Chinesische Band

Pferdekopfgeige und Pommesgabel: Suld beim WGT in Leipzig

Folk-Metal mit Kehlkopfgesang: Suld aus der Inneren Mongolei beim Wave-Gotik-Treffen.

Folk-Metal mit Kehlkopfgesang: Suld aus der Inneren Mongolei beim Wave-Gotik-Treffen.

Leipzig. Man versteht sich. Auch wer in der Inneren Mongolei auf harte Musik steht, formt gern aus Zeige- und kleinem Finger die Pommesgabel – genau genommen natürlich: Teufelshörner. Wann immer Su He, Schlagzeuger der Gruppe Suld, eine Hand frei hat, streckt er den hunderten schwarz gekleideten Menschen den Arm diabolisch entgegen. Sogleich blickt er in ein Meer aus Pommesgabeln. „Hoi, hoi, hoi, hoi!“, ruft Bai Sile in die Menge. Das Publikum versteht natürlich, was der Sänger will, und stimmt ein in den Chor.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Erstmals in mehr als einem Vierteljahrhundert Wave-Gotik-Treffen ist am Sonntag auf der Heidenbühne am Torhaus Dölitz eine Band aus China aufgetreten. Aber mit ihrem mongolischen Folk-Metal müssen die fünf Musiker hier keine allzu großen kulturellen Hürden überspringen. Vielmehr sind es vor allem die Solos von Xu Xiaochen auf der mongolischen Pferdekopfgeige und Bais wummernder Kehlkopfgesang, die den Jubel entfachen – mehr noch als die kraftvollen Thrash-Metal-Passagen, die sie ebenso draufhaben.

Gangnam-Style? Headbanging!

Die Innere Mongolei ist eine autonome Region der Volksrepublik, in der heute weit mehr Han-Chinesen als Mongolen leben. „Danke, dass ihr mongolische Musik unterstützt!“, liest Bai auf Englisch von einem Zettel ab und hebt ein himmelblaues Tuch in die Höhe, die Farbe der Mongolei. Hinter der Bühne wird er später erklären, dass die Band die westlichen Instrumente vor allem verwende, um uralten Melodien der mongolischen Überlieferung weltweit Gehör zu verschaffen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Fernen Osten haben Suld schon auf größeren Bühnen gerockt, etwa im Winter in Taiwan vor Zehntausenden. Doch es ist ihnen anzumerken, dass so ein Auftritt in – wie wird dieser Stadtname noch mal ausgesprochen? – „Lei-zick!“ für sie äußerst besonders ist. Suld hatten sich dafür beworben. Die fünf CDs, die sie nach einer Stunde ins Publikum werfen, finden reißende Abnehmer. Ihre Plektren und Trommelstöcke ebenso. Ein letztes Mal formt Xu die Hand zur Pommesgabel, kurz darauf deutet er kurz den Gangnam-Style an. Verschmitzt grinst er darüber, hier doch noch eine kulturelle Grenze zu überschreiten: in Richtung Korea-Pop. Die zur Musik passende Bewegung führen sie aber auch gleich noch vor. Heftig schütteln sie ihre Mähnen im Takt des wohlklingenden Krachs.

Von Mathias Wöbking

Mehr aus Kultur regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen