarrero auch mit auf „Alle Winter wieder“-Tour geht. Wie Marcus Gorstein, der Keyboarder, der das neue Album produziert hat.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Kein Plan für den 50. Puhdys-Geburtstag

Wie es auf der Bühne zugehen wird bei der Tour, das zeigte Maschine bereits bei der Live-Vorstellung einiger Songs im Berliner Club „A Seven“ am Alex: Fenster mit romanischen Bögen, darüber Kerzenleuchter, hinter den offenen Fenster Schnee-Landschaften, Weihnachtsbaum, Wolkenstimmungen, Wald oder ein einsames Schiff in schwer gehenden Wellen.

Das Cover zur CD strahlte dazwischen. „Das war ’ne kleine Überraschung“, sagt Dieter Birr trocken, „was die Grafikerin aus dem Foto gemacht hat mit den vielen Sträuchern drumherum. Für die Bühne habe ich mir jetzt extra eine blaue Brille machen lassen, damit das Bild stimmt.“

Auch bei einem Thema ist Dieter Birr glasklar: dem 50. Geburtstag der Puhdys (erster Auftritt: 19. November 1969, Tivoli Freiberg). "Da ist nichts geplant", meint er nur, "wir haben vor zwei Jahren aufgehört." Inzwischen läuft der Streit um die Songrechte weiter, tritt Peter Meyer gelegentlich mit Enkel Ludwig und einer Band auf, erzählt Dieter Hertrampf in Clubs Puhdys-Geschichten und spielt Puhdys-Lieder und soll, wird erzählt, Klaus Scharfschwerdt nur für sich allein in der Garage eines Roadies trommeln.

Dieter Birrs neues Album "Alle Winter wieder" erscheint am 16. November;

Tourtermine u.a.: 30. Dezember 2018, Leipzig, Haus Auensee, 3. Januar 2019, Dresden, Kulturpalast, 5. Januar 2019, Halle, Steintorvarieté; Karten erhalten Sie u.a. bei der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1, in unseren Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 und unter www.ticketgalerie.de

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Norbert Wehrstedt

Mehr aus Kultur regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Spiele entdecken